Grundrisse in Bremerhaven — vom Stadtarchiv bis zum Aufmaß im Wiederaufbau-Bestand
Wer für eine Bremerhavener Immobilie einen Grundriss braucht, stößt schnell auf eine Besonderheit, die sich aus der Stadtgeschichte selbst ergibt: Weil am 18. September 1944 rund 97 Prozent der Innenstadt und drei Viertel Geestemündes zerstört wurden, existiert für einen erheblichen Teil des heutigen Baubestands schlicht keine ältere Bauakte – nicht, weil sie verloren gegangen wäre, sondern weil das heutige Gebäude selbst erst nach der Zerstörung neu errichtet wurde. Zuständig für archivierte Bauunterlagen ist in Bremerhaven das Stadtarchiv, das seit seiner Gründung 1926 auch die Altregistraturen der früheren, heute eingemeindeten Orte Wesermünde, Geestemünde und Lehe sowie seit 1939 die von Alt-Bremerhaven verwahrt. Wer einen aktuellen, verlässlichen Grundriss braucht, sollte deshalb von vornherein einplanen, dass Aktenrecherche und Vor-Ort-Aufmaß in Bremerhaven häufiger ineinandergreifen als in Städten mit durchgehend erhaltenem Vorkriegsbestand.
- Wann Sie in Bremerhaven einen neuen Grundriss brauchen
- Woher Ihr Bremerhavener Grundriss stammt
- Welche Unterlagen für Ihren Bremerhavener Grundriss hilfreich sind
- Grundrisse in Bremerhaven – Beispiele aus der Praxis
- So läuft Ihr Grundriss in Bremerhaven ab
- Was den Aufwand eines Grundrisses in Bremerhaven beeinflusst
Wann Sie in Bremerhaven einen neuen Grundriss brauchen
Auch in Bremerhaven ist ein Grundriss für sich genommen keine genehmigungspflichtige Leistung, wird aber in mehreren wiederkehrenden Situationen gebraucht:
- Verkauf und Finanzierung: Bank und Notar verlangen einen aktuellen, bemaßten Plan – ein einfacher Wiederaufbauplan reicht dafür meist nicht mehr.
- Fehlende Bauakte bei Nachkriegsgebäuden: Für viele in den 1950er- und 1960er-Jahren errichtete Häuser ist gar keine ältere Unterlage zu finden, weil sie als Neubauten dieser Zeit angelegt wurden.
- Uneinheitlich veränderte Wohnzeilen: Auch wenn eine ganze Zeile in Grünhöfe oder Leherheide-West nach demselben Grundtyp errichtet wurde, wurden einzelne Wohnungen seither unterschiedlich umgebaut.
- Teilungserklärung und Aufteilungsplan: Wer eine Immobilie in Wohnungs- und Teileigentum aufteilen will, braucht einen maßstäblichen Aufteilungsplan als Grundlage der Abgeschlossenheitsbescheinigung.
- Umnutzung eines ehemaligen Hafengebäudes: Wo ein früherer Kaischuppen oder Lagerbau eine neue Nutzung erhält, fehlt meist jede verwertbare Wohnungsgrundrisszeichnung.
In vielen deutschen Städten bedeutet eine fehlende Bauakte, dass Unterlagen im Lauf der Zeit verloren gingen. In Bremerhaven liegt der Fall häufig anders: Weil die Innenstadt am 18. September 1944 zu 97 Prozent und Geestemünde zu drei Vierteln zerstört wurde, existiert für das heute stehende Gebäude selbst keine Vorkriegsakte, weil es damals schlicht noch nicht stand. Das betrifft nicht nur die Innenstadt selbst, sondern auch große Teile der in den folgenden Jahrzehnten neu angelegten Wohnsiedlungen. Für die Grundrisserstellung heißt das: Die Frage ist in Bremerhaven seltener, ob eine Akte noch auffindbar ist, sondern häufiger, ob sie für dieses Gebäude überhaupt jemals existiert haben kann. Ist das nicht der Fall, tritt von vornherein die Vor-Ort-Vermessung an die Stelle der Aktenrecherche, statt ihr vorausgehen zu müssen.
Woher Ihr Bremerhavener Grundriss stammt
Je nach Baujahr und Aktenlage kommt einer von drei Wegen infrage:
Aus dem Stadtarchiv Bremerhaven
Ist eine verwertbare Bauakte vorhanden und deckt sie sich mit dem heutigen Bestand, lässt sich der Grundriss daraus ableiten. Das Archiv führt die Unterlagen zentral für das gesamte Stadtgebiet, einschließlich der Altregistraturen der eingemeindeten Vororte.
Per Aufmaß vor Ort
Fehlt eine Akte grundsätzlich – etwa weil das Gebäude erst nach der Kriegszerstörung entstand – oder weicht sie vom tatsächlichen Zustand ab, wird das Objekt direkt vermessen.
Aus vorhandenen digitalen Planungsunterlagen
Für Neubauprojekte rund um die Havenwelten oder im Umfeld des Fischereihafens liegen die Bauunterlagen meist von Beginn an digital vor und lassen sich unmittelbar weiterverwenden.
Welche Unterlagen für Ihren Bremerhavener Grundriss hilfreich sind
Je nachdem, welcher Weg zum Ziel führt, sind unterschiedliche Unterlagen relevant:
- Antrag auf Akteneinsicht beim Stadtarchiv
Für die Einsicht wird üblicherweise ein aktueller Eigentumsnachweis verlangt, bei Beauftragten zusätzlich eine Vollmacht – Gemarkung, Flur und Flurstück beschleunigen die Suche.
- Vorhandene alte Pläne oder Skizzen
Auch ein historischer Wiederaufbauplan mit nur einem Typengrundriss für eine ganze Zeile ist als Ausgangspunkt hilfreich, um die grundsätzliche Raumaufteilung nachzuvollziehen.
- Teilungserklärung und Aufteilungsplan
Bei Eigentumswohnungen zeigt der bestehende Aufteilungsplan, welche Räume zum Sondereigentum gehören – wichtig für den Abgleich mit einem neu erstellten Grundriss.
- Digital verwertbare Unterlagen
Weil das Bauordnungsamt Bauvorlagen sowohl in Papierform als auch über sein eigenes digitales Serviceportal entgegennimmt, sollten neue Grundriss- und Aufmaßunterlagen von Beginn an in einem digital weiterverarbeitbaren Format vorliegen.
Grundrisse in Bremerhaven – Beispiele aus der Praxis
Genossenschaftswohnung in Grünhöfe ohne verwertbare Altakte
Die zwischen 1956 und 1960 von der Wohnungsgenossenschaft GEWOG errichtete Siedlung entstand für Vertriebene und für Bewohner des zu drei Vierteln zerstörten Geestemünde. Die ursprüngliche Bauakte zeigt meist nur einen Typengrundriss für die gesamte Zeile – individuelle Umbauten einzelner Wohnungen sind darin nicht erfasst.
Reihenhaus in Leherheide-West aus den 1960er-Jahren
Der junge, seit 1971 eigenständige Stadtteil wuchs in dieser Zeit stark; viele Häuser folgen ähnlichen Grundtypen, wurden aber seither unterschiedlich erweitert oder im Dachgeschoss ausgebaut.
Umgenutztes Kaigebäude im Schaufenster Fischereihafen
Für ein früheres Verarbeitungs- oder Lagergebäude im Fischereihafen existiert oft keine Wohnungsgrundrisszeichnung, weil das Gebäude nie für diese Nutzung gedacht war. Der Grundriss entsteht hier vollständig neu per Aufmaß.
Neubauwohnung im Umfeld der Havenwelten
Für eine Wohnung in einem der jüngeren Bauprojekte rund um Klimahaus und Deutsches Auswandererhaus liegt der Grundriss von Beginn an digital vor und lässt sich unmittelbar für Bank oder Exposé weiterverwenden.
So läuft Ihr Grundriss in Bremerhaven ab
Fachlich unterscheidet sich der Ablauf nicht von anderen Städten. In Bremerhaven kommt es besonders darauf an, früh zu klären, ob für das Gebäude überhaupt eine ältere Akte existieren kann:
- Baujahr und Aktenlage einordnen
Wir klären, ob für das Gebäude eine ältere Bauakte infrage kommt oder ob es sich um einen Nachkriegs- beziehungsweise Neubau ohne historischen Vorgänger handelt.
- Bauakte beim Stadtarchiv anfordern
Sofern eine Akte existieren kann, wird sie beim Stadtarchiv Bremerhaven angefragt, einschließlich der Altregistraturen der eingemeindeten Vororte.
- Fehlende Grundlagen aufmessen
Reichen die vorhandenen Unterlagen nicht aus oder existieren sie nicht, wird das Gebäude direkt vor Ort vermessen.
- Grundriss zeichnen und bemaßen
Aus den erfassten Maßen entsteht der bemaßte Grundriss – auf Wunsch inklusive Möblierung für die Vermarktung.
- Ergebnis übergeben
Sie erhalten den fertigen Grundriss als digitale Plandatei, auf Wunsch mit Architektenstempel – bereit für Bank, Notar oder das Bauordnungsamt.
Was den Aufwand eines Grundrisses in Bremerhaven beeinflusst
Der Erfassungsaufwand unterscheidet sich zwischen den Bremerhavener Gebäudetypen deutlich:
- Ob überhaupt eine ältere Bauakte existieren kann
Für Gebäude, die erst nach der Zerstörung von 1944 oder als jüngere Neubauten entstanden, entfällt die Archivrecherche von vornherein zugunsten der Vor-Ort-Vermessung.
- Zustand der vorhandenen Bauakte
Zeigt sie nur einen historischen Typengrundriss einer ganzen Wohnzeile oder fehlt sie ganz, kommt ein Vor-Ort-Termin hinzu.
- Individuelle Abweichung vom ursprünglichen Typengrundriss
Je stärker eine einzelne Wohnung in Grünhöfe oder Leherheide vom Ausgangsgrundriss ihrer Zeile abweicht, desto mehr Sorgfalt verlangt die Erfassung.
- Gebäudeart: Wohnbau oder ehemaliges Hafengebäude
Ein umgenutztes Kaigebäude im Fischereihafen mit weiten Spannweiten und Stützenrastern verlangt eine andere Erfassungslogik als ein einfaches Wohnhaus.
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