Bemaßte Schnittzeichnungen in Erlangen — Geschosshöhen zwischen Barock-Neustadt und gewachsener Altstadt

Was in einem Grundriss unsichtbar bleibt, klärt erst der Schnitt: die Höhe der Geschosse, den Verlauf des Dachs, die Lage jeder Zwischendecke. Erlangens Baugeschichte liefert dafür zwei gegensätzliche Ausgangspunkte. Die 1686 für Hugenotten-Flüchtlinge gegründete Neustadt wurde als planmäßige Barockstadt mit bewusst niedrigen, meist zwei- bis dreigeschossigen Häusern angelegt – eine kompakte, einheitliche Höhenordnung, die kaum Spielraum für nachträgliche Zwischenebenen lässt. Die organisch gewachsene mittelalterliche Altstadt kennt dagegen sehr unterschiedliche Geschosshöhen von Haus zu Haus. Gerade weil der Erlanger Wohnungsmarkt seit Jahren als angespannt gilt, wird der Dachgeschossausbau in beiden Vierteln häufig geprüft – und genau dort entscheidet der Schnitt oft über die Genehmigungsfähigkeit des gesamten Vorhabens. Wer die verfügbare Raumhöhe erst nach der Grobplanung überprüft, riskiert, ein bereits durchdachtes Ausbaukonzept nachträglich verwerfen zu müssen.

Inhaltliche Mindestanforderungen an einen Erlanger Schnitt

Formal gelten für den Schnitt dieselben Grundregeln wie für andere Bauzeichnungen, inhaltlich liegt der Schwerpunkt auf der vertikalen Struktur:

  • Mindestmaßstab 1:100, mit numerischer Angabe, Maßstabsleiste sowie vollständig bemaßten Geschosshöhen, Dachneigungen und Aufbauten.
  • Deckenkonstruktion und Dachaufbau müssen als wesentliche Bauprodukte und Bauarten erkennbar sein.
  • Bei Umbauten sind zu beseitigende und geplante Bauteile eindeutig auseinanderzuhalten, etwa eine neue Geschossdecke gegenüber der bestehenden.
  • Der Schnitt muss mit Grundriss und Ansicht desselben Plansatzes übereinstimmen, damit Geschosshöhen und Dachlinien nirgends widersprüchlich dargestellt sind.
Wenig Spielraum in der niedrig geplanten Neustadt

Anders als bei hochgeschossigen Gründerzeitbauten wurde die Hugenotten-Neustadt von vornherein mit knappen, aber einheitlichen Geschosshöhen konzipiert – meist zwei bis drei Stockwerke in geraden Straßenzeilen. Das begrenzt, wie viel Raum für eine zusätzliche Zwischenebene oder einen ausgebauten Dachraum tatsächlich zur Verfügung steht, spürbar stärker als in Städten mit großzügigeren Altbaugeschossen. Der Schnitt muss deshalb schon im Planungsstadium eindeutig zeigen, ob eine vorgesehene Nutzung unter der vorhandenen Höhe überhaupt Bestand hat. In der Altstadt liegt der Fall anders: Dort schwankt die verfügbare Höhe von Gebäude zu Gebäude, sodass jeder Schnitt einzeln am tatsächlichen Bestand erhoben werden muss, statt sich auf einen Nachbarbau zu verlassen.

Drei Ausgangslagen für den Schnitt

Je nachdem, wo und wie ein Gebäude entstanden ist, verläuft die Erstellung unterschiedlich:

Neubau mit durchgeplanter Struktur

Geschosshöhen und Dachaufbau entstehen zusammen mit Grundriss und Ansicht direkt aus der Planung – etwa für ein Vorhaben am Siemens Campus.

Niedriges Neustadt-Bürgerhaus

Der Schnitt zeigt exakt, wie viel Raumhöhe unter dem Dach oder in einer denkbaren Zwischenebene tatsächlich bleibt, wenn von vornherein wenig Spielraum vorhanden ist.

Individuelles Altstadthaus

Vor dem Zeichnen steht ein Aufmaß der vorhandenen, unregelmäßig gewachsenen Geschosshöhen und der Dachkonstruktion.

Was zu einem vollständigen Schnitt gehört

Ein Schnitt wird selten allein eingereicht – gefragt ist der Abgleich mit Grundriss und Ansicht:

  • Schnitt durch die relevanten Gebäudeteile

    Bemaßt im Mindestmaßstab 1:100, mit Geschosshöhen, Dachneigung und den wesentlichen Aufbauten.

  • Damit übereinstimmender Grundriss und Ansicht

    Geschosshöhen sowie First- und Traufhöhe müssen zwischen allen Zeichnungen des Plansatzes deckungsgleich sein.

  • Nachweis der nutzbaren Raumhöhe

    Besonders beim Dachgeschossausbau entscheidend, weil sie über die Nutzbarkeit einzelner Bereiche bestimmt.

  • Angabe zur Gebäudeepoche

    Ob es sich um ein Barockhaus der Neustadt, ein gewachsenes Altstadtgebäude oder einen modernen Neubau handelt, beeinflusst, wie viele Bestandsdaten vor dem Zeichnen noch erhoben werden müssen.

Bemaßte Schnittzeichnungen in Erlangen – Beispiele aus der Praxis

Dachgeschossausbau in einem niedrigen Neustadt-Haus

Weil die ursprüngliche Bauhöhe knapp bemessen ist, entscheidet der bemaßte Schnitt, ob der geplante Ausbau überhaupt genügend Raumhöhe erreicht.

Neue Dachgaube in der Altstadt

Der Schnitt durch die Gaube zeigt, wie sich die zusätzliche Konstruktion in die bestehende, unregelmäßige Dachneigung einpasst.

Prüfung der Vollgeschossigkeit bei einem Ausbau

Erst die im Schnitt bemaßte Raumhöhe klärt, ob das oberste Geschoss als Vollgeschoss zählt – mit Auswirkung auf die zulässige Geschosszahl.

Mehrgeschossiger Neubau am Siemens Campus

Geschosshöhen und Dachaufbau werden Teil der abgestimmten Neubauplanung, ohne Bindung an historische Höhenvorgaben.

Einzug einer Galerieebene in einem hochgeschossigen Altstadthaus

Wo die Altstadt ausnahmsweise großzügigere Geschosshöhen bietet, weist der Schnitt nach, ob eine zusätzliche Ebene mit ausreichender Raumhöhe für beide Bereiche entsteht.

Wie ein Erlanger Schnitt entsteht

Von der Bestandsaufnahme bis zur einreichfertigen Zeichnung:

  1. Schnittführung festlegen

    Es wird geklärt, welcher Gebäudeteil dargestellt werden muss, um Geschosshöhen und Dach nachvollziehbar zu zeigen.

  2. Grundlage beschaffen

    Bauakte des Stadtarchivs oder aktuelles Aufmaß der betroffenen Geschosse und des Dachs.

  3. Schnitt bemaßt zeichnen

    Im Mindestmaßstab 1:100, mit sämtlichen Pflichtangaben.

  4. Mit Grundriss und Ansicht abstimmen

    Geschosshöhen und Dachmaße müssen zwischen den Zeichnungen widerspruchsfrei sein.

  5. Für das Bauaufsichtsamt zusammenstellen

    Besonders sorgfältig bei genehmigungskritischen Dachgeschossausbauten.

Was den Preis für einen Schnitt in Erlangen bestimmt

Diese Punkte beeinflussen den Aufwand:

  • Zahl der benötigten Schnittführungen

    Ein einzelner Gebäudeschnitt geht schneller als mehrere Schnitte durch unterschiedliche Bereiche.

  • Neubau oder historischer Bestand

    Eine laufende Neubauplanung liefert die Höhenangaben zügiger als die Dokumentation eines unklaren Altbaus.

  • Knapper Höhenspielraum in der Neustadt

    Der Nachweis der nutzbaren Raumhöhe verlangt hier besondere Sorgfalt.

  • Zustand vorhandener Bauakten

    Fehlt eine verwertbare Zeichnung, kommt vorab ein Aufmaß-Termin hinzu.

  • Zahl der Geschosse im Gebäude

    Ein mehrgeschossiges Gebäude mit Keller und ausgebautem Dachraum verlangt mehr Darstellungsaufwand als ein niedriges, zweigeschossiges Neustadt-Haus.

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