Wohnflächenberechnung in Bremerhaven — vom Genossenschaftsbau bis zum umgenutzten Kaigebäude

Für die Wohnflächenberechnung entscheidet in Bremerhaven weniger die Lage als die Bauperiode. Ein erheblicher Teil des Bestands entstand binnen weniger Nachkriegsjahre nach einheitlichen Grundtypen, etwa in der zwischen 1956 und 1960 errichteten Siedlung Grünhöfe oder im seit 1971 eigenständigen Leherheide-West. Diese anfangs schlichten Zuschnitte wurden über Jahrzehnte individuell verändert: Balkone kamen hinzu, Dachräume wurden bewohnbar gemacht. Daneben stehen umgenutzte Gebäude im Fischereihafen, für die eine klassische Wohnflächenberechnung erst mit der neuen Nutzung überhaupt sinnvoll wird. Mit rund 3.000 Studierenden an der Hochschule Bremerhaven kommt eine beständige Nachfrage nach kleinen, klar vermessenen Mieteinheiten hinzu, bei der jeder Quadratmeter zählt.

Welches Regelwerk für Ihre Bremerhavener Immobilie zählt

Vor jeder Messung steht die Wahl des richtigen Maßstabs. Ausschlaggebend sind Nutzung, Zweck der Berechnung und bei Mietverträgen der Zeitpunkt des Vertragsschlusses:

  • Für Wohnraum gilt regelmäßig die Wohnflächenverordnung; verbindlich vorgeschrieben ist sie im geförderten Wohnungsbau, im frei finanzierten Bestand dient sie als Auslegungshilfe, wenn nichts anderes vereinbart wurde.
  • Soll dagegen das Bauwerk selbst beschrieben werden – etwa für eine Kostenschätzung oder eine Umnutzung eines ehemaligen Lagergebäudes –, kommt die DIN 277 mit ihren Kennwerten Brutto-Grundfläche und Rauminhalt zum Einsatz.
  • Bei älteren Mietverträgen bestimmt allein das Vertragsdatum, welches Regelwerk gilt, unabhängig davon, wie alt das Gebäude selbst tatsächlich ist.
  • Eine im Vertrag ausdrücklich getroffene abweichende Vereinbarung geht vor – muss dann aber konsequent für die gesamte Wohnung angewendet werden, nicht nur für einzelne Räume.
Wenn die Wohnfläche erst mit der neuen Nutzung entsteht

Für ein gewöhnliches Wohnhaus ist die Wohnflächenberechnung eine Frage der richtigen Zuordnung vorhandener Räume. Bei einem ehemaligen Kaischuppen oder Lagergebäude im Fischereihafen liegt der Fall anders: Vor der Zerstörung durch die Fischerei-Krise der 1990er-Jahre gab es dort keine Wohnnutzung und folglich auch keine Wohnfläche im Rechtssinn. Erst mit der geplanten Umnutzung – etwa zu Loftwohnungen oder gemischt genutzten Einheiten – entsteht überhaupt der Anlass, Räume nach der Wohnflächenverordnung zu bewerten. Weil die ursprüngliche Bausubstanz nicht auf Wohnraum ausgelegt war, treten dabei ungewöhnliche Situationen auf: sehr große Raumhöhen, die keiner klassischen Geschossaufteilung folgen, oder tragende Stützen mitten im geplanten Wohnbereich. Jede dieser Besonderheiten braucht eine eigene, begründete Zuordnung, bevor sich am Ende eine belastbare Quadratmeterzahl ergibt.

Die maßgeblichen Berechnungsgrundlagen

Je nach Zweck der Berechnung kommt eine von drei Grundlagen zum Tragen:

Wohnflächenverordnung

Räume werden im lichten Maß ab der fertigen Wandbekleidung erfasst, mit gestaffelten Anrechnungsfaktoren für Dachschrägen, Balkone und Terrassen – der Standardmaßstab für vermietete oder verkaufte Wohnungen.

DIN 277 (Ausgabe 2021-08)

Sie liefert Brutto-Grundfläche und Rauminhalt ohne Höhenstaffelung und eignet sich deshalb besonders für Gebäude, die – wie viele ehemalige Hafenbauten – nicht in erster Linie als Wohnraum gedacht sind.

Zweite Berechnungsverordnung für Altverträge

Eine bis Ende 2003 nach diesem Maßstab ermittelte Fläche bleibt gültig, bis ein Umbau eine Neuberechnung erzwingt – in den Bremerhavener Nachkriegssiedlungen betrifft das noch immer viele Bestandsverträge.

Was für Ihre Wohnflächenberechnung in Bremerhaven gebraucht wird

Der Umfang der benötigten Unterlagen hängt stark vom Gebäudetyp ab:

  • Bemaßte Grundrisse

    Eine Zeichnung mit vollständigen Maßketten ist die Voraussetzung für jede belastbare Berechnung; fehlen Maße, muss vor Ort nachgemessen werden.

  • Schnitt oder Höhenangaben für Dachräume

    Ohne dokumentierte Raumhöhen lässt sich der Anrechnungsfaktor unter einer Schräge nicht überprüfbar begründen.

  • Angaben zu Umbauzeitpunkt und Ausbaugrad

    Bei nachträglich verglasten Balkonen oder ausgebauten Dachgeschossen ist wichtig, wann und in welcher Qualität die Änderung erfolgte.

  • Konstruktionsunterlagen bei Hafengebäuden

    Stützenraster, Deckenhöhen und tragende Bauteile müssen erfasst sein, bevor sich eine geplante Wohnnutzung überhaupt sinnvoll in Flächen gliedern lässt.

Wohnflächenberechnungen in Bremerhaven – Beispiele aus der Praxis

Genossenschaftswohnung in Grünhöfe mit angebautem Balkon

Der ursprüngliche Grundriss ist unstrittig; strittig ist allein der spätere Anbau. Er wird nach der Wohnflächenverordnung in der Regel nur zu einem Viertel angerechnet, eine hälftige Anrechnung müsste eigens begründet werden.

Ausgebautes Dachgeschoss in Leherheide-West

Die Fläche unter der Dachschräge wird abschnittsweise bewertet: voll ab zwei Metern Höhe, zur Hälfte darunter bis zu einem Meter, darunter überhaupt nicht – nachweisbar nur mit tatsächlich gemessenen Werten.

Loftwohnung in einem umgebauten Kaigebäude

Weil das Gebäude ursprünglich nicht für Wohnzwecke gebaut wurde, entsteht die Wohnfläche erst aus der neuen Raumaufteilung – einschließlich der Frage, wie freistehende Stützen und ungewöhnlich hohe Räume anzurechnen sind.

Kompaktes Apartment für Studierende der Hochschule Bremerhaven

Bei kleinen Einheiten wirkt sich schon eine geringe Abweichung prozentual stark aus, weshalb hier besonders sorgfältig jede Teilfläche einzeln dokumentiert wird.

So läuft Ihre Wohnflächenberechnung in Bremerhaven ab

Die grundsätzlichen Schritte sind überall gleich. In Bremerhaven kommt es besonders auf die Unterscheidung zwischen klassischem Wohnbau und umgenutzten Gewerbeflächen an.

  1. Zweck und passendes Regelwerk festlegen

    Verkauf, Vermietung, Finanzierung oder Umnutzung stellen unterschiedliche Anforderungen an die Berechnung.

  2. Vorhandene Pläne prüfen

    Bei Siedlungsbauten wird kontrolliert, ob der historische Typengrundriss noch zum heutigen, oft individuell veränderten Zustand passt.

  3. Fehlende Maße vor Ort erfassen

    Raumhöhen unter Dachschrägen, Balkontiefe und – bei Hafengebäuden – Stützenabstände werden direkt am Objekt aufgenommen.

  4. Flächen einzeln zuordnen

    Jede Teilfläche erhält einen begründeten Anrechnungsfaktor; Nebenräume ohne Wohnnutzung bleiben konsequent außen vor.

  5. Ergebnis mit offenem Rechenweg übergeben

    Sie erhalten Maß, Faktor und Teilfläche je Position sowie die Gesamtsumme, auf Wunsch mit Architektenstempel.

Was den Aufwand einer Wohnflächenberechnung in Bremerhaven beeinflusst

Nicht die Quadratmeterzahl allein, sondern die Zahl der zu klärenden Einzelfragen bestimmt den Aufwand:

  • Zahl der einzeln zu bewertenden Teilflächen

    Ein schlicht geschnittener Raum ist schnell erfasst, ein Dachzimmer mit mehreren Schrägen und einer Gaube braucht dagegen mehrere Positionen.

  • Vorhandensein und Qualität alter Pläne

    Ein aktueller, bemaßter Plan beschleunigt die Berechnung erheblich gegenüber einer vollständigen Neuaufnahme vor Ort.

  • Nebenflächen wie Balkon oder Loggia

    Jede dieser Flächen braucht eine eigene, begründete Anrechnung und macht bei Nachkriegsbauten oft einen erheblichen Teil des Prüfaufwands aus.

  • Ungewöhnliche Bausubstanz bei umgenutzten Gebäuden

    Freistehende Stützen, große Raumhöhen oder fehlende historische Vergleichsdaten erhöhen bei ehemaligen Hafengebäuden den Erfassungsaufwand deutlich.

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