Aufmaß & Vermessung in Göttingen — Innenmaße erfassen, wo die amtliche Einmessung aufhört

Zwei völlig unterschiedliche Vermessungen können bei ein und demselben Göttinger Gebäude nötig werden, und wer sie verwechselt, verliert Zeit. Die eine ist hoheitlich: Nach dem Niedersächsischen Vermessungs- und Katastergesetz müssen Eigentümerinnen und Eigentümer ein neu errichtetes oder in den Außenmaßen verändertes Gebäude auf eigene Kosten amtlich vermessen lassen – anders als etwa in Bayern, wo diese Aufgabe von Amts wegen erledigt wird. Diese amtliche Einmessung betrifft jedoch ausschließlich den äußeren Umriss für das Liegenschaftskataster. Die andere Vermessung ist privat und genau dort gefragt, wo die amtliche endet: beim Erfassen von Innenräumen, Wandstärken und Deckenhöhen, wie sie für Grundrisse, Wohnflächenberechnung oder einen Bauantrag gebraucht werden. Gerade in den zahlreichen Fachwerkhäusern der Innenstadt, deren Innenausbau sich über Jahrhunderte veränderte, liefert nur diese zweite, private Vermessung eine belastbare Grundlage.

Wann ein privates Aufmaß in Göttingen sinnvoll wird

An keine Vorschrift gebunden, wird ein Bauaufmaß dort nötig, wo eine Fläche oder Geometrie belegt werden muss:

  • Es fehlen Bestandspläne, oder vorhandene Zeichnungen zeigen einen Stand, den spätere Umbauten längst überholt haben.
  • Ein Bauantrag, eine Nutzungsänderung oder ein Umbau steht an und braucht einen verlässlichen Bestand als Planungsgrundlage.
  • Bank oder Gutachter verlangen eine Flächenangabe mit nachvollziehbarem Rechenweg.
  • Wohnungseigentum wird begründet: Der Aufteilungsplan nach § 7 WEG muss jede Einheit eindeutig abgrenzen.
  • Ein Haus wird in einzeln vermietbare Zimmer aufgeteilt, deren Flächen jeweils separat dokumentiert werden müssen.
Warum die amtliche Einmessung das eigentliche Problem nicht löst

Anders als in Bayern, wo die Gebäudeeinmessung ohne Zutun der Eigentümerseite von der staatlichen Vermessungsverwaltung übernommen wird, verpflichtet das Niedersächsische Vermessungs- und Katastergesetz Eigentümerinnen, Eigentümer sowie Nutzungs- oder Erbbauberechtigte selbst dazu, ein neues oder in seinen Außenmaßen verändertes Gebäude bei einer amtlichen Vermessungsstelle vermessen zu lassen – auf eigene Kosten, bemessen am Herstellungswert des Gebäudes. Kommt niemand dieser Pflicht von sich aus nach, kann die Nachholung sogar von Amts wegen veranlasst werden, wiederum auf Kosten der verpflichteten Person. Für Innenräume bringt diese Pflicht trotzdem nichts: Wer Grundrisse, eine Wohnflächenberechnung oder eine Kubaturermittlung braucht, kommt am privaten Bauaufmaß nicht vorbei, unabhängig davon, ob die amtliche Einmessung bereits erfolgt ist.

Erfassungsmethoden im Vergleich

Welche Methode zum Einsatz kommt, richtet sich nach Geometrie des Gebäudes und Verwendungszweck der Unterlagen:

Handaufmaß mit Laserdistanzmessgerät

Für die meisten Wohnungen ausreichend genau, mit marktüblichen Geräten im Bereich von etwa ± 1,5 Millimetern.

Verknüpfte Vermessung mehrerer Gebäudeteile

Bei historischen Häusern mit rückwärtigen Anbauten oder Hofbebauung bringt ein gemeinsamer Bezugsrahmen alle Gebäudeteile zueinander in Deckung.

3D-Laserscanning

Für stark unregelmäßige oder verschachtelte Bausubstanz, mit Punktgenauigkeiten im Millimeterbereich und einem vollständigen Bestandsmodell als Nebenprodukt.

Kontrollierte Übernahme vorhandener Pläne

Nach § 3 Abs. 4 WoFlV darf die Wohnfläche auch aus einer Bauzeichnung ermittelt werden – vorausgesetzt, der gebaute Zustand entspricht ihr noch, was stichprobenartig vor Ort geprüft wird.

Was aus dem Aufmaß entsteht

Der Messvorgang selbst ist nur der erste Schritt – nutzbar wird er erst durch die daraus abgeleiteten Unterlagen:

  • Bemaßte Grundrisse jedes Geschosses

    Vom Keller bis zum Dach, mit durchgehenden Maßketten statt einer reinen Maßstabsangabe.

  • Schnitte und Ansichten

    Zeigen Geschosshöhen und den Verlauf von Dachschrägen und Fachwerkdecken.

  • Wohnflächenberechnung

    Nach § 3 Abs. 1 WoFlV im lichten Maß ab Vorderkante der Bekleidung, also am fertigen Zustand gemessen.

  • Flächen und Kubatur nach DIN 277

    Beschreibt das Bauwerk selbst, unabhängig von der Wohnnutzung – wichtig für Bauvorlagen und Bewertung.

  • Rohdaten als Beleg

    Aufmaßskizze, Fotos und gegebenenfalls Punktwolke bleiben Teil der Dokumentation und ersparen bei Rückfragen einen zweiten Termin.

Aufmaße in Göttingen – Beispiele aus der Praxis

Fachwerkhaus im Baukulturensemble

Der heutige Innenausbau weicht nach Jahrhunderten wechselnder Nutzung oft deutlich vom historischen Grundriss ab – das Aufmaß erfasst den tatsächlichen Zuschnitt.

Neubau mit anstehender amtlicher Einmessung

Neben der hoheitlichen Vermessung des Außenumrisses wird meist zusätzlich ein privates Aufmaß für Grundrisse und Wohnflächenberechnung beauftragt.

Dachgeschoss ohne verwertbaren Bestandsplan

Erst die eingemessenen Ein- und Zwei-Meter-Höhenlinien machen die Anrechnung der Schrägflächen nachvollziehbar.

Haus wird zu mehreren Wohngemeinschaftszimmern

Vor der Aufteilung müssen individuell und gemeinsam genutzte Flächen im Aufmaß eindeutig getrennt werden.

So läuft Ihr Aufmaß in Göttingen ab

Der grundsätzliche Ablauf ist überall gleich; in Göttingen entscheidet vor allem die Vorarbeit über die Dauer:

  1. Zweck und Detailtiefe festlegen

    Ein Bankennachweis, eine Bauvorlage und ein Aufteilungsplan stellen unterschiedliche Anforderungen.

  2. Vorhandene Unterlagen sichten

    Pläne oder eine historische Akte werden auf Übereinstimmung mit dem heutigen Bestand geprüft.

  3. Termin und Zugang klären

    Keller, Dachboden und Nebengebäude müssen für die Erfassung zugänglich sein.

  4. Vor-Ort-Erfassung

    Raumweise gemessen, inklusive Diagonalen, Höhen, Nischen und Öffnungen.

  5. Auswertung und Übergabe

    Aus den Messdaten entstehen Zeichnungen und Flächenberechnung mit nachvollziehbarem Rechenweg.

Was den Preis für ein Aufmaß in Göttingen beeinflusst

Zwei gleich große Wohnungen können im Messaufwand deutlich auseinanderliegen:

  • Zuschnitt der Räume

    Verwinkelte Fachwerkgrundrisse mit Nischen und Schrägen brauchen mehr Messzeit als klar geschnittene Zimmer.

  • Gebäudealter

    Ein jahrhundertealtes Gebäude ist meist aufwendiger zu erfassen als ein regelmäßiger Neubau.

  • Gewählte Erfassungsmethode

    Handaufmaß, verknüpfte Vermessung und Laserscanning unterscheiden sich im Geräteeinsatz und in der Auswertung.

  • Zugänglichkeit vor Ort

    Nicht geöffnete Kellerräume oder verstellte Ecken führen zu zusätzlichem Aufwand.

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