Grundrisse in Braunschweig — von der Weststadt-Nachbarschaft bis zum rekonstruierten Fachwerkhaus bemaßt erfasst

Braunschweig wurde im Zweiten Weltkrieg außergewöhnlich schwer getroffen: Die Innenstadt rund um den Okerring war zu rund 90 Prozent, das gesamte Stadtgebiet zu 42 Prozent zerstört. Ein durchgehender Altbaubestand wie in weniger betroffenen Städten fehlt deshalb weitgehend – stattdessen prägen das sogenannte „Traditionsinseln“-Konzept mit gezielt rekonstruierten Gebäuden neben schlichter Nachkriegsarchitektur der 1950er- und 1960er-Jahre das Stadtbild. Ab 1960/61 kam mit der Weststadt eine der größten westdeutschen Großwohnsiedlungen hinzu, geplant für bis zu 30.000 Menschen in fünf eigenständigen „Nachbarschaften“. Ob ein vorhandener Plan noch zum tatsächlichen Bestand passt, hängt in Braunschweig also stark davon ab, ob eine Wohnung in einem rekonstruierten Altbau, einem schlichten Wiederaufbaubau oder einer der großen Nachkriegssiedlungen liegt.

Wann Sie in Braunschweig einen neuen Grundriss brauchen

Ein Grundriss ist auch in Braunschweig keine eigenständig genehmigungspflichtige Leistung, wird aber in mehreren wiederkehrenden Situationen als Grundlage gebraucht:

  • Verkauf und Finanzierung: Bank und Notar verlangen einen aktuellen, bemaßten Plan – bei rekonstruierten Gebäuden im historischen Kern weicht die vorhandene Bauakte häufig vom tatsächlichen Wiederaufbau-Zuschnitt ab.
  • Fehlende oder lückenhafte Bauakte: Wegen der schweren Kriegszerstörung sind gerade für Gebäude aus der unmittelbaren Nachkriegszeit nicht immer vollständige Unterlagen überliefert.
  • Teilungserklärung und Aufteilungsplan: Wer eine Immobilie in Wohnungs- und Teileigentum aufteilen will, braucht einen maßstäblichen Aufteilungsplan als Grundlage der Abgeschlossenheitsbescheinigung.
  • Umbau in der Weststadt: Wird eine Wohnung in einer der fünf Nachbarschaften saniert oder zusammengelegt, muss der neue Grundriss den heutigen Bestand zeigen, nicht den ursprünglichen Typenplan aus der Bauzeit.
  • Energetische oder denkmalrechtliche Nachweise: Für einen Energieausweis oder eine denkmalrechtliche Prüfung an einem der rekonstruierten Fachwerkhäuser wird zusätzlich meist ein aktueller, bemaßter Grundriss verlangt.
Grundriss-Aufmaß in der Weststadt: fünf Nachbarschaften, viele gleiche Grundrisse

Die Weststadt entstand ab 1960/61 im Südwesten Braunschweigs für ursprünglich bis zu 30.000 Menschen, gegliedert in fünf eigenständige „Nachbarschaften“ mit jeweils eigener Grundversorgung. Diese Planung nach einem einheitlichen städtebaulichen Konzept bedeutet für die Grundrisserfassung heute: Innerhalb eines Baublocks wiederholt sich derselbe Wohnungstyp oft über mehrere Etagen und Aufgänge hinweg, sodass sich ein einmal erfasster Grundriss unter Vorbehalt auf baugleiche Nachbareinheiten übertragen lässt. Vorsicht ist trotzdem geboten: Wurden im Lauf der Jahrzehnte Balkone verglast, Grundrisse durch Wohnungszusammenlegungen verändert oder Bäder vergrößert, weicht der tatsächliche Bestand einzelner Wohnungen von der ursprünglichen Typenplanung ab – ein kurzer Abgleich vor Ort schafft hier Sicherheit.

Woher Ihr Braunschweiger Grundriss stammt

Je nach Gebäude und Aktenlage kommt einer von drei Wegen infrage:

Aus der Bauakte des Fachbereichs Bauordnung

Der Fachbereich Bauordnung führt die Braunschweiger Bauakten zentral am Langer Hof 8; Einsicht ist im fünften Stock zu festen Öffnungszeiten möglich. Passt der historische Plan zum heutigen Zuschnitt, lässt sich der Grundriss daraus ableiten und neu bemaßen.

Per Aufmaß vor Ort

Fehlt die Akte oder weicht sie vom tatsächlichen Bestand ab – etwa bei einem der rekonstruierten Gebäude nahe dem Burgplatz oder nach einer Wohnungszusammenlegung in der Weststadt –, wird direkt vor Ort vermessen.

Aus vorhandenen digitalen Plänen

Bei jüngeren Bauvorhaben liegen die Bauunterlagen meist von Beginn an digital vor und lassen sich unmittelbar für die Grundrisserstellung weiterverwenden – der Erfassungsaufwand ist hier meist am geringsten.

Welche Unterlagen für Ihren Braunschweiger Grundriss hilfreich sind

Je nachdem, welcher Weg zum Ziel führt, sind unterschiedliche Unterlagen relevant:

  • Bauakte mit Eigentumsnachweis und Vollmacht

    Für die Einsichtnahme beim Fachbereich Bauordnung am Langer Hof 8 werden üblicherweise ein aktueller Eigentumsnachweis und, bei Beauftragung durch Dritte, eine Vollmacht des Eigentümers verlangt; die Einsicht ist an feste Öffnungszeiten gebunden.

  • Vorhandene alte Pläne oder Skizzen

    Auch unvollständige oder handgezeichnete Pläne aus der Wiederaufbauzeit helfen, die ursprüngliche Raumaufteilung nachzuvollziehen, bevor vor Ort nachgemessen wird.

  • Teilungserklärung und Aufteilungsplan

    Bei Eigentumswohnungen zeigt der bestehende Aufteilungsplan, welche Räume zum Sondereigentum gehören – wichtig, wenn ein neuer Grundriss mit der ursprünglichen Aufteilung abgeglichen werden muss.

  • Angaben zu Umbauten in der Weststadt

    Wurden in einer der fünf Nachbarschaften Wohnungen zusammengelegt, Bäder vergrößert oder Balkone verglast, werden zusätzlich Angaben zum Umfang der baulichen Veränderung erfasst, um den neuen Grundriss korrekt einzuordnen.

Grundrisse in Braunschweig – Beispiele aus der Praxis

Wohnung in einem rekonstruierten Gebäude nahe dem Burgplatz

Nach der weitgehenden Zerstörung der Fachwerk-Neustadt 1944 wurden Teile des historischen Kerns gezielt wiederaufgebaut oder originalgetreu rekonstruiert. Für solche Gebäude liegt in der Bauakte häufig nur ein lückenhafter Vorkriegsplan vor, sodass der heutige Grundriss per Aufmaß neu erfasst werden muss.

Standardisierte Wohnung in einer Weststadt-Nachbarschaft

In den fünf ab 1960/61 geplanten Nachbarschaften der Weststadt wiederholt sich derselbe Wohnungstyp häufig über mehrere Aufgänge. Ein einmal erfasster Grundriss lässt sich unter Vorbehalt auf baugleiche Einheiten übertragen, sofern seither keine individuellen Umbauten stattgefunden haben.

Fachwerkhaus am Ackerhof mit Denkmalbezug

Die historischen Fachwerkhäuser am Ackerhof überstanden den Bombenkrieg vergleichsweise unbeschadet, wurden aber über Jahrzehnte hinweg mehrfach saniert. Für ein aktuelles Aufmaß mit Denkmalbezug wird der bestehende Zuschnitt einschließlich der historischen Deckenhöhen und Wandstärken sorgfältig erfasst, da diese für spätere denkmalrechtliche Abstimmungen dokumentiert sein müssen.

Dachgeschosswohnung in einem Wiederaufbaubau der 1950er-Jahre

Für viele der nach 1944 errichteten Wohnhäuser existiert zwar eine Bauakte, doch ein nachträglich ausgebautes Dachgeschoss ist darin selten vollständig dokumentiert. Ein aktuelles Aufmaß zeigt hier zuverlässiger als die historische Akte, wie der heutige Grundriss tatsächlich aussieht.

So läuft Ihr Grundriss in Braunschweig ab

Fachlich ist der Ablauf bundesweit derselbe. In Braunschweig liegt das Gewicht auf der frühen Klärung, ob die vorhandene Bauakte angesichts der schweren Kriegszerstörung überhaupt zum heutigen Bestand passt:

  1. Zweck und Anlass klären

    Ob der Grundriss für Verkauf, Finanzierung, eine Teilungserklärung oder einen Umbau in der Weststadt gebraucht wird, bestimmt die Anforderungen an Maßstab und Detailtiefe.

  2. Vorhandene Bauakte prüfen

    Die Akte beim Fachbereich Bauordnung wird auf einen verwertbaren Plan hin geprüft und mit dem heutigen Bestand abgeglichen.

  3. Fehlende Grundlagen aufmessen

    Passt die Akte nicht mehr oder fehlt sie, wird die Wohnung oder das Gebäude direkt vor Ort vermessen – bei rekonstruierten Gebäuden im historischen Kern häufig ohnehin der einzig verlässliche Weg.

  4. Grundriss zeichnen und bemaßen

    Aus den erfassten Maßen entsteht der bemaßte Grundriss – auf Wunsch inklusive Möblierung und weiteren Detailgraden für die Vermarktung.

  5. Ergebnis übergeben

    Sie erhalten den fertigen Grundriss als Plandatei, auf Wunsch mit Architektenstempel – bereit für Bank, Notar, Fachbereich Bauordnung oder Exposé.

Was den Aufwand eines Grundrisses in Braunschweig beeinflusst

Der Erfassungsaufwand unterscheidet sich zwischen den Braunschweiger Baubeständen deutlich:

  • Zustand der vorhandenen Bauakte

    Eine verwertbare Akte beim Fachbereich Bauordnung ist der günstigste Fall. Fehlt sie oder weicht sie vom Bestand ab, kommen Aktenrecherche oder ein Vor-Ort-Termin hinzu.

  • Gebäudetyp: Rekonstruktion, Wiederaufbau oder Weststadt-Typenbau

    Ein individuell rekonstruiertes Fachwerkhaus verlangt mehr Erfassungsaufwand als eine standardisierte Wohnung in einer Weststadt-Nachbarschaft, deren Grundriss sich über mehrere Einheiten wiederholt.

  • Zahl der Ebenen und Räume

    Eine einzelne Etagenwohnung ist rasch erfasst. Ein Haus mit mehreren Geschossen und Nebengebäuden verlangt für jede Einheit einen eigenen Erfassungsdurchgang.

  • Anlass und Detailtiefe

    Ein reiner Nachweis für die Bauakte unterscheidet sich im Aufwand von einem vermarktungsfertigen, möblierten und bemaßten Grundriss für ein Exposé.

Alle Leistungen in Braunschweig

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