Bauzeichnung in Bremerhaven — ein Plansatz, der beim Bauordnungsamt zusammenpassen muss

Ein einzelnes Blatt genügt selten. Wer beim Bremerhavener Bauordnungsamt eine Baugenehmigung beantragt, legt praktisch immer ein ganzes Bündel zusammengehöriger Zeichnungen vor – Grundriss, Schnitt und Ansicht müssen dabei so zueinander passen, dass eine Wand an jeder Stelle dieselbe Position zeigt. Genau das prüft die Behörde als Erstes, oft noch vor der eigentlichen bauordnungsrechtlichen Würdigung. Bei einem gewöhnlichen Wohnhaus lässt sich dieser Abgleich meist rasch erledigen. Schwieriger wird es bei den zahlreichen ehemaligen Hafenbauten im Fischereihafen: Für viele dieser Gebäude gab es nie einen zusammenhängenden Plansatz im heutigen Sinn, weil sie für Lagerung und Umschlag entworfen wurden, nicht für eine spätere Umnutzung mit klassischer Grundriss-Schnitt-Ansicht-Logik.

Woran das Bauordnungsamt eine vollständige Bauzeichnung erkennt

Die formalen Vorgaben der Bremischen Bauvorlagenverordnung entscheiden darüber, ob eine Zeichnung überhaupt als taugliche Bauvorlage durchgeht:

  • Der Maßstab darf 1:100 nicht unterschreiten; wo Details sonst nicht erkennbar wären, ist ein größerer Maßstab zu wählen.
  • Jede Zeichnung trägt sowohl die Zahlenangabe des Maßstabs als auch eine grafische Leiste – beide an derselben Position, üblicherweise neben dem Schriftfeld.
  • Wer die Zeichnung verantwortet, muss aus ihr selbst hervorgehen – ohne diese Angabe prüft das Bauordnungsamt den Antrag gar nicht erst inhaltlich.
  • Abbruch und Neubau eines Bauteils dürfen im selben Blatt nicht ununterscheidbar nebeneinanderstehen; üblich ist eine farbliche oder linientechnische Trennung.
Warum manche Gebäude komplett neu gezeichnet werden müssen

Ein klassisches Wohnhaus lässt sich in aller Regel fortschreiben: Ein vorhandener Plansatz wird um die geplante Änderung ergänzt, die übrigen Blätter bleiben gültig. Bei einem umzunutzenden Kaischuppen oder Speichergebäude im Fischereihafen fehlt dafür meist die Ausgangsbasis. Solche Bauten folgten einer Logik aus Stützenrastern, Ladeluken und offenen Hallenflächen – nie der Logik aus Wohnräumen, Fluren und Treppenhäusern, für die ein typischer Grundriss-Schnitt-Ansicht-Satz gedacht ist. Wird ein solches Gebäude für Wohnen oder Gewerbe hergerichtet, entsteht der komplette Plansatz deshalb neu, direkt aus einem aktuellen Aufmaß heraus. Das verlangt zwar mehr Aufwand am Anfang, liefert aber am Ende eine Zeichnung, in der wirklich alles zueinander passt, statt eine unpassende Altzeichnung notdürftig zu ergänzen.

Drei Ausgangslagen für Ihren Plansatz

Wie der Plansatz entsteht, hängt vom Objekt ab:

Neubau

Alle Blätter entstehen zusammen aus derselben Planung – Abstimmungsprobleme zwischen den Zeichnungen kommen praktisch nicht vor.

Umbau mit brauchbarer Altzeichnung

Ein vorhandener Plansatz für ein gewöhnliches Wohn- oder Geschäftshaus wird um die vorgesehene Änderung ergänzt, sofern er den heutigen Bestand noch zutreffend zeigt.

Umnutzung ohne passende Vorlage

Bei ehemaligen Hafen- oder Lagergebäuden entsteht der gesamte Satz neu aus einer Vermessung vor Ort, weil eine geeignete Ausgangszeichnung fehlt.

Der Inhalt eines vollständigen Plansatzes für Bremerhaven

Zur Einreichung gehört typischerweise mehr als eine Zeichnungsart:

  • Grundrisse jeder Ebene

    Vom untersten bis zum obersten Geschoss, jeweils mit vollständiger Bemaßung statt bloßer Maßstabsangabe.

  • Passende Schnitte

    Sie zeigen Geschosshöhen und Konstruktionsdetails, die im Grundriss verborgen bleiben, und müssen an denselben Stellen dieselben Werte zeigen wie die zugehörigen Grundrisse.

  • Ansichten der betroffenen Fassaden

    Notwendig, sobald sich am äußeren Erscheinungsbild etwas ändert oder das Bauordnungsamt die Fassadengestaltung beurteilen muss.

  • Aktueller Lageplan

    Zeigt Flurstück und Vorhaben im Zusammenhang mit dem Kataster und ordnet die Bauzeichnungen räumlich ein.

Bauzeichnungen in Bremerhaven – Beispiele aus der Praxis

Neubau eines Doppelhauses

Sämtliche Blätter kommen aus einem Guss; das Bauordnungsamt findet keine Widersprüche zwischen den Zeichnungen vor.

Dachgeschossausbau in Grünhöfe

Der vorhandene Plansatz der Siedlung wird um den geplanten Ausbau ergänzt, nachdem ein Aufmaß den heutigen, individuell veränderten Zustand der einzelnen Wohnung dokumentiert hat.

Umbau eines Speichergebäudes im Schaufenster Fischereihafen

Weil das Gebäude nie für Wohnnutzung gezeichnet wurde, entsteht der komplette Plansatz aus einer Vermessung der Hallenstruktur – einschließlich der neu geplanten Raumaufteilung.

Erweiterung eines Gewerbebaus nahe des Automobil-Umschlaghafens

Der vorhandene Plansatz wird um den geplanten Erweiterungsbau ergänzt; besonderes Augenmerk liegt auf der widerspruchsfreien Fortführung der Fassadenansicht über den bestehenden Gebäudeteil hinaus.

So entsteht Ihr Plansatz für Bremerhaven

Bis zur einreichfertigen Fassung durchläuft ein Plansatz mehrere Stationen:

  1. Ausgangslage klären

    Existiert bereits ein passender Plansatz, oder muss er komplett neu entstehen?

  2. Fehlende Maße aufnehmen

    Wo Unterlagen fehlen oder nicht mehr zutreffen, wird direkt am Objekt vermessen.

  3. Grundriss, Schnitt und Ansicht zeichnen

    Alle Blätter entstehen im geforderten Maßstab und werden fortlaufend gegeneinander abgeglichen.

  4. Bestand und Planung kennzeichnen

    Bei Umbauten wird eindeutig markiert, was erhalten bleibt und was sich ändert.

  5. Einreichung vorbereiten

    Der fertige Plansatz geht zusammen mit Lageplan und Baubeschreibung an das Bauordnungsamt – in Papierform oder über dessen digitales Serviceportal.

Was den Preis für einen Plansatz in Bremerhaven bestimmt

Wie aufwendig ein Plansatz wird, hängt stark vom einzelnen Objekt ab:

  • Verfügbarkeit einer passenden Altzeichnung

    Ein Neubau oder ein gut dokumentiertes Bestandsgebäude spart gegenüber einer kompletten Neuerstellung erheblich Aufwand.

  • Konstruktionsart des Gebäudes

    Ein ehemaliges Hafengebäude mit ungewöhnlicher Tragstruktur verlangt eine gründlichere Erfassung als ein reguläres Wohnhaus.

  • Zahl der betroffenen Geschosse und Fassaden

    Jede zusätzliche Ebene oder Fassadenseite bedeutet zusätzliche, aufeinander abzustimmende Zeichnungen.

  • Gewünschtes Tempo

    Eine kurze Frist auf Ihrer Seite lässt sich einplanen, ändert aber nichts an der behördlichen Prüfdauer.

  • Notwendigkeit einer Denkmalschutzabstimmung

    Betrifft die Fassade ein gelistetes Baudenkmal, kommt ein zusätzlicher Abstimmungsschritt mit der unteren Denkmalschutzbehörde hinzu.

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