Bemaßte Ansichten in Fürth — reich gegliederte Gründerzeit- und Jugendstilfassaden präzise vermaßt

Eine bemaßte Ansicht reduziert ein Gebäude auf das, was von der Straße aus sichtbar ist: Fassadenfläche, Fensteröffnungen, Trauf- und Firstlinie, jeweils mit eigenem Maß versehen. In Fürth verlangt diese Aufgabe besondere Sorgfalt, weil die Fassaden selbst ungewöhnlich reich gestaltet sind: Weil nur rund 9,9 Prozent der Bausubstanz im Zweiten Weltkrieg verloren gingen, prägen aufwendig gegliederte Gründerzeit-, Historismus- und Jugendstilfassaden mit Erkern, Balkonen, Stuckelementen und Zierformen weite Teile der Stadt – etwa entlang der Königswarterstraße und der Hornschuchpromenade. Anders als eine schlichte Wiederaufbaufassade der Nachkriegszeit verlangt eine solche Fassade in der Ansicht deutlich mehr Einzelmaße, um jedes Zierelement korrekt zu erfassen.

Was eine Ansicht für Fürth zeigen muss

Formal verlangt die Bayerische Bauvorlagenverordnung von einer Ansicht dasselbe wie von jeder anderen Bauzeichnung; inhaltlich verschiebt sich der Schwerpunkt in Fürth zur Detailtreue der historischen Fassadengliederung:

  • Der Maßstab darf 1:100 nicht unterschreiten, jede Fassadenseite braucht durchgehende Maße für Höhen und Öffnungen sowie die nach Anlage 1 vorgeschriebenen Zeichen und Farben.
  • An einem der über 2.000 Baudenkmäler oder im Ensemble Altstadt verlangt die Bauaufsicht als untere Denkmalschutzbehörde zusätzlich Angaben zu Material, Farbton und historischem Bestand.
  • Bei Änderungen an einer bestehenden Fassade müssen zu beseitigende und geplante Bauteile eindeutig unterscheidbar dargestellt werden, etwa ein neuer Fensterausschnitt in einer Gründerzeitfassade.
Erker, Stuck und Balkone verlangen mehr Einzelmaße

Eine Wiederaufbaufassade der 1950er-Jahre lässt sich in einer Ansicht oft mit vergleichsweise wenigen Maßen vollständig erfassen: glatte Wandflächen, regelmäßig gesetzte Fenster, ein einfacher Dachanschluss. Die Gründerzeit- und Jugendstilfassaden, die weite Teile Fürths prägen, funktionieren anders: Vorspringende Erker mit eigenen Dächern, umlaufende Gesimse, Balkone mit schmiedeeisernen Geländern und plastischer Stuckdekor gliedern dieselbe Fassadenfläche in deutlich mehr Einzelelemente, von denen jedes seine eigene Höhen- und Tiefenangabe braucht. Wer eine solche Fassade saniert oder verändert, muss der Bauaufsicht in ihrer Rolle als untere Denkmalschutzbehörde häufig zusätzlich nachweisen, welche Zierelemente erhalten bleiben und welche durch eine Sanierung wiederhergestellt werden. Der zeichnerische Mehraufwand gegenüber einer schlichten Fassade ist entsprechend real, unabhängig davon, ob das konkrete Gebäude formal als Einzeldenkmal gilt.

Zwei Fassadentypen, zwei Ausgangslagen

Welche Angaben eine Ansicht in Fürth zusätzlich zur reinen Bemaßung braucht, hängt von der Gliederung der jeweiligen Fassade ab:

Reich gegliederte Gründerzeit- oder Jugendstilfassade

Vor der Zeichnung klärt sich, ob Einzeldenkmal- oder Ensemblestatus vorliegt. Die Ansicht weist Erker, Balkone, Gesimse und Stuckelemente jeweils einzeln mit eigenen Maßen nach.

Schlichte Fassade außerhalb der historischen Innenstadt

Ohne aufwendige Gliederung genügt die bemaßte Darstellung nach den bauordnungsrechtlichen Grundanforderungen; ein möglicher Ensemble- oder Einzeldenkmalstatus wird trotzdem gesondert geprüft.

Was zu einer vollständigen Ansicht in Fürth gehört

Eine einzelne Fassadenzeichnung reicht der Bauaufsicht selten – gefragt ist ein auf Grundriss und Schnitt abgestimmter Satz:

  • Ansichten aller sichtbaren Fassadenseiten

    Bemaßt im Maßstab mindestens 1:100, mit Höhen, Öffnungen und, bei geschützter Substanz, Material- und Farbangabe zu Zierelementen.

  • Abgestimmter Grundriss und Schnitt

    Damit Fensterpositionen, Geschosshöhen und Dachlinien zwischen den Zeichnungen des Plansatzes übereinstimmen.

  • Nachweis des Schutzstatus

    Ob Einzeldenkmal oder Ensemble Altstadt vorliegt, entscheidet, welche zusätzliche Prüfung die Bauaufsicht als untere Denkmalschutzbehörde vornimmt.

  • Bestandsfotos der betroffenen Fassade

    Bei aufwendig gegliederten Fassaden erleichtern aktuelle Fotos die Abgrenzung zwischen originalem Zierelement und späterer Veränderung.

Bemaßte Ansichten in Fürth – Beispiele aus der Praxis

Erkersanierung an einem Jugendstilhaus an der Hornschuchpromenade

Die Ansicht weist Erkerform, Dachanschluss und die vorhandene Stuckgliederung einzeln nach, bevor mit der Denkmalpflege abgestimmt wird, welche Sanierungsmaßnahmen zulässig sind.

Fenstertausch an einem Baudenkmal in der Altstadt

Die Ansicht dokumentiert die vorhandene Sprossenteilung und Laibungstiefe, bevor geklärt wird, welche neuen Fenstermaße sich in die historische Fassade einfügen.

Balkonanbau an einem Gründerzeithaus außerhalb der Altstadt

Ohne Bindung an eine Gestaltungssatzung prüft die Bauaufsicht vor allem die bauordnungsrechtlichen Grundanforderungen; ein möglicher Ensembleschutz wird gesondert abgeklärt.

Neubaufassade in einem jüngeren Wohngebiet

Ohne Denkmalbindung genügt die bemaßte Darstellung nach den formalen Grundanforderungen der Bauvorlagenverordnung.

So entsteht Ihre Ansicht für Fürth

Von der Einordnung der Fassade bis zur einreichfertigen Zeichnung durchläuft die Ansicht mehrere Schritte:

  1. Fassadengliederung und Schutzstatus klären

    Zunächst wird geprüft, ob Einzeldenkmalschutz oder Ensemble Altstadt greifen – und wie aufwendig die vorhandene Fassade tatsächlich gegliedert ist.

  2. Registratur-Akte oder Aufmaß beschaffen

    Vorhandene Unterlagen aus der Bauregistratur oder ein aktuelles Aufmaß der betroffenen Fassade bilden die Grundlage.

  3. Ansicht bemaßt zeichnen

    Im vorgeschriebenen Mindestmaßstab, mit allen Pflichtangaben und, wo relevant, Einzelmaßen für Erker, Balkone und Stuckelemente.

  4. Mit Grundriss und Schnitt abgleichen

    Damit Öffnungen, Höhen und Bauteile über den gesamten Plansatz widerspruchsfrei bleiben.

  5. Bei Bedarf mit der Denkmalpflege abstimmen

    Bei Einzeldenkmal oder Ensemble erfolgt die Abstimmung über dieselbe Bauaufsicht, bevor der Plansatz eingereicht wird.

Was den Preis für eine Ansicht in Fürth beeinflusst

Diese Faktoren bestimmen den Aufwand für eine bemaßte Ansicht in Fürth:

  • Gliederungstiefe der Fassade

    Erker, Balkone und Stuckelemente verlangen deutlich mehr Einzelmaße als eine schlichte, glatte Wandfläche.

  • Zahl der betroffenen Fassadenseiten

    Bei geschlossener Blockrandbebauung bleibt oft nur eine einzelne Seite darstellungspflichtig, bei freistehenden Gebäuden mehrere.

  • Einzeldenkmal oder Ensemble Altstadt

    Jede dieser Bindungen bringt eigene Material- und Formvorgaben mit sich, die zusätzlich nachgewiesen werden müssen.

  • Zustand der Registratur-Akte

    Fehlt eine verwertbare Bestandszeichnung, kommt vor der eigentlichen Ansicht ein Aufmaß-Termin hinzu.

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