Grundrisse in Bremen — vom Gründerzeithaus im Viertel bis zum Zeilenbau in der Neuen Vahr bemaßt erfasst
Bremens Wohnungsbestand lässt sich an zwei sehr gegensätzlichen Stadtteilen ablesen. Im Viertel, den dicht bebauten Quartieren rund um Ostertor und Steintor, verdichten sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1930er-Jahre errichtete Bremer Häuser mit neohistorischen und Jugendstil-Fassaden zu einem engen, kleinteiligen Straßennetz, das ein geplanter Abriss für die sogenannte Mozarttrasse in den 1970er-Jahren nur knapp verfehlte. Ganz anders die Neue Vahr im Osten der Stadt: Zwischen 1957 und 1961 als eines der größten zusammenhängenden Wohnbauprojekte Europas errichtet, prägen dort mehrgeschossige Zeilenbauten mit sich vielfach wiederholenden Grundrissen das Bild – viele frühere Bewohner des Viertels zogen seinerzeit genau dorthin um. Auf den ehemaligen Hafenflächen der Überseestadt wiederum entstehen seit rund zwei Jahrzehnten gänzlich neue Wohn- und Loftquartiere. Ob ein Grundriss aus einer historischen Akte stammen kann oder neu erfasst werden muss, hängt in Bremen stark davon ab, welchem dieser Stadtbilder Ihre Immobilie zuzurechnen ist.
Wann Sie in Bremen einen neuen Grundriss brauchen
Auch in Bremen ist ein Grundriss für sich genommen keine genehmigungspflichtige Leistung, wird aber regelmäßig in folgenden Situationen zwingend gebraucht:
- Verkauf und Finanzierung: Bank und Notar verlangen einen aktuellen, bemaßten Plan – eine alte Aktenkopie reicht selten, wenn seither umgebaut wurde.
- Aufgeteilte Bremer Häuser im Viertel: Wurde ein ursprünglich einheitliches Reihenhaus im Lauf der Zeit in mehrere Wohnungen unterteilt, zeigt die historische Akte einen Zuschnitt, den es so nicht mehr gibt.
- Teilungserklärung und Aufteilungsplan: Wer eine Immobilie in Wohnungs- und Teileigentum aufteilen will, braucht einen maßstäblichen Aufteilungsplan als Grundlage der Abgeschlossenheitsbescheinigung.
- Sanierung eines Zeilenbaus in der Neuen Vahr: Auch wenn viele Wohnungen demselben Grundtyp folgen, macht eine individuelle Modernisierung oder das Zusammenlegen mehrerer Einheiten eine neue Erfassung nötig.
- Umnutzung in der Überseestadt: Wird ein ehemaliges Speicher- oder Kontorgebäude zu Wohnzwecken umgebaut, muss der neue Grundriss den heutigen Bestand zeigen.
Zwischen 1957 und 1961 entstand die Neue Vahr als eines der größten zusammenhängenden Wohnbauprojekte Europas mit rund 10.000 Wohnungen für etwa 30.000 Menschen. Anders als im gewachsenen, individuell errichteten Viertel folgen die mehrgeschossigen Zeilenbauten dort einer überschaubaren Zahl an Grundtypen, die sich über viele Aufgänge und ganze Straßenzüge hinweg wiederholen. Für einen aktuellen Grundriss bedeutet das: Passt eine Wohnung zum unveränderten Grundtyp ihres Aufgangs, lässt sich der Plan oft mit vergleichsweise wenig Aufwand ableiten und neu bemaßen. Wurde dagegen im Zuge einer Modernisierung eine Wand versetzt, ein Bad vergrößert oder wurden zwei benachbarte Wohnungen zusammengelegt, weicht der tatsächliche Bestand vom Grundtyp ab – und nur ein Aufmaß vor Ort zeigt die aktuelle Aufteilung zuverlässig.
Woher Ihr Bremer Grundriss stammt
Je nach Stadtteil und Aktenlage kommt einer von drei Wegen infrage:
Aus der Bauakte der zuständigen Bremer Bauaufsicht
Existiert eine verwertbare, zum heutigen Bestand passende Akte, lässt sich der Grundriss daraus ableiten und bei Bedarf neu bemaßen. Zuständig ist je nach Stadtteil entweder die Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung oder, für Vegesack, Blumenthal und Burglesum, das eigenständige Bauamt Bremen-Nord.
Über ein Aufmaß am Gebäude
Weicht die Akte vom tatsächlichen Zustand ab – etwa nach der Aufteilung eines Bremer Hauses im Viertel oder einer individuellen Modernisierung in der Neuen Vahr – oder fehlt sie ganz, wird direkt vor Ort vermessen.
Aus digital geführten Bauunterlagen
Für neuere Bauvorhaben, etwa Umbauten und Neubauten in der Überseestadt, liegen die Pläne meist bereits digital vor und lassen sich unmittelbar für die Grundrisserstellung weiterverwenden.
Welche Unterlagen für Ihren Bremer Grundriss hilfreich sind
Je nachdem, welcher Weg zum Ziel führt, sind unterschiedliche Unterlagen relevant:
- Bauakte der zuständigen Bauaufsicht
Für die Einsicht wird je nach Stadtteil bei der Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung oder beim Bauamt Bremen-Nord in der Regel ein aktueller Eigentumsnachweis verlangt.
- Vorhandene alte Pläne oder Skizzen
Selbst ein Plan aus der ursprünglichen Bauzeit hilft, die Grundstruktur nachzuvollziehen – bei aufgeteilten Bremer Häusern im Viertel oft nur ein grober Ausgangspunkt.
- Teilungserklärung und Aufteilungsplan
Bei Eigentumswohnungen zeigt der bestehende Aufteilungsplan, welche Räume zum Sondereigentum gehören – wichtig, wenn ein neuer Grundriss mit der ursprünglichen Aufteilung abgeglichen werden muss.
- Angaben zum Grundtyp bei Zeilenbauten
In der Neuen Vahr hilft die Angabe, welchem Grundtyp der Aufgang ursprünglich folgte, um schnell zu erkennen, ob und wo die Wohnung davon abweicht.
Grundrisse in Bremen – Beispiele aus der Praxis
Aufgeteiltes Bremer Haus im Viertel
Ein ursprünglich als Einfamilienhaus errichtetes Bremer Haus wurde im Lauf der Jahrzehnte in mehrere Wohnungen unterteilt. Die historische Akte zeigt noch die einheitliche Ursprungsaufteilung – für die einzelnen Wohnungen braucht es dagegen jeweils einen eigenen, aktuellen Grundriss.
Modernisierte Wohnung in einem Zeilenbau der Neuen Vahr
Wurde innerhalb eines Zeilenbaus eine Wand versetzt oder ein Bad vergrößert, weicht die Wohnung vom ursprünglichen Grundtyp des Aufgangs ab. Ein Aufmaß vor Ort erfasst den tatsächlichen, heutigen Zuschnitt.
Loft in einem ehemaligen Speichergebäude der Überseestadt
Für den Umbau eines früheren Lagerhauses zu Wohnraum wird der neue Grundriss meist parallel zur Nutzungsänderung erfasst und mit der historischen Hafennutzung des Gebäudes abgeglichen.
Unveränderte Wohnung im Standard-Zeilenbau
Entspricht eine Wohnung noch vollständig dem ursprünglichen Grundtyp ihres Aufgangs, lässt sich der Grundriss meist mit vergleichsweise wenig Aufwand aus der Bauakte ableiten und neu bemaßen.
So läuft Ihr Grundriss in Bremen ab
Fachlich ist der Ablauf bundesweit derselbe. In Bremen liegt das Gewicht auf der frühen Klärung, welches Amt zuständig ist und ob eine Wohnung noch ihrem ursprünglichen Bautyp entspricht:
- Zweck des Grundrisses einordnen
Ob der Grundriss für Verkauf, Finanzierung, eine Teilungserklärung oder eine Modernisierung gebraucht wird, bestimmt die Anforderungen an Maßstab und Detailtiefe.
- Zuständiges Bauamt und vorhandene Unterlagen ermitteln
Je nach Stadtteil wird geklärt, ob die Senatorin für Bau oder das Bauamt Bremen-Nord zuständig ist, und ob eine dort geführte Akte zum heutigen Bestand passt.
- Ergänzendes Aufmaß bei abweichendem Bestand
Weicht die Wohnung vom historischen Plan oder vom Grundtyp ihres Aufgangs ab, wird der tatsächliche Zustand vor Ort erfasst.
- Grundriss konstruieren und bemaßen
Aus den erfassten oder übernommenen Maßen entsteht der bemaßte Grundriss – auf Wunsch inklusive Möblierung und weiteren Detailgraden für die Vermarktung.
- Plan übergeben
Sie erhalten den fertigen Grundriss als Plandatei, auf Wunsch mit Architektenstempel – bereit für Bank, Notar oder Exposé.
Was den Aufwand eines Grundrisses in Bremen beeinflusst
Der Erfassungsaufwand unterscheidet sich zwischen den Bremer Stadtbildern deutlich:
- Beschaffenheit der vorhandenen Bauakte
Eine aktuelle, zum Bestand passende Akte bei der zuständigen Bremer Bauaufsicht ist der günstigste Fall. Fehlt sie oder weicht der Bestand ab, kommt ein Vor-Ort-Termin hinzu.
- Gebäudetyp: Bremer Haus, Zeilenbau oder Loft
Ein individuell gewachsenes, mehrfach unterteiltes Bremer Haus im Viertel verlangt mehr Erfassungsaufwand als eine unveränderte Wohnung im standardisierten Zeilenbau der Neuen Vahr.
- Zahl der Geschosse und Wohneinheiten
Eine einzelne Etagenwohnung ist rasch erfasst. Ein Haus mit mehreren aufgeteilten Wohnungen verlangt für jede Einheit einen eigenen Erfassungsdurchgang.
- Anlass und gewünschter Detailgrad
Ein reiner Nachweis für die Bauakte unterscheidet sich im Aufwand von einem vermarktungsfertigen, möblierten und bemaßten Grundriss für ein Exposé.
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