Grundrisse in Dachau — drei Baugenerationen, drei verschiedene Probleme

Ein Grundriss ist die Zeichnung, auf die sich später alle berufen: Käufer, Banken, Handwerker, Behörden. Was er wert ist, entscheidet sich daran, ob er das Gebäude zeigt, wie es ist — nicht, wie es einmal geplant war. Und die Antwort darauf fällt in Dachau je nach Baujahr völlig unterschiedlich aus.

Der älteste Bestand steht in der Altstadt und in der Villenkolonie, die um 1910 im Umfeld der Malerkolonie oberhalb des Ampertals entstand. Diese Häuser sind aufwendig gegliedert: Erker, Vorlagen, halbgeschossige Versätze, Räume, die nicht rechtwinklig zueinander stehen. Pläne existieren, wenn überhaupt, als Kopie in schlechter Qualität — und sie zeigen einen Zustand vor mehreren Umbauten.

Die zweite Generation ist der Wohnungsbau der Nachkriegsjahrzehnte: einfache, klare Zuschnitte, gut dokumentiert, aber über sechzig Jahre intensiv verändert. Die dritte sind die Neubaugebiete am Stadtrand, entstanden unter dem Druck der Münchner Pendlerlage. Dort stimmen die Pläne meist — bis auf das, was die Eigentümer später ergänzt haben und was in keiner Akte steht.

Wofür Sie in Dachau einen Grundriss brauchen

Die Anlässe unterscheiden sich vor allem in der verlangten Genauigkeit:

  • Für Bauantrag, Bauvoranfrage und Genehmigungsfreistellung als Teil der Bauvorlagen.
  • Für die Vermarktung, in Exposé und Portalinserat.
  • Wenn eine Bank oder ein Gutachter das Objekt bewerten soll.
  • Bevor eine Wohnfläche berechnet werden kann.
  • Als Ausgangsmaterial für die Aufteilung in Wohnungseigentum.
  • Für Fachplanung und Handwerksbetriebe bei Sanierung und Ausbau.
Warum der gegliederte Villengrundriss aus alten Plänen nicht zu rekonstruieren ist

Ein Haus aus den Neubaugebieten lässt sich weitgehend über wenige Bezugskanten erfassen, weil es nach Plan gebaut wurde und der Plan noch existiert. Der Dachauer Villenbestand aus der Zeit um die Jahrhundertwende funktioniert anders, und zwar aus drei Gründen. Erstens ist die Außenkontur nicht rechtwinklig: Erker, Risalite und angesetzte Bauteile springen vor und zurück, oft mit unterschiedlichen Wandstärken. Zweitens liegen die Geschosse nicht sauber übereinander. Halbgeschossige Versätze, Zwischenpodeste und über einem Erker geführte Räume erzeugen eine Verschachtelung, die sich im Grundriss nur darstellen lässt, wenn die Ebenen vorher zueinander in Beziehung gesetzt wurden. Drittens sind diese Häuser über ein Jahrhundert hinweg verändert worden — geteilt, wieder zusammengelegt, mit Bädern nachgerüstet, im Dachgeschoss ausgebaut. Jede dieser Maßnahmen hat Wände versetzt, Öffnungen geschlossen und Aufbauten hinterlassen, und keine davon ist vollständig dokumentiert. Wer in einem solchen Haus nur Raummaße nimmt und die Wände rechnerisch ergänzt, erzeugt einen Grundriss, der sich nicht schließt: Die Summe der Räume passt nicht zur Außenkontur. Deshalb werden hier Außenkontur, Wandstärken und Raumgeometrie getrennt erfasst und gegeneinander gerechnet. Die Differenz, die dabei auftaucht, ist die eigentliche Information — sie zeigt, wo der Bestand von dem abweicht, was jeder für selbstverständlich gehalten hätte.

Welche Grundrissarten unterschieden werden

Dieselbe Geometrie, vier verschiedene Ausgaben:

Bestandsgrundriss

Bildet ab, was heute steht — mit Maßketten, Wandstärken und Raumbezeichnungen. Aus ihm leitet sich alles Weitere ab.

Bauvorlagengrundriss

Auf die Einreichung zugeschnitten: festgelegter Maßstab, vorgeschriebene Darstellung, Eingriff kenntlich gemacht.

Vermarktungsgrundriss

Auf schnelle Lesbarkeit getrimmt — erkennbare Aufteilung, Flächenangaben, auf Wunsch mit Möblierung.

Aufteilungsgrundriss

Kennzeichnet Einheiten fortlaufend und trennt Sondereigentum von Gemeinschaftseigentum.

Was für die Erstellung gebraucht wird

  • Aufnahme des heutigen Zustands

    Vorhandene Zeichnungen ersetzen sie nur, wenn sich nachweisen lässt, dass seither nichts verändert wurde.

  • Alte Pläne jeden Zustands

    Auch schlechte Kopien helfen: Sie zeigen die ursprüngliche Struktur und lassen spätere Eingriffe erkennen.

  • Angabe des Verwendungszwecks

    Behörde, Bank, Vermarktung oder Aufteilung bestimmen Maßstab, Detailtiefe und Beschriftung.

  • Hinweise auf undokumentierte Ergänzungen

    In den Neubaugebieten meist der ausgebaute Spitzboden, der geschlossene Freisitz oder der Kellerausbau.

  • Bei Wohnungseigentum: bestehende Teilungsunterlagen

    Vorhandene Aufteilungspläne müssen bekannt sein, damit die Nummerierung fortgeführt wird.

Typische Dachauer Aufgaben

Villa mit Erker und Halbgeschoss

Die Ebenen werden zueinander in Beziehung gesetzt, bevor gezeichnet wird — sonst passt der Grundriss nicht zur Schnittdarstellung.

Nachkriegswohnung nach mehreren Umbauten

Der Ursprungsplan liegt vor und stimmt nicht mehr. Aufgenommen wird der heutige Zuschnitt einschließlich der nachgerüsteten Bäder.

Reihenhaus im Neubaugebiet

Ein Abgleich vor Ort genügt oft; neu aufgenommen wird nur, was die Eigentümer später ergänzt haben.

Mehrfamilienhaus vor der Aufteilung

Alle Einheiten werden einheitlich gezeichnet und fortlaufend gekennzeichnet, damit die Unterlagen zueinander passen.

So entsteht der Grundriss

  1. Verwendung abstimmen

    Wohin der Plan später geht, bestimmt Maßstab und Inhalt — diese Frage steht am Anfang, nicht am Ende.

  2. Vor Ort messen

    Raumgeometrie, Wandstärken und Öffnungen werden erfasst und gegen die Außenkontur gerechnet.

  3. Umsetzen

    Die Messdaten werden zur maßstäblichen Zeichnung in der Darstellung, die der Zweck verlangt.

  4. Gegenrechnen

    Der Plan wird gegen die Aufnahme kontrolliert, Flächenangaben gegen die Geometrie.

  5. Übergabe

    Als PDF im festgelegten Maßstab, auf Wunsch zusätzlich als bearbeitbare Zeichnungsdatei.

Was den Aufwand eines Grundrisses in Dachau bestimmt

Wie verschachtelt das Haus ist und wohin die Zeichnung geht:

  • Umfang des Gebäudes

    Für jede Ebene entsteht ein eigenes Blatt — bei mehreren Wohneinheiten summiert sich das schnell.

  • Gliederung des Baukörpers

    Erker, Versätze und halbgeschossige Ebenen sind deutlich aufwendiger als ein rechtwinkliger Zuschnitt.

  • Anspruch der Ausgabe

    Was zur Behörde geht, unterliegt strengeren Vorgaben als eine Zeichnung fürs Exposé — und braucht mehr Angaben.

  • Was schon vorliegt

    Ein brauchbarer aktueller Bestandsplan spart den Ortstermin; ohne ihn beginnt die Arbeit dort.

Alle Leistungen in Dachau

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