Bemaßte Schnittzeichnungen in Essen — von der Werkssiedlung bis zur Zechenhalle

Ein Schnitt zeigt, was Grundriss und Ansicht nicht können: den vertikalen Aufbau eines Gebäudes. In Essen liegen dabei zwei sehr unterschiedliche Bauwelten nah beieinander. In den Werkssiedlungen der Zechenzeit – von der Margarethenhöhe bis zu den Kolonien rund um Katernberg – wurden Dachräume ursprünglich als Speicher errichtet und werden heute vielfach nachträglich zu Wohnraum ausgebaut; hier bemisst der Schnitt Kniestockhöhe, Dachneigung und die tatsächlich nutzbare Raumhöhe unter der Schräge. Auf dem benachbarten Zollverein-Gelände und auf weiteren früheren Industrieflächen des Krupp-Gürtels stehen dagegen hohe, offene Hallenvolumen mit weitem Stützenraster und Binderkonstruktionen, in denen kaum eine Wand wirklich rechtwinklig steht – wird eine solche Halle zu Büro-, Kultur- oder Wohnraum umgenutzt, muss der Schnitt zunächst den tatsächlichen, oft verzogenen Bestand belegen, bevor sich eine neue Nutzung überhaupt einzeichnen lässt. Beide Fälle berührt dieselbe Frage: Erst die im Schnitt bemaßte Raumhöhe zeigt, ob ein neu entstehendes Geschoss als Vollgeschoss zählt – mit unmittelbarer Folge für die zulässige Geschosszahl des gesamten Gebäudes.

Was ein Schnitt für Essen zeigen muss

Für Schnittzeichnungen gelten dieselben formalen Grundanforderungen der BauPrüfVO NRW wie für andere Bauzeichnungen, mit inhaltlichem Schwerpunkt auf der vertikalen Struktur:

  • Als Regelmaßstab gilt 1:100 – Geschosshöhen, Dachneigung und sämtliche Aufbauten müssen darin vollständig bemaßt sein, nicht nur überschlägig skizziert.
  • Für Bauteile wie Decke und Dach muss aus der Zeichnung hervorgehen, um welche Konstruktion und welche Baustoffe es sich handelt; bei einer umgenutzten Halle zählt dazu auch, wie die vorhandene Binderkonstruktion dargestellt wird.
  • Sobald der Brandschutz betroffen ist, gehören Angaben zum Brandverhalten der Baustoffe und zur Feuerwiderstandsdauer einzelner Bauteile direkt in die Schnittzeichnung.
  • Verändert sich ein bestehendes Gebäude, muss der Schnitt zweifelsfrei zeigen, was erhalten bleibt und was neu entsteht – eine zusätzliche Zwischenebene etwa darf nicht mit dem vorhandenen Bestand verschmelzen.
Der Schnitt beim Dachgeschossausbau in der Werkssiedlung

Ob ein ausgebautes Geschoss bei der zulässigen Zahl der Geschosse mitzählt, hängt nach dem allgemeinen bauplanungsrechtlichen Grundsatz von der Raumhöhe ab, die der Schnitt nachweist – ein Mechanismus, der unabhängig vom jeweiligen Bundesland gilt, auch wenn die genaue Schwelle je nach Landesrecht unterschiedlich gefasst sein kann. In den Werkssiedlungshäusern der Margarethenhöhe oder in den Zechenkolonien rund um Katernberg, deren Dachräume ursprünglich als Speicher dienten, entscheidet meist erst der bemaßte Kniestock, ob ein nachträglicher Ausbau die Schwelle zum Vollgeschoss erreicht oder knapp darunter bleibt. Bei einer Hallenumnutzung auf dem Zollverein-Gelände stellt sich eine verwandte Frage in ganz anderem Maßstab: Liegt die ursprüngliche lichte Höhe unter dem Binder mehrere Meter über einem gewöhnlichen Wohngeschoss, ist selten die Vollgeschoss-Schwelle das Problem, sondern die Frage, wie viele neue Ebenen sich in das vorhandene Volumen einziehen lassen, ohne die tragende Struktur der Halle zu verändern.

Werkssiedlung, Industriehalle oder Neubau — drei Schnitt-Situationen in Essen

Je nachdem, worauf der Schnitt trifft, unterscheidet sich die Herangehensweise erheblich:

Neubau im Krupp-Gürtel: Schnitt aus einer durchgeplanten Struktur

Läuft ein Neubauvorhaben auf den seit 2001 entwickelten früheren Industrieflächen bereits als vollständige Planung, entstehen Grundriss, Ansicht und Schnitt gemeinsam – Geschosshöhen und Dachaufbau passen von Anfang an zueinander, statt nachträglich abgeglichen werden zu müssen.

Dachgeschossausbau in der Werkssiedlung: Aufmaß der bestehenden Konstruktion

In der Margarethenhöhe oder einer Zechenkolonie wie Katernberg braucht es zunächst ein eigenes Aufmaß der vorhandenen Kniestockhöhe, Dachneigung und Sparrenlage – der historische Grundplan aus der Entstehungszeit zeigt den ursprünglichen Speicherraum, nicht aber den heute geplanten Ausbau.

Hallenumnutzung auf Zollverein oder im Krupp-Gürtel: verformungsgerechte Aufnahme

Für ehemalige Werkshallen mit weitem Stützenraster lohnt sich vor dem eigentlichen Schnitt eine verformungsgerechte Aufnahme, etwa per 3D-Laserscanner – die tatsächliche lichte Höhe unter dem Binder weicht in solchen Bauten häufig von jeder ursprünglichen Bauzeichnung ab.

Was zu einem vollständigen Schnitt in Essen gehört

Ein Schnitt steht selten allein – gefragt ist ein auf Grundriss und Ansicht abgestimmter Satz:

  • Schnitt durch die relevanten Gebäudeteile

    Im Regelmaßstab 1:100 gezeichnet, mit vollständig bemaßten Geschosshöhen, Dachneigung und den maßgeblichen Aufbauten.

  • Abgestimmter Grundriss und Ansicht

    Ohne einen Abgleich mit den anderen beiden Zeichnungen bleibt unklar, ob Geschosshöhen sowie First- und Traufhöhe wirklich zueinander passen – erst zusammen ergeben sie einen widerspruchsfreien Plansatz.

  • Nachweis der Raumhöhe bei Dachräumen

    Bei jedem Dachgeschossausbau in einer Werkssiedlung hängt an der im Schnitt bemaßten Höhe unter der Schräge, welche Zonen später tatsächlich als Wohnraum nutzbar sind.

  • Angaben zur tragenden Struktur bei Hallenumbauten

    Bei einer Umnutzung auf dem Zollverein-Gelände oder im Krupp-Gürtel hilft die Lage von Stützen und Bindern, den Schnitt so zu führen, dass er die tatsächliche Tragstruktur nicht verdeckt.

Bemaßte Schnittzeichnungen in Essen – Beispiele aus der Praxis

Dachgeschossausbau in einem Zechensiedlungshaus in Katernberg

Der ursprünglich als Speicher genutzte Dachraum wird zu Wohnraum – der Schnitt weist Kniestock- und Firsthöhe nach und zeigt, ob die Zonierung nach lichter Höhe die Vollgeschoss-Schwelle erreicht.

Dachgeschossausbau in einem Werkssiedlungshaus der Margarethenhöhe

Weil die einzelnen Haustypen der Gartenstadt unterschiedlich hohe Dachräume mitbringen, zeigt erst ein eigener Schnitt je Haustyp, wie viel Fläche nach der Zonierung tatsächlich nutzbar wird.

Umnutzung einer früheren Werkshalle im Umfeld von Zollverein zu Büroraum

In das hohe, offene Volumen soll eine zusätzliche Galerieebene eingezogen werden – der Schnitt weist die neuen Raumhöhen ober- und unterhalb der Galerie nach und zeigt den Abstand zur vorhandenen Binderkonstruktion.

Neubau eines Mehrfamilienhauses im Krupp-Gürtel

Geschosshöhen und Dachaufbau entstehen als abgestimmter Satz direkt aus der digital vorliegenden Planung, ohne die zusätzliche Aufmaßstufe, die ein Bestandsgebäude verlangt.

So entsteht Ihr Schnitt für Essen

Von der Bestandsaufnahme bis zur einreichfertigen Zeichnung:

  1. Schnittführung festlegen

    Wir bestimmen zuerst, an welcher Stelle geschnitten werden muss, damit sich Geschosshöhen und die Struktur von Dach oder Halle vollständig ablesen lassen.

  2. Datengrundlage beschaffen

    Eine verwertbare Bauakte des Amts für Stadtplanung und Bauordnung liefert die Ausgangsmaße; fehlt sie oder passt sie nicht mehr zum Bestand, wird das betroffene Geschoss oder die Halle direkt aufgemessen.

  3. Schnitt bemaßt zeichnen

    Aus den erfassten Maßen entsteht die Zeichnung im Regelmaßstab 1:100, versehen mit sämtlichen nach der BauPrüfVO NRW geforderten Angaben.

  4. Mit den übrigen Zeichnungen abgleichen

    Grundriss, Ansicht und Schnitt werden gegeneinander kontrolliert, bis Geschoss- und Dachmaße an keiner Stelle mehr voneinander abweichen.

  5. Für das Amt für Stadtplanung und Bauordnung zusammenstellen

    Digital aufbereitet für die Einreichung über Baugenehmigung-Online, insbesondere bei genehmigungskritischen Dachgeschossausbauten oder Hallenumnutzungen.

Was den Preis für einen Schnitt in Essen beeinflusst

Diese Faktoren bestimmen den Aufwand für eine bemaßte Schnittzeichnung:

  • Zahl der notwendigen Schnittführungen

    Ein einheitlich aufgebautes Werkssiedlungshaus kommt meist mit einer einzigen Schnittführung aus; eine unregelmäßig gegliederte Industriehalle verlangt dagegen mehrere Schnitte an unterschiedlichen Stellen.

  • Neubau oder Bestandskonstruktion

    Für ein Neubauvorhaben im Krupp-Gürtel liegen die Maße meist schon digital vor; eine historisch gewachsene Werkssiedlungs- oder Hallenkonstruktion muss dagegen erst erschlossen werden.

  • Komplexität von Dachaufbau oder Hallenstruktur

    Ein einfaches Satteldach lässt sich rasch zeichnen. Mehrere Kniestöcke, Gauben oder ein weites Stützenraster mit Bindern erhöhen den Detaillierungsaufwand dagegen spürbar.

  • Zustand vorhandener Bauakten

    Fehlt eine belastbare Bestandszeichnung ganz, muss vor dem eigentlichen Schnitt erst ein Aufmaß-Termin eingeplant werden.

Alle Leistungen in Essen

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