Aufmaß & Vermessung in Bremerhaven — Bauaufmaß zwischen Genossenschaftszeile und Kaischuppen

In kaum einer anderen deutschen Großstadt ist der Abstand zwischen Bauakte und tatsächlichem Bestand so grundsätzlich wie in Bremerhaven. Nach der fast vollständigen Zerstörung der Innenstadt am 18. September 1944 wurde ein Großteil der Stadt binnen weniger Jahre neu errichtet – oft rasch, mit einfachen Typengrundrissen und ohne die Sorgfalt, mit der spätere individuelle Veränderungen in die Akte zurückgeflossen wären. In Siedlungen wie Grünhöfe oder Leherheide-West zeigt die ursprüngliche Zeichnung deshalb häufig nur den Ausgangszustand einer ganzen Zeile, nicht die seither angebauten Balkone oder ausgebauten Dachgeschosse. Hinzu kommen die zahlreichen ehemaligen Hafengebäude im Fischereihafen, die nie für Wohn- oder Büronutzung gedacht waren und entsprechend andere Konstruktionsprinzipien zeigen: weite Stützenraster, hohe Geschosse, Kaimauern und Ladeluken. Ein Bauaufmaß nimmt in beiden Fällen auf, was tatsächlich steht, und überführt es in bemaßte Grundrisse, Schnitte, Ansichten und eine prüfbare Flächenermittlung.

Wann ein Aufmaß in Bremerhaven gebraucht wird

Für ein Bauaufmaß gibt es weder eine Pflicht noch eine Frist. Gebraucht wird es dort, wo eine Fläche oder eine Geometrie belegt werden muss und die vorhandenen Papiere das nicht hergeben. In Bremerhaven sind das vor allem diese Anlässe:

  • Es existiert kein Plansatz, weil das Gebäude nach der Zerstörung von 1944 als Neubau ohne verwertbaren Vorgänger entstand, oder die vorhandenen Zeichnungen bilden einen längst überholten Stand ab.
  • Ein Umbau, eine Aufstockung oder die Umnutzung eines ehemaligen Fischereihafen-Gebäudes steht an und braucht einen maßhaltigen Ausgangsbestand für die Planung.
  • Ein aufgeteiltes Haus soll in Wohnungseigentum überführt werden; die Einheiten müssen dafür zeichnerisch und maßlich eindeutig abgegrenzt sein.
  • Eine Bank oder ein Sachverständiger verlangt eine Flächenangabe, die sich Raum für Raum nachrechnen lässt.
  • Die im Miet- oder Kaufvertrag genannte Fläche wird bestritten und soll durch eine dokumentierte Messung überprüft werden.
Die landesweite Einmessungspflicht – und warum ein Bauaufmaß etwas anderes ist

Das Gesetz über die Landesvermessung und das Liegenschaftskataster des Landes Bremen nimmt Gebäudeeigentümer in die Pflicht: Wird ein Gebäude neu errichtet oder in seinem Grundriss verändert, ist es auf eigene Kosten von der Katasterbehörde oder einem Öffentlich bestellten Vermessungsingenieur einmessen zu lassen. Zuständig ist für beide Stadtgemeinden des Landes einheitlich das Landesamt GeoInformation Bremen – eine eigene Bremerhavener Katasterbehörde gibt es nicht. Neben Eigentümern und Erbbauberechtigten können auch Bauherren und Architekten den Auftrag erteilen, vorausgesetzt, das Gebäude ist so weit fertiggestellt, dass sich am Grundriss nichts mehr ändert. Diese hoheitliche Aufgabe erbringt Planprofi24 nicht, und sie beantwortet ohnehin eine andere Frage: Sie hält den äußeren Umriss fest, nicht die Räume dahinter – gerade bei den weiträumigen ehemaligen Hafengebäuden im Fischereihafen ein entscheidender Unterschied, denn der amtliche Umriss sagt nichts über die innere Aufteilung einer späteren Nutzung aus.

Die Aufmaßverfahren im Einzelnen

Nicht jedes Objekt braucht dieselbe Erfassungstiefe. Ausschlaggebend sind die Bauart des Bestands und der Zweck, für den die Unterlagen anschließend gebraucht werden:

Handaufmaß mit Laserdistanzmessgerät

Der Regelfall in Wohnungen und Reihenhäusern der Nachkriegssiedlungen. Marktübliche Geräte werden mit rund anderthalb Millimetern Messgenauigkeit angegeben, weit unterhalb jeder rechtlich erheblichen Größenordnung.

Verformungsgerechte Aufnahme nach Genauigkeitsstufen

Für die Bauaufnahme haben sich abgestufte Genauigkeiten eingebürgert, wie sie die Denkmalpflege beschreibt: von der schematischen Aufnahme im Maßstab 1:100 bis zur verformungsgetreuen Darstellung im Maßstab 1:25.

3D-Laserscanning mit Punktwolke

Sinnvoll bei weitspannigen Hallen und Kaischuppen im Fischereihafen mit stark verformter oder ungewöhnlich dimensionierter Substanz. Die belastbare Genauigkeit ergibt sich aus Standpunktnetz, Zielmarken und sorgfältiger Registrierung der Einzelscans.

Abgleich vorhandener Bauzeichnungen mit dem gebauten Zustand

Wo eine Genehmigungszeichnung aus der Wiederaufbauzeit vorliegt, dokumentiert sie meist nur den beantragten Ausgangszustand in Rohbaumaßen. Putz, Estrich und spätere Anbauten verschieben das Ergebnis; die Ausführung darf sich innerhalb der Grenzabweichungen der DIN 18202 bewegen.

Was aus dem Aufmaß entsteht

Gemessen wird nicht um der Messung willen. Brauchbar wird eine Aufnahme erst durch die Unterlagen, die daraus abgeleitet und nachvollziehbar dokumentiert werden:

  • Bemaßte Grundrisse aller Ebenen

    Vom Keller bis zum Dachraum, mit durchgehenden Maßketten statt einer bloßen Maßstabsangabe. Bei einem geteilten Wohnhaus werden die Wohnungsgrenzen mitgeführt.

  • Schnitte und Ansichten mit Geländebezug

    Der Schnitt zeigt, was im Grundriss unsichtbar bleibt: Geschosshöhen und die Lage des Gebäudes zum umgebenden Gelände.

  • Wohnflächenberechnung nach der Wohnflächenverordnung

    Ausgewiesen wird jeder Raum einzeln, mit Maß, Höhenzone und Faktor. Erfasst wird der fertige Zustand im lichten Maß, nicht das Rohbaumaß der ursprünglichen Planung.

  • Brutto-Grundfläche und Rauminhalt nach DIN 277

    Für Kalkulation, Bauvorlagen und Bewertung – bei ehemaligen Hafengebäuden häufig die aussagekräftigere Kennzahl, weil sich eine klassische Wohnfläche dort erst nach der Umnutzung sinnvoll bilden lässt.

  • Messdaten, Skizze und Fotodokumentation

    Die Rohdaten gehören zur Übergabe und machen nachvollziehbar, an welcher Stelle welcher Wert entstanden ist.

Aufmaße in Bremerhaven – Beispiele aus der Praxis

Genossenschaftszeile in Grünhöfe ohne verwertbaren Bestandsplan

Die zwischen 1956 und 1960 errichtete Siedlung folgt einem einheitlichen Grundtyp, den einzelne Eigentümer seither unterschiedlich verändert haben. Aufgenommen werden nicht nur die Räume, sondern auch angebaute Balkone und veränderte Fensteröffnungen.

Kaischuppen im Fischereihafen vor der Umnutzung

Weite Stützenraster, hohe Geschosse und Ladeluken folgen keiner Wohnungslogik. Erfasst werden Achsmaße, Stützenquerschnitte und lichte Höhen, weil erst daraus hervorgeht, welche Nutzungszuschnitte überhaupt möglich sind.

Reihenhaus in Leherheide-West ohne verwertbare Zeichnung

Für den seit 1971 eigenständigen, stark gewachsenen Stadtteil führt das Stadtarchiv die Bauunterlagen zentral. Bleibt die Suche erfolglos, empfiehlt sich eine schriftliche Bestätigung der Fehlanzeige; die Bestandsdokumentation entsteht dann allein aus dem Aufmaß.

Zeilenbau mit gleichem Schema, aber verschiedenem Ausbau

Dass ein Nachbarhaus nach demselben Muster errichtet wurde, sagt über die Maße im eigenen Haus wenig. Zwischenwände wurden versetzt, Dächer ausgebaut, rückwärtige Anbauten ergänzt.

So läuft Ihr Aufmaß in Bremerhaven ab

Der Ablauf ist überall gleich aufgebaut. Wie lange er dauert, entscheidet sich in Bremerhaven vor allem an der Aktenlage und an der Bauart des Objekts.

  1. Anlass und Erfassungstiefe festlegen

    Für eine Finanzierungsunterlage, eine Umbauplanung und einen Aufteilungsplan werden verschiedene Detailtiefen gebraucht. Diese Entscheidung steht am Anfang.

  2. Bestandsakte beim Stadtarchiv anfordern

    Sofern für das Gebäude überhaupt eine ältere Unterlage existieren kann, wird sie beim Stadtarchiv Bremerhaven angefragt, einschließlich der Altregistraturen der eingemeindeten Vororte.

  3. Termin abstimmen und Zugang sichern

    Bei mehrgeschossigen Häusern bestimmt der Zugang die Termindauer: Keller, Dachraum und Nebenräume müssen offen sein. Bei vermieteten Einheiten braucht die Ankündigung Vorlauf.

  4. Erfassung vor Ort

    Aufgenommen werden Raummaße, Höhen, Öffnungen und Vormauerungen, dazu Diagonalen als Kontrolle. Skizze und Fotos entstehen parallel.

  5. Auswertung und Übergabe

    Aus den Messdaten entstehen die Zeichnungen und der Flächennachweis mit offengelegtem Rechenweg – Bezugspunkt für jede weitere Planung.

Was den Preis für ein Aufmaß in Bremerhaven beeinflusst

Zwei Objekte mit derselben Quadratmeterzahl können vollkommen verschiedene Messzeiten verursachen. Der Preis entsteht deshalb aus dem tatsächlichen Aufwand, den im Wesentlichen diese Punkte bestimmen:

  • Zahl der Einheiten und Ebenen

    Ein ungeteiltes Reihenhaus wird in einem Durchgang erfasst. Sind daraus mehrere Wohnungen geworden, kommen Wohnungsgrenzen und eine eigene Auswertung je Einheit hinzu.

  • Bauart des Objekts

    Ein einfaches Wiederaufbau-Wohnhaus lässt sich rascher erfassen als ein ehemaliges Hafengebäude mit weiten Spannweiten und ungewöhnlicher Konstruktion.

  • Gewähltes Erfassungsverfahren

    Handaufmaß, angestrebte Genauigkeitsstufe und Laserscanning unterscheiden sich in Geräteeinsatz, Zeit am Objekt und Auswertungsaufwand.

  • Zugänglichkeit am Termin

    Ein verschlossener Kellerverschlag oder eine nur zur Hälfte betretbare Einheit zwingen zu einem zweiten Anlauf.

  • Tiefe der Auswertung

    Ob es bei bemaßten Grundrissen bleibt oder ob Schnitte, Ansichten und Rauminhalt dazukommen, verschiebt den Aufwand nach dem Termin erheblich.

Alle Leistungen in Bremerhaven

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