Bemaßte Schnittzeichnungen in Hamburg — von der Warft-Ebene bis zum ausgebauten Dachgeschoss

Ein Schnitt zeigt, was Grundriss und Ansicht offenlassen: den vertikalen Aufbau eines Gebäudes. In Hamburg trägt diese Zeichnung mitunter mehr Informationen als anderswo – auf einer HafenCity-Warft etwa muss sie zwei unterschiedliche Bezugsebenen zueinander darstellen, die tiefer liegende Straße und die künstlich erhöhte Warft mit ihrem wasserdicht ausgebauten Sockelgeschoss. In den zahlreichen noch ungenutzten Dachgeschossen der Gründerzeit- und Genossenschaftsbauten wiederum ist der Schnitt die Zeichnung, an der sich entscheidet, ob ein Ausbau in der geplanten Form überhaupt möglich ist.

Was ein Schnitt für Hamburg zeigen muss

Für Schnittzeichnungen gelten dieselben formalen Grundanforderungen der Bauvorlagenverordnung wie für andere Bauzeichnungen, mit inhaltlichem Schwerpunkt auf der vertikalen Struktur:

  • Der Maßstab unterschreitet 1:100 nicht, dazu kommen eine numerische Maßstabsangabe, eine Maßstabsleiste und die vollständige Bemaßung von Geschosshöhen, Dachneigung und Aufbauten.
  • Erkennbar sein müssen außerdem die wesentlichen Bauprodukte und Bauarten – beim Schnitt vor allem Deckenkonstruktion, Dachaufbau und, wo einschlägig, der Aufbau eines Sockelgeschosses.
  • Greift das Vorhaben in ein bestehendes Gebäude ein, müssen Bestand und Planung im Schnitt klar auseinanderzuhalten sein – etwa eine neu eingezogene Decke gegenüber der vorhandenen Dachkonstruktion.
Zwei Bezugsebenen in einer Zeichnung: der Schnitt auf der Warft

HafenCity und Speicherstadt liegen komplett vor der Hauptdeichlinie und damit außerhalb des klassischen Hochwasserschutzes der Stadt. Neubauten dort folgen dem Warft-Prinzip: Öffentliche Straßen und Plätze liegen auf 7,5 bis 8,5 Meter über Normalhöhennull, die Gebäude selbst erhalten statt eines klassischen Kellers ein wasserdicht ausgebautes Sockelgeschoss mit eigenen Hochwasserschutztoren. Für den Schnitt bedeutet das eine zusätzliche Aufgabe, die es andernorts in dieser Form nicht gibt: Er muss die tiefer liegende Straßenebene, die Warft-Ebene und den Aufbau des Sockelgeschosses widerspruchsfrei zueinander darstellen, statt wie üblich mit einem einzigen Bezugsniveau auszukommen. Wer diesen Höhensprung in der Planung übersieht, riskiert Rückfragen des zuständigen Fachamts Bauprüfung, die sich mit einer sauber bemaßten Zeichnung von Anfang an vermeiden lassen.

Neubau auf der Warft oder Bestand im Altbau

Ob ein Schnitt neu entsteht oder einen Bestand dokumentiert, wirkt sich auf die Herangehensweise aus:

Neubau auf einer HafenCity-Warft

Straßenebene, Warft und Sockelgeschoss entstehen gemeinsam mit Grundriss und Ansicht aus einer Planung – die Höhenbezüge sind von Beginn an eingerechnet, ohne dass ein Bestand abgeglichen werden müsste.

Dachgeschossausbau und Umbau im Bestand

Vor dem Schnitt braucht es ein aktuelles Aufmaß der bestehenden Geschosshöhen und der Dachkonstruktion, etwa bei einem Genossenschaftsbau in Barmbek oder einer Kontorhausetage mit unklarer lichter Höhe – nur so lassen sich Bestand und geplante Änderung im Schnitt eindeutig unterscheiden.

Was zu einem vollständigen Schnitt in Hamburg gehört

Allein steht ein Schnitt selten – das zuständige Fachamt Bauprüfung erwartet einen aufeinander abgestimmten Satz:

  • Die eigentliche Schnittzeichnung

    Geführt durch die entscheidenden Gebäudebereiche, im Maßstab mindestens 1:100 und mit allen relevanten Höhen versehen.

  • Grundriss und Ansicht als Gegenprobe

    Erst im Abgleich zeigt sich, ob Geschosshöhen, First- und Traufmaß in allen drei Zeichnungen widerspruchsfrei zueinander passen.

  • Der Nachweis der tatsächlichen Raumhöhe

    Beim Dachgeschossausbau entscheidet sie über die nutzbare Fläche unter der Schräge, auf der Warft über die Abgrenzung zwischen Sockelgeschoss und Straßenniveau.

Bemaßte Schnittzeichnungen in Hamburg – Beispiele aus der Praxis

Neubau auf einer HafenCity-Warft

Der Schnitt zeigt den Höhensprung von der Straße zur Warft und den Aufbau des wasserdicht ausgebauten Sockelgeschosses in einer durchgehend bemaßten Zeichnung.

Dachgeschossausbau an einem Genossenschaftsbau in Barmbek

Kniestockhöhe und die nutzbare Raumhöhe unter der Dachschräge entscheiden, ob der Ausbau in der geplanten Form genehmigungsfähig ist – Grundlage ist ein aktuelles Aufmaß, weil die historische Bauakte den heutigen Bestand oft nicht mehr abbildet.

Umnutzung einer Kontorhausetage im Welterbe-Quartier

Der Schnitt macht die großen Geschosshöhen und das tragende Stützenraster sichtbar, die ursprünglich eine gewerbliche Nutzung vorsahen – Grundlage für die Frage, welche Raumhöhen eine spätere Wohnnutzung überhaupt zulässt.

Prüfung der Vollgeschossigkeit bei einem Staffelgeschoss

Erst der bemaßte Schnitt zeigt, ob die Raumhöhe des obersten Geschosses die Schwelle zum Vollgeschoss erreicht – mit Folgen für die zulässige Geschosszahl nach dem Planungsrecht.

So entsteht Ihr Schnitt für Hamburg

Von der Bestandsaufnahme bis zur einreichfertigen Zeichnung:

  1. Schnittführung festlegen

    Es wird geklärt, durch welche Gebäudebereiche geschnitten werden muss, um Geschosshöhen, Dachaufbau oder den Warft-Sprung vollständig zu zeigen.

  2. Datengrundlage beschaffen

    Je nach Verfügbarkeit dient die Bauakte des zuständigen Bezirksamts als Basis, oder die betroffenen Geschosse und das Dach werden aktuell aufgemessen.

  3. Zeichnung anfertigen

    Bemaßt im vorgeschriebenen Mindestmaßstab von 1:100, versehen mit allen Pflichtangaben der Bauvorlagenverordnung.

  4. Gegen Grundriss und Ansicht prüfen

    Erst der Abgleich stellt sicher, dass Geschosshöhen und Dachmaße im gesamten Plansatz übereinstimmen.

  5. Einreichfertig übergeben

    Digital aufbereitet für das zuständige Fachamt Bauprüfung – mit besonderer Sorgfalt, wenn ein Dachgeschossausbau oder ein Vorhaben auf der Warft genehmigungskritisch ist.

Was den Preis für einen Schnitt in Hamburg beeinflusst

Diese Faktoren bestimmen den Aufwand für eine bemaßte Schnittzeichnung:

  • Wie viele Schnitte gebraucht werden

    Ein einzelner Gebäudeschnitt ist rascher erstellt als mehrere Schnittführungen durch unterschiedliche Bereiche desselben Gebäudes.

  • Ob Neubau, Warft-Lage oder Bestand vorliegt

    Eine laufende HafenCity-Planung liefert die Höhenbezüge meist direkt mit, während ein unklarer Altbau-Bestand zusätzlich ein Aufmaß verlangt.

  • Wie aufwendig der Dachaufbau ist

    Gauben, Schrägen und Kniestöcke bei einem Dachgeschossausbau verlangen mehr Detaillierung als ein einfaches Satteldach.

  • Wie verlässlich die vorhandene Bauakte ist

    Findet sich beim zuständigen Bezirksamt keine brauchbare Bestandszeichnung, wird vor dem eigentlichen Schnitt zunächst vor Ort gemessen.

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