Bemaßte Ansichten in Hannover — Fassaden zwischen Wiederaufbau-Zeile und rekonstruierter Altstadt

Ein Grundriss verrät, wie ein Gebäude von innen funktioniert, eine Ansicht zeigt, wie es von außen wirkt. In Hannover fällt dabei besonders ins Gewicht, wie unterschiedlich diese Außenwirkung ausfällt: Der weit überwiegende Teil der Stadt trägt bis heute die schlichten, kaum gegliederten Fassaden des schnellen Wiederaufbaus der 1950er-Jahre, während in der kleinen Altstadt rund um Kramerstraße und Holzmarkt eine bewusst nachgebaute Fachwerkkulisse steht – echte historische Substanz neben originalgetreuem Nachbau. Wer hier eine Fassade verändert, muss in der bemaßten Ansicht nicht nur Höhen und Öffnungen belegen, sondern häufig zuerst klären, welcher dieser beiden Kategorien das jeweilige Bauteil überhaupt angehört.

Was eine Ansicht für Hannover zeigen muss

Für Ansichten gelten nach der Niedersächsischen Bauvorlagenverordnung dieselben formalen Grundanforderungen wie für jede andere Bauzeichnung, inhaltlich jedoch mit Schwerpunkt auf der äußeren Erscheinung des Gebäudes:

  • Mindestmaßstab 1:100, mit numerischer Maßstabsangabe, Maßstabsleiste und vollständiger Bemaßung von Höhen und Öffnungen auf jeder dargestellten Fassadenseite.
  • Wesentliche Bauprodukte und Bauarten müssen erkennbar sein – bei einer Ansicht heißt das in der Praxis: Fassadenmaterial, Farbgebung und Fensterteilung, sobald sie für die Beurteilung des Vorhabens von Bedeutung sind.
  • Bei Änderungen an einer bestehenden Fassade müssen zu beseitigende und geplante Bauteile eindeutig unterscheidbar dargestellt werden, etwa ein neuer Fensterausschnitt gegenüber dem vorhandenen Mauerwerk.
  • In den Gestaltungssatzungsgebieten Altstadt, Linden-Mitte und List prüft die untere Denkmalschutzbehörde Eingriffe in Fassadenfarbe und -material zusätzlich zur bauordnungsrechtlichen Prüfung durch den Fachbereich Planen und Stadtentwicklung.
Die Altstadt als Traditionsinsel: echte und nachgebaute Fassade nebeneinander

Was heute als Hannovers Altstadt gilt, ist selbst das Ergebnis einer bewussten Nachkriegsentscheidung. Nach der fast vollständigen Zerstörung der historischen Innenstadt 1943 bis 1945 bewahrte und ergänzte die Stadt rund um Kramerstraße, Burgstraße, Kreuzkirche und Ballhofplatz eine kleine, verkehrsberuhigte Insel mit Fachwerkcharakter, statt den Bestand wie in weiten Teilen der übrigen Innenstadt vollständig durch Wiederaufbau-Zeilen zu ersetzen. An der Kramerstraße stehen dabei rund zehn tatsächlich erhaltene, historische Fachwerkhäuser; an der Burgstraße wurden später zusätzliche Fachwerkfassaden angefügt, die diesen Eindruck fortsetzen, ohne selbst gleich alt zu sein. Am deutlichsten zeigt sich der Unterschied am Leibnizhaus auf dem Holzmarkt: Das 1499 errichtete, 1652 mit einer Renaissancefassade versehene Gebäude wurde 1943 zerstört – die heute sichtbare Fassade entstand zwischen 1981 und 1983 nach alten Plänen, Fotografien und geretteten Fassadenresten als originalgetreuer Nachbau an neuer Stelle, nicht als historische Substanz selbst. Für eine bemaßte Ansicht in diesem Bereich folgt daraus: Bevor Höhen und Öffnungen bemaßt werden, muss feststehen, ob die betroffene Fassade echte historische Substanz, eine spätere Ergänzung oder einen vollständigen Nachbau zeigt – die untere Denkmalschutzbehörde, die Stadtdenkmalpflege der Landeshauptstadt Hannover, bewertet diese drei Fälle unterschiedlich.

Drei Ausgangslagen für die Ansicht in Hannover

Je nachdem, welchem der drei Hannoveraner Fassadentypen ein Vorhaben begegnet, unterscheidet sich der Weg zur fertigen Zeichnung:

Wiederaufbau-Zeile: Aufmaß vor der Fassadendämmung

Die schlichten Fassaden der 1950er-Jahre sind rasch bemaßt, verlangen aber ein aktuelles Aufmaß, weil nachträglich veränderte Fensteröffnungen und angebaute Balkone in der ursprünglichen Bauakte selten vollständig nachgetragen wurden.

Altstadt: Abstimmung mit der Stadtdenkmalpflege

Für eine Fassade an Kramerstraße, Burgstraße oder Holzmarkt klärt sich zuerst, ob erhaltene Substanz, spätere Ergänzung oder Nachbau vorliegt – erst danach lässt sich die geplante Änderung mit der unteren Denkmalschutzbehörde abstimmen.

Neubau: alle Seiten aus einer Planung

Bei einem Neubauvorhaben, etwa im entstehenden Stadtteil Kronsrode, entstehen die Ansichten aller Fassadenseiten gemeinsam mit Grundriss und Schnitt aus derselben digitalen Planung – Maße und Materialangaben passen von vornherein zueinander.

Was zu einer vollständigen Ansicht in Hannover gehört

Eine einzelne Fassadenzeichnung reicht dem Fachbereich Planen und Stadtentwicklung selten – gefragt ist ein abgestimmter Satz:

  • Ansichten aller betroffenen Fassadenseiten

    Bemaßt im Maßstab mindestens 1:100, mit Höhen, Öffnungen und, wo relevant, Angaben zu Material und Farbe.

  • Abgestimmter Grundriss und Schnitt

    Damit Maße, Geschosshöhen und Öffnungspositionen zwischen den Zeichnungen des Plansatzes übereinstimmen.

  • Einordnung nach Gestaltungssatzung oder Denkmalschutz

    Liegt das Gebäude in der Altstadt, in Linden-Mitte oder in der List, fließt diese Einordnung von Beginn an in Material- und Farbangabe der Ansicht ein, statt nachträglich ergänzt zu werden.

  • Bestandsfoto oder Aufmaß der vorhandenen Fassade

    Bei Änderungen an einer bestehenden Fassade zeigt ein aktuelles Foto oder Aufmaß, was tatsächlich vorhanden ist – wichtig, weil ältere Wiederaufbau-Bauakten Umbauten oft nicht lückenlos nachführen.

Bemaßte Ansichten in Hannover – Beispiele aus der Praxis

Fenstertausch an einem Fachwerkhaus in der Kramerstraße

Weil es sich um eines der tatsächlich erhaltenen historischen Gebäude handelt, dokumentiert die Ansicht Rahmenprofil und Sprossenteilung im Bestand, bevor eine neue Ausführung mit der Stadtdenkmalpflege abgestimmt wird.

Fassadendämmung an einer unsanierten Wiederaufbau-Zeile

Außerhalb der Gestaltungssatzungsgebiete lässt sich die energetische Dämmung ohne denkmalrechtliche Zusatzprüfung in der Ansicht nachweisen – die veränderte Wandstärke verschiebt allerdings die Laibungstiefe an jeder Fensteröffnung.

Balkonanbau an einem List-Altbau

Die selten erhaltenen Gründerzeitfassaden der List zeigen eine reichere Gliederung als der übrige Bestand; ein neuer Balkon braucht deshalb eine Ansicht, die zeigt, wie er sich in vorhandene Gesimse und Fensterachsen einfügt.

Neubau-Reihenhauszeile in Kronsrode

Ansichten aller Seiten entstehen direkt aus der digitalen Planung, ohne Bezug auf Gestaltungssatzung oder Bestandsfassade – der unkomplizierteste der drei Hannoveraner Fälle.

So entsteht Ihre Ansicht für Hannover

Von der Einordnung der Fassade bis zur einreichfertigen Zeichnung:

  1. Fassadentyp einordnen

    Wiederaufbau-Zeile, Altstadt-Substanz oder Neubau bestimmen, welche Zusatzprüfung neben der reinen Bemaßung ansteht.

  2. Aufmaß oder Bauakte als Grundlage

    Bestehende Bauakte des Fachbereichs Planen und Stadtentwicklung oder ein aktuelles Aufmaß der betroffenen Fassadenseite.

  3. Bei Altstadtlage: Rücksprache mit der Stadtdenkmalpflege

    Vor der endgültigen Zeichnung klärt sich, ob erhaltene Substanz, spätere Ergänzung oder Nachbau vorliegt und welche Vorgaben daraus für Material und Farbe folgen.

  4. Ansicht bemaßt erstellen

    Im Maßstab mindestens 1:100, mit allen Pflichtangaben der NBauVorlVO.

  5. Mit Grundriss und Schnitt abgleichen und einreichen

    Digital über das virtuelle Bauamt an den Fachbereich Planen und Stadtentwicklung, widerspruchsfrei zu den übrigen Zeichnungen des Plansatzes.

Was den Preis für eine Ansicht in Hannover beeinflusst

Diese Faktoren bestimmen den Aufwand für eine bemaßte Ansicht in Hannover:

  • Lage in einem Gestaltungssatzungsgebiet

    Eine Fassade in Altstadt, Linden-Mitte oder List verlangt zusätzliche Abstimmung mit der unteren Denkmalschutzbehörde gegenüber einem Vorhaben ohne diese Bindung.

  • Echte Substanz oder spätere Ergänzung

    Bei einem Altstadtgebäude klärt sich zuerst, ob erhaltene historische Bauteile, eine spätere Fachwerkergänzung oder ein vollständiger Nachbau betroffen ist – das beeinflusst den Rechercheaufwand.

  • Zustand vorhandener Bauakten

    Fehlt eine verwertbare Bestandszeichnung, etwa weil nachträgliche Veränderungen an einer Wiederaufbau-Fassade nie nachgetragen wurden, kommt ein Aufmaß-Termin hinzu.

  • Zahl der betroffenen Fassadenseiten

    Eine einzelne Straßenansicht ist schneller erstellt als mehrere Seiten bei einem freistehenden Gebäude.

Alle Leistungen in Hannover

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