Aufmaß & Vermessung in Fürth — wenn hundert Jahre Umbaugeschichte die Bauakte überholen

Fürth stellt Vermesser vor eine Aufgabe, die auf den ersten Blick einfacher wirkt, als sie ist: Weil beim Zweiten Weltkrieg nur rund 9,9 Prozent der Bausubstanz zerstört wurden, steht ein Gebäude fast immer noch dort, wo es die letzte Bauakte beschreibt – anders als in stärker zerstörten Städten muss selten geklärt werden, ob ein Plan überhaupt zum vorhandenen Haus gehört. Die eigentliche Schwierigkeit liegt in der Zeit danach: Ein Gründerzeithaus, das seit über hundert Jahren steht, wurde in dieser Zeit vermutlich mehrfach umgebaut, unterteilt und modernisiert – nicht jede dieser Maßnahmen wurde seinerzeit angezeigt oder in der städtischen Bauregistratur nachgetragen. Ein Bauaufmaß beantwortet deshalb eine sehr handfeste Frage: wie das Gebäude heute tatsächlich geschnitten ist, unabhängig davon, was die ursprüngliche Genehmigungszeichnung einmal zeigte.

Wann ein Aufmaß in Fürth gebraucht wird

Ein Bauaufmaß ist an keine Vorschrift geknüpft – niemand muss eines beauftragen. Verlangt wird es dort, wo eine Fläche oder eine Geometrie belegt werden soll und die vorhandenen Papiere das nicht hergeben. In Fürth vor allem in diesen Lagen:

  • Die vorhandene Bauakte zeigt einen Ursprungszustand aus der Gründerzeit, der Bau wurde seither aber mehrfach verändert, ohne dass jede Änderung angezeigt wurde.
  • Ein Umbau, ein Bauantrag oder eine Nutzungsänderung steht an: Bauzeichnungen sind grundsätzlich im Maßstab 1:100 einzureichen und setzen einen maßhaltigen Bestand voraus.
  • Bank oder Sachverständiger verlangen eine Flächenangabe mit nachvollziehbarem Rechenweg; ohne Messgrundlage lässt sie sich nicht erzeugen.
  • Wohnungseigentum soll begründet werden: Für die Abgeschlossenheitsbescheinigung erwartet die Fürther Bauaufsicht einen bemaßten, durchnummerierten Aufteilungsplan.
  • Die vertraglich zugesagte Fläche steht in Frage: Unterschreitet die tatsächliche die vereinbarte Wohnfläche um mehr als zehn Prozent, ist das nach ständiger Rechtsprechung ein Mangel der Mietsache.
Was das Kataster über Ihr Fürther Gebäude sagt – und was nicht

Bayern verzichtet als einziges Land auf öffentlich bestellte Vermessungsingenieure. Hoheitlich vermessen darf hier allein die staatliche Vermessungsverwaltung; für Fürth ist das Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung Nürnberg zuständig, dessen Bezirk neben der Nachbarstadt Nürnberg auch Fürth und den Landkreis Nürnberger Land umfasst. Eigentümer müssen dafür nichts veranlassen: Ein neu errichtetes Gebäude wird nach Art. 12 BayVermKatG von Amts wegen eingemessen – ohne Antrag und ohne die Möglichkeit, den Zeitpunkt selbst zu wählen. Die Kosten trägt gleichwohl der jeweilige Gebäudeeigentümer. Für Bauvorlagen können Eigentümer einen Liegenschaftskataster-Auszug direkt über das städtische Serviceportal Fürths beantragen, auch wenn die Vermessung selbst beim Amt in Nürnberg liegt. Ein Katasterauszug beschreibt aber ausschließlich Lage und Umriss eines Grundstücks – nichts über Wandstärken, Raumzuschnitt, lichte Höhen oder Wohnfläche. Genau diese Lücke füllt das Bauaufmaß, eine privatrechtliche Leistung, während die hoheitliche Seite bei der staatlichen Vermessungsverwaltung verbleibt.

Die Aufmaßverfahren im Detail

Welches Verfahren trägt, entscheiden Bausubstanz und Zweck der späteren Unterlagen – nicht die Größe des Objekts:

Handaufmaß mit dem Laserdistanzmessgerät

Der Regelweg in Wohnungen und überschaubaren Häusern. Die typische Fehlerquelle ist nicht das Gerät, sondern die Übertragung der Werte; die direkte Aufnahme in die Aufmaß-App schließt Abschreibfehler aus.

Vollständige Neuaufnahme bei unklarer Umbaugeschichte

Zeigt die Bauregistratur-Akte nur den Ursprungszustand eines Gründerzeithauses, das seither mehrfach verändert wurde, wird das gesamte Gebäude neu aufgenommen, statt punktuell einzelne Abweichungen zu prüfen.

3D-Laserscanning mit Punktwolke

Für verformte, verschachtelte oder besonders detailreiche Bausubstanz, etwa aufwendig gegliederte Jugendstilfassaden. Der Scan hält Schiefstellungen fest, statt sie beim Zeichnen stillschweigend zu begradigen.

Stichprobenprüfung vorhandener Zeichnungen

Manchmal genügt es, einen Plan zu verifizieren, statt neu aufzunehmen. Kontrolliert werden Achsmaße, Raumhöhen und die Stellen, an denen erfahrungsgemäß umgebaut wurde. Hält die Stichprobe nicht stand, wird vollständig neu gemessen.

Was aus dem Aufmaß entsteht

Der Messvorgang für sich genommen nützt niemandem. Verwertbar wird er durch das, was daraus gezeichnet und dokumentiert wird:

  • Bemaßte Grundrisse aller Ebenen

    Vom Keller bis zum Dachraum, mit durchgehenden Maßketten statt einer bloßen Maßstabsangabe.

  • Schnitte und Ansichten

    Sie machen sichtbar, was im Grundriss verschwindet: Geschosshöhen, Deckenaufbauten und den Verlauf der Dachschräge über dem Raum.

  • Flächenberechnung nach Wohnflächenverordnung

    Ausgewiesen wird jeder Raum einzeln, mit Maß, Höhenzone und Anrechnungsfaktor. Gemessen wird im lichten Fertigmaß – an Putz, Estrich und Bekleidung, nicht am Rohbau.

  • Flächen und Rauminhalte nach DIN 277

    Für Bauvorlagen, Kalkulation und Bewertung. Die Norm beschreibt das Bauwerk statt der Wohnung; beide Angaben stehen deshalb häufig nebeneinander im selben Dokument.

  • Messdaten, Aufmaßskizze und Fotodokumentation

    Die Rohdaten bleiben Teil der Übergabe. Sie belegen, an welcher Stelle welcher Wert genommen wurde, und ersparen bei späteren Rückfragen einen zweiten Termin am Objekt.

Aufmaße in Fürth – vier Fälle aus der Praxis

Gründerzeithaus mit Registratur-Akte aus dem 19. Jahrhundert

Die vorhandene Akte zeigt den Zustand bei Errichtung; seither wurden Wohnungen zusammengelegt und Bäder eingebaut, ohne dass jede Änderung dokumentiert wurde. Aufgenommen wird deshalb der heutige Bestand, nicht die historische Zeichnung.

Denkmalgeschütztes Gebäude im Ensemble Altstadt

Vor einer geplanten Sanierung liefert das Aufmaß die maßhaltige Grundlage für die Abstimmung mit der Bauaufsicht in ihrer Rolle als untere Denkmalschutzbehörde.

Aufteilung eines Mietshauses in Wohnungseigentum

Vor der Begründung von Wohnungseigentum müssen alle Einheiten zeichnerisch eindeutig abgegrenzt sein, samt Kellerabteilen und Dachkammern – Grundlage für den bemaßten Aufteilungsplan.

Dachgeschossausbau in einem Jugendstilhaus

Vor dem verfahrensfreien Ausbau wird die vorhandene Geschosshöhe, Kniestockhöhe und Dachneigung aufgenommen – Grundlage dafür, ob die seit 2025 geltende Verfahrensfreiheit überhaupt greift.

So läuft Ihr Aufmaß in Fürth ab

Das Muster ist überall gleich. Was den Vorgang in Fürth verkürzt oder verlängert, ist die Vorarbeit: was in der Bauregistratur liegt und was am Tag der Aufnahme tatsächlich offen steht.

  1. Erfassungstiefe aus dem Verwendungszweck ableiten

    Ein Flächennachweis für die Bank, eine Planungsgrundlage für den Umbau und ein Aufteilungsplan stellen unterschiedliche Anforderungen an Detailtiefe und Darstellung.

  2. Aktenlage in der Bauregistratur abklären

    Angefragt werden die Vorgänge im Tiefbauamt. Einsicht setzt einen Termin und den Nachweis der Berechtigung voraus, für Dritte eine Vollmacht des Eigentümers.

  3. Zugang zu Keller, Dachraum und Nebenräumen organisieren

    Für die Dauer vor Ort zählt weniger die Wohnfläche als das, was aufgeschlossen ist; bei vermieteten Einheiten braucht die Ankündigung Vorlauf.

  4. Aufnahme am Objekt

    Gemessen wird raumweise, ergänzt um Kontrollmaße und Diagonalen zur Prüfung der Winkel, dazu lichte Höhen, Nischen, Vormauerungen und Öffnungen.

  5. Zeichnungen und Flächen ableiten

    Aus den Messdaten entstehen Grundrisse, Schnitte und Ansichten sowie die Flächenberechnung mit offenem Rechenweg.

Was den Umfang eines Aufmaßes in Fürth bestimmt

Zwei gleich große Wohnungen können sich im Messaufwand um ein Mehrfaches unterscheiden. Ausschlaggebend sind vor allem diese Punkte:

  • Raumzahl und Grundrisstiefe

    Jeder weitere Raum bringt Längen, Höhen und Öffnungen mit sich. Nischen und schiefwinklige Zuschnitte kosten mehr Zeit als klar geschnittene Zimmer gleicher Fläche.

  • Diskrepanz zwischen Bauakte und tatsächlichem Zustand

    Je mehr undokumentierte Umbauten ein Gründerzeithaus über die Jahrzehnte erfahren hat, desto weniger trägt die vorhandene Registratur-Akte als Ausgangspunkt.

  • Zahl der aufzunehmenden Ebenen

    Eine Etagenwohnung ist in einem Durchgang erledigt. Ein Haus mit Dachraum und Keller verlangt zusätzlich einen durchgehenden Höhenbezug über alle Ebenen hinweg.

  • Erreichbarkeit am Termin

    Verschlossene Kellerabteile, verstellte Dachböden oder eine nur teilweise begehbare Einheit erzwingen Nacharbeit.

  • Zeichnungsumfang nach Verwendungszweck

    Ob nur Grundrisse gebraucht werden oder zusätzlich Schnitte, Ansichten und Rauminhalte, entscheidet über die Auswertung.

Alle Leistungen in Fürth

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