Bemaßte Schnitte in Falkensee — der Kniestock entscheidet über den Dachausbau

Der Schnitt legt ein Gebäude in der Höhe offen. Er zeigt, was Grundriss und Ansicht nicht zeigen können: Geschosshöhen, Deckenaufbauten, den Verlauf der Dachschräge, die lichte Höhe in jedem Raum und die Führung der Treppe. In der Praxis ist er die Unterlage, die am häufigsten fehlt — und bei Falkenseer Vorhaben die, an der am meisten hängt.

Das liegt an der Bauweise. Der hiesige Bestand besteht in weiten Teilen aus ein- bis anderthalbgeschossigen Häusern: Siedlungsbauten der zwanziger und dreißiger Jahre, später erweiterte Wochenendhäuser, Bungalows aus der Nachkriegszeit. Bei fast allen liegt Raum unter dem Dach, der als Wohnfläche interessant wäre. Ob er es werden kann, entscheidet sich an wenigen Zentimetern lichter Höhe über einer bestimmten Grundfläche — und diese Frage beantwortet ausschließlich der Schnitt.

Seit dem 30. Juni 2026 erleichtert der neue § 51a der Brandenburgischen Bauordnung Vorhaben im Bestand, darunter ausdrücklich den Dachgeschossausbau. Was er nicht ersetzt, ist der Nachweis, dass die entstehenden Räume die Anforderungen an Aufenthaltsräume erfüllen.

Wann ein Schnitt gebraucht wird

Immer dann, wenn Höhen eine Rolle spielen — und das ist häufiger, als angenommen wird:

  • Beim Ausbau eines Dachgeschosses zu Aufenthaltsräumen.
  • Beim Einbau von Gauben oder Dachflächenfenstern.
  • Bei Aufstockungen und Ersatzneubauten.
  • Bei der Umnutzung von Souterrainräumen zu Wohnraum.
  • Für die Wohnflächenberechnung, wo Fläche unter Schrägen liegt.
  • Für Aufteilungspläne, wenn die Abgeschlossenheit über mehrere Ebenen nachzuweisen ist.
Was der Kniestock mit der nutzbaren Fläche macht

Der Kniestock ist die Höhe der Außenwand vom Rohfußboden des Dachgeschosses bis zum Auflager des Dachs. Er wird in alten Falkenseer Siedlungshäusern gering ausgeführt — häufig unter einem Meter, manchmal fast null —, weil das Dachgeschoss ursprünglich als Speicher gedacht war und nicht als Wohnraum. Die Folge lässt sich am Schnitt ablesen: Bei geringem Kniestock beginnt die Dachschräge unmittelbar über dem Fußboden, und die Zone mit voller Stehhöhe schrumpft auf einen schmalen Streifen entlang des Firsts. Für zwei Bereiche hat das unterschiedliche Konsequenzen. Bauordnungsrechtlich muss ein Aufenthaltsraum über einem ausreichend großen Teil seiner Grundfläche eine bestimmte lichte Höhe aufweisen; wird sie nicht erreicht, ist der Raum kein Aufenthaltsraum, gleichgültig wie er möbliert ist. Für die Wohnflächenberechnung gilt die Staffelung der Wohnflächenverordnung: unter einem Meter nichts, zwischen einem und zwei Metern die Hälfte, darüber voll. Beide Fragen beantwortet dieselbe Zeichnung, aber mit unterschiedlichen Linien. Deshalb reicht es nicht, im Schnitt nur First- und Traufhöhe einzutragen. Gebraucht werden der tatsächliche Kniestock, der Deckenaufbau — der die lichte Höhe um mehrere Zentimeter reduzieren kann —, die Dämmebene unter der Schräge und die Lage geplanter Gauben, die den Bereich mit voller Höhe erweitern. Wer diese Werte schätzt, plant einen Ausbau, der entweder nicht genehmigungsfähig ist oder am Ende deutlich weniger anrechenbare Fläche bringt als angenommen.

Wie die Schnittführung gewählt wird

Ein Schnitt an der falschen Stelle ist so gut wie keiner:

Längsschnitt durch die Treppe

Zeigt die Erschließung über alle Ebenen mit Steigungsverhältnis und Durchgangshöhe — bei nachträglich eingebauten Treppen zu ausgebauten Dächern der kritische Punkt.

Querschnitt durch das Dachgeschoss

Legt Kniestock, Schrägenverlauf und die Zone voller Stehhöhe offen. Der wichtigste Schnitt für jedes Falkenseer Ausbauvorhaben.

Schnitt durch den Anbau

Wo Bauteile aus verschiedenen Jahrzehnten aneinanderstoßen, zeigt er Höhenversprünge, unterschiedliche Deckenaufbauten und den Anschluss der Dächer.

Schnitt durch Souterrain und Zugang

Bei Umnutzungen im Untergeschoss belegt er lichte Höhe, Lage gegenüber dem Gelände und die Belichtungssituation.

Was der Schnitt enthält

Damit er als Bauvorlage taugt und zugleich für die Flächenberechnung nutzbar ist:

  • Lichte Höhen je Raum

    Von Oberkante Fußboden bis Unterkante Decke, nicht von Rohdecke zu Rohdecke. Der Unterschied entscheidet über die Aufenthaltsraumqualität.

  • Kniestockhöhe

    Gemessen am aufgenommenen Bestand. In alten Siedlungshäusern ist er regelmäßig niedriger, als Eigentümer ihn schätzen.

  • Deckenaufbauten

    Estrich, Dämmung und Bekleidung reduzieren die lichte Höhe. Bei geplanten Ausbauten wird der künftige Aufbau mit dargestellt.

  • Dachneigung und Sparrenlage

    Sie bestimmen den Verlauf der Schräge und damit die Lage der Höhenlinien bei einem und bei zwei Metern.

  • Treppe mit Steigungsverhältnis

    Steigungen, Auftritte und die lichte Durchgangshöhe unter der oberen Decke — bei nachträglichen Einbauten oft die engste Stelle.

  • Geländelinie am Gebäude

    Der Bezug nach außen, damit Schnitt und Ansichten dieselbe Höhenlage verwenden.

Falkenseer Situationen im Schnitt

Siedlungshaus mit niedrigem Kniestock

Der Dachraum wirkt geräumig, die Zone mit voller Stehhöhe ist schmal. Der Schnitt zeigt, ob ein Ausbau überhaupt trägt und was er an anrechenbarer Fläche bringt.

Geplante Gaube zur Gartenseite

Sie erweitert den Bereich mit voller Höhe. Wie viel sie bringt, lässt sich nur am Schnitt beziffern — an der Ansicht ist nur ihre Wirkung nach außen ablesbar.

Bungalow mit später aufgesetztem Dachgeschoss

Deckenaufbau und Kniestock stammen aus verschiedenen Bauphasen. Der Schnitt trennt beides und macht die tatsächlichen Raumhöhen sichtbar.

Souterrain als Einliegerwohnung

Neben der lichten Höhe entscheidet die Lage gegenüber dem Gelände. Beides steht im Schnitt, beides wird im Verfahren geprüft.

Wie der Schnitt entsteht

Vier Schritte, aufbauend auf einer Aufnahme, die die Höhen mitnimmt:

  1. Schnittlagen festlegen

    Wir bestimmen vorab, wo geschnitten wird — durch Treppe, Dachraum und die Stellen, an denen das Vorhaben entschieden wird.

  2. Höhen aufnehmen

    Lichte Höhen, Kniestock, Dachneigung, Deckenstärken und der Geländeanschluss werden vor Ort gemessen, nicht aus Plänen übernommen.

  3. Zeichnen und abgleichen

    Der Schnitt wird gegen Grundrisse und Ansichten geprüft. Fensterhöhen, Geschosshöhen und Dachkanten müssen in allen Darstellungen zusammenpassen.

  4. Planung einarbeiten

    Bei geplanten Ausbauten kommt die zweite Fassung mit künftigem Deckenaufbau, Dämmebene und neuen Öffnungen dazu.

Was den Aufwand bestimmt

Vier Größen entscheiden über den Umfang der Zeichenarbeit:

  • Zahl der Schnittlagen

    Ein Schnitt genügt selten. Sobald Treppe, Dachraum und Anbau getrennt zu zeigen sind, kommen weitere hinzu.

  • Aufwand der Höhenaufnahme

    Verwinkelte Dachräume, Kehlen, Gauben und wechselnde Deckenaufbauten verlangen deutlich mehr Messpunkte als ein durchgehender Satteldachraum.

  • Bauphasen im Gebäude

    Wo Bauteile aus verschiedenen Jahrzehnten aneinanderstoßen, muss jeder Anschluss einzeln aufgenommen und dargestellt werden.

  • Bestand oder Bestand plus Planung

    Eine reine Bestandsdokumentation ist schneller fertig als eine Gegenüberstellung mit dem geplanten Ausbau.

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