Bemaßte Ansichten in Braunschweig — Fassaden zwischen Rekonstruktion und Ringbestand

Ein Grundriss zeigt, wie ein Gebäude von innen funktioniert, eine Ansicht zeigt, wie es von außen wirkt – und in Braunschweig fällt diese Außenwirkung ungewöhnlich unterschiedlich aus. Rund um Burgplatz und Ackerhof stehen gezielt rekonstruierte Fachwerkfassaden, deren äußeres Erscheinungsbild bewusst ein historisches Vorbild nachbildet, während entlang des Braunschweiger Rings echte historistische Bausubstanz mit Erkern, Risaliten und aufwendig gegliederten Fensterachsen das Bild prägt. Wer an einer dieser Fassaden etwas ändert, muss in der bemaßten Ansicht nicht nur Höhen und Öffnungen belegen, sondern häufig zuerst klären, ob eine originale, eine rekonstruierte oder eine völlig neu errichtete Fassade betroffen ist – eine Frage, die über die Prüfung durch das Referat Stadtbild und Denkmalpflege entscheidet.

Was eine Ansicht für Braunschweig zeigen muss

Für Ansichten gelten nach der NBauVorlVO dieselben formalen Grundanforderungen wie für jede andere Bauzeichnung, inhaltlich jedoch mit Schwerpunkt auf der äußeren Erscheinung des Gebäudes:

  • Mindestmaßstab 1:100, mit numerischer Maßstabsangabe, Maßstabsleiste und vollständiger Bemaßung von Höhen und Öffnungen auf jeder dargestellten Fassadenseite.
  • Wesentliche Bauprodukte und Bauarten müssen erkennbar sein – bei einer Ansicht heißt das in der Praxis: Fassadenmaterial, Farbgebung und Fensterteilung, sobald sie für die Beurteilung des Vorhabens von Bedeutung sind.
  • Bei Änderungen an einer bestehenden Fassade müssen zu beseitigende und geplante Bauteile eindeutig unterscheidbar dargestellt werden, etwa ein neuer Fensterausschnitt gegenüber dem vorhandenen Fachwerk.
  • Im historischen Kern prüft bei Denkmalbezug zusätzlich das Referat Stadtbild und Denkmalpflege dieselbe Ansicht nach § 10 NDSchG – unabhängig davon, ob es sich um originale Substanz oder eine spätere Rekonstruktion handelt.
Original, Rekonstruktion oder Neubau: drei Fassadentypen im historischen Kern

Die NBauVorlVO selbst unterscheidet nicht zwischen einer historisch gewachsenen und einer rekonstruierten Fassade – ihre Anforderungen an Maßstab, Kennzeichnung und die Trennung von Bestand und Neuplanung gelten für beide gleichermaßen. In der Praxis macht dieser Unterschied für die Ansicht trotzdem viel aus. Die Fachwerkhäuser am Ackerhof aus den Jahren 1432 bis 1646 überstanden den Bombenkrieg vergleichsweise unbeschadet und zeigen tatsächlich historische Bausubstanz mit unregelmäßigen Wandstärken und gewachsenen Deckenhöhen. Die Alte Waage am Wollmarkt dagegen, ursprünglich 1534 errichtet und 1944 zerstört, wurde erst in den 1990er-Jahren von Braunschweiger Zimmereibetrieben originalgetreu als 21 Meter hoher Fachwerkbau neu aufgebaut – äußerlich historisch, konstruktiv jedoch ein Bauwerk der jüngeren Vergangenheit. Am deutlichsten zeigt sich der Unterschied an den Schloss-Arkaden: Die zwischen 2005 und 2007 errichtete Westfassade des ehemaligen Residenzschlosses rekonstruiert das Werk des Hofarchitekten Carl Theodor Ottmer aus geretteten Originalteilen und neuem Sandstein, dahinter liegt jedoch ein moderner Einkaufskomplex. Für die bemaßte Ansicht folgt daraus: Bevor Höhen, Fensterproportionen und Materialangaben eingetragen werden, muss feststehen, welchem dieser drei Fälle die betroffene Fassade angehört – das Referat Stadtbild und Denkmalpflege bewertet originale Substanz, Rekonstruktion und Neubau hinter historisierender Fassade unterschiedlich.

Drei Ausgangslagen für die Ansicht in Braunschweig

Je nachdem, welchem Fassadentyp ein Vorhaben begegnet, unterscheidet sich der Weg zur fertigen Zeichnung:

Historischer Kern: Klärung vor der Bemaßung

Für eine Fassade am Ackerhof, am Wollmarkt oder am Burgplatz klärt sich zuerst, ob originale Substanz, eine spätere Rekonstruktion oder ein Neubau hinter historisierender Fassade vorliegt – erst danach lässt sich die geplante Änderung mit dem Referat Stadtbild und Denkmalpflege abstimmen.

Braunschweiger Ring: Aufmaß der gegliederten Fassade

Erker, Risalite und tiefe Fensternischen entlang des Rings verlangen ein Aufmaß, das jeden Vorsprung einzeln erfasst – eine gemittelte Fassadenbreite trägt bei dieser Gliederung nicht.

Neubau: alle Seiten aus einer Planung

Bei einem Neubauvorhaben, etwa in einer der Weststadt-Nachverdichtungsflächen, entstehen die Ansichten aller Fassadenseiten gemeinsam mit Grundriss und Schnitt aus derselben digitalen Planung.

Was zu einer vollständigen Ansicht in Braunschweig gehört

Eine einzelne Fassadenzeichnung reicht dem Fachbereich Bauordnung selten – gefragt ist ein abgestimmter Satz:

  • Ansichten aller betroffenen Fassadenseiten

    Bemaßt im Maßstab mindestens 1:100, mit Höhen, Öffnungen und, wo relevant, Angaben zu Material und Farbe.

  • Abgestimmter Grundriss und Schnitt

    Damit Maße, Geschosshöhen und Öffnungspositionen zwischen den Zeichnungen des Plansatzes übereinstimmen.

  • Einordnung als originale, rekonstruierte oder neue Substanz

    Bei Vorhaben im historischen Kern fließt diese Einordnung von Beginn an in die Darstellung ein, statt nachträglich ergänzt zu werden.

  • Bestandsfoto oder Aufmaß der vorhandenen Fassade

    Bei Änderungen an einer bestehenden Fassade zeigt ein aktuelles Foto oder Aufmaß, was tatsächlich vorhanden ist – wichtig, weil die Bauakte gerade bei rekonstruierten Gebäuden den heutigen Zustand oft nicht lückenlos abbildet.

Bemaßte Ansichten in Braunschweig – Beispiele aus der Praxis

Fenstertausch an einem Fachwerkhaus am Ackerhof

Weil es sich um eines der tatsächlich erhaltenen historischen Gebäude handelt, dokumentiert die Ansicht Rahmenprofil und Sprossenteilung im Bestand, bevor eine neue Ausführung mit dem Referat Stadtbild und Denkmalpflege abgestimmt wird.

Erkersanierung an einem historistischen Haus am Ring

Die Ansicht weist Vorsprung, Höhe und Fensterteilung des Erkers gesondert aus, weil sich an genau diesen Maßen entscheidet, wie die Fläche später in der Wohnflächenberechnung angerechnet wird.

Fassadenänderung an den Schloss-Arkaden

Weil die heutige Fassade selbst eine Rekonstruktion aus geretteten Originalteilen und neuem Sandstein ist, muss die Ansicht bei jeder weiteren Änderung zeigen, welche Bauteile aus der Rekonstruktion von 2005 bis 2007 stammen und welche neu hinzukommen.

Neubau-Mehrfamilienhaus in der Weststadt

Ansichten aller Seiten entstehen direkt aus der digitalen Planung, ohne Bezug auf Denkmalschutz oder Bestandsfassade – der unkomplizierteste der drei Braunschweiger Fälle.

So entsteht Ihre Ansicht für Braunschweig

Von der Einordnung der Fassade bis zur einreichfertigen Zeichnung:

  1. Fassadentyp einordnen

    Historischer Kern mit Denkmalbezug, Ringbestand mit Gliederung oder Neubau bestimmen, welche Zusatzprüfung neben der reinen Bemaßung ansteht.

  2. Aufmaß oder Bauakte als Grundlage

    Bestehende Bauakte des Fachbereichs Bauordnung oder ein aktuelles Aufmaß der betroffenen Fassadenseite.

  3. Bei Denkmalbezug: Rücksprache mit dem Referat Stadtbild und Denkmalpflege

    Vor der endgültigen Zeichnung klärt sich, ob originale Substanz, Rekonstruktion oder Neubau vorliegt und welche Vorgaben daraus für Material und Farbe folgen.

  4. Ansicht bemaßt erstellen

    Im Maßstab mindestens 1:100, mit allen Pflichtangaben der NBauVorlVO.

  5. Mit Grundriss und Schnitt abgleichen und einreichen

    Nach § 3a NBauO elektronisch signiert an den Fachbereich Bauordnung und Zentrale Vergabestelle, widerspruchsfrei zu den übrigen Zeichnungen des Plansatzes.

Was den Preis für eine Ansicht in Braunschweig beeinflusst

Diese Faktoren bestimmen den Aufwand für eine bemaßte Ansicht in Braunschweig:

  • Lage im historischen Kern

    Eine Fassade am Ackerhof, am Wollmarkt oder am Burgplatz verlangt zusätzliche Klärung mit dem Referat Stadtbild und Denkmalpflege gegenüber einem Vorhaben ohne diese Bindung.

  • Originale Substanz, Rekonstruktion oder Neubau

    Bei einem Gebäude im historischen Kern klärt sich zuerst, welcher der drei Fälle vorliegt – das beeinflusst den Rechercheaufwand vor der eigentlichen Zeichnung.

  • Gliederung der Fassade am Ring

    Erker, Risalite und Rücksprünge kosten Messzeit, weil sie nicht als ein Maß erfasst werden können.

  • Zahl der betroffenen Fassadenseiten

    Eine einzelne Straßenansicht ist schneller erstellt als mehrere Seiten bei einem freistehenden Gebäude.

Alle Leistungen in Braunschweig

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