Bemaßte Ansichten in Bochum — von der Gestaltungssatzung der Dahlhauser Heide bis zum Hustadt-Typenbau
Ein Grundriss zeigt die Raumaufteilung, ein Schnitt den vertikalen Aufbau – was fehlt, ist die Außenwirkung des Gebäudes selbst. Die bemaßte Ansicht liefert genau das: jede vom Vorhaben betroffene Fassadenseite mit Höhen, Öffnungen und den für die Beurteilung wesentlichen Materialangaben. In Bochum wird diese Zeichnung an zwei sehr unterschiedlichen Stellen zur eigentlichen Prüfgrundlage. In der Dahlhauser Heide entscheidet sie, ob ein Anbau mit der seit 1980 geltenden und 2025 überarbeiteten Gestaltungssatzung der früheren Bergarbeitersiedlung vereinbar ist – hier zählt jedes Detail von Dachneigung bis Fensterteilung. In der Hustadt dagegen wiederholt sich dieselbe Fassade über bis zu vierzehn Geschosse hinweg, und die Ansicht muss zeigen, ob eine einzelne, individuell veränderte Wohnung noch zum ursprünglichen Erscheinungsbild des Typenbaus passt oder erkennbar davon abweicht.
Was eine Ansicht für Bochum zeigen muss
Die BauPrüfVO NRW stellt an Ansichten dieselben formalen Grundanforderungen wie an andere Bauzeichnungen, mit inhaltlichem Schwerpunkt auf der äußeren Erscheinung:
- Maßstab grundsätzlich 1:100, mit vollständiger Bemaßung von Höhen und Öffnungen auf jeder dargestellten Fassadenseite; für die Umgebungsbebauung lässt die Verordnung auch eine Farbfotografie zu.
- Wesentliche Bauprodukte und Bauarten müssen erkennbar sein – bei einer Ansicht heißt das in der Praxis: Fassadenmaterial, Farbgebung und Fensterteilung, sobald sie für die Beurteilung des Vorhabens relevant sind.
- Bei Änderungen an einer bestehenden Fassade müssen zu beseitigende und geplante Bauteile eindeutig unterscheidbar dargestellt werden, etwa eine neue Fensteröffnung gegenüber dem bestehenden Mauerwerk.
Weil die Dahlhauser Heide nicht klassisch denkmalgeschützt, sondern durch eine eigene Gestaltungssatzung geschützt ist, gibt es hier keine zweite, unabhängige Prüfbehörde – das Bauordnungsamt gleicht dieselbe Ansicht in einem Arbeitsgang sowohl bauordnungsrechtlich als auch gegen die Satzung ab. Inhaltlich verlangt das mehr, als eine gewöhnliche Ansicht hergeben muss: die Dachneigung, das Fassadenmaterial und, seit der Neufassung der Satzung im Juli 2025, auch die Position von Stellplätzen, Ladestationen oder Wärmepumpen, sofern sie von der Straße aus sichtbar sind. Eine Ansicht, die nur die bauordnungsrechtlichen Pflichtangaben zeigt, aber die satzungsrelevanten Außenbauteile ausspart, ist für die Dahlhauser Heide unvollständig.
Neubau, Siedlungshaus oder Typenwohnung – drei Ausgangslagen
Wie die Ansicht entsteht, hängt stark davon ab, wo in Bochum das Gebäude steht:
Neubau auf einer Entwicklungsfläche
Auf Flächen wie Ostpark auf dem früheren Opel-Gelände entstehen alle Fassadenansichten gemeinsam mit Grundriss und Schnitt aus einer durchgeplanten Struktur – Öffnungen, Materialien und Höhen sind von Beginn an aufeinander abgestimmt.
Siedlungshaus innerhalb der Gestaltungssatzung
Für einen Anbau oder Fenstertausch in der Dahlhauser Heide braucht es zunächst ein Aufmaß der betroffenen Fassade, damit sich Bestand und geplante Änderung eindeutig unterscheiden lassen – und damit die satzungsrelevanten Details überhaupt erfasst sind.
Einzelwohnung im Hustadt-Typenbau
Weicht die tatsächliche Fassade einer Wohnung – etwa durch eine nachträgliche Balkonverglasung – vom ursprünglichen Serienplan der Bauzeit ab, wird die Ansicht direkt vor Ort aufgemessen, statt den alten Typengrundriss ungeprüft zu übernehmen.
Was zu einer vollständigen Ansicht in Bochum gehört
Eine einzelne Fassadenzeichnung reicht selten – gefragt ist ein auf Grundriss und Schnitt abgestimmter Satz:
- Ansichten aller betroffenen Fassadenseiten
Bemaßt im Maßstab 1:100, mit Höhen, Öffnungen und, wo relevant, Material- und Farbangaben.
- Abgestimmter Grundriss und Schnitt
Damit Maße, Geschosshöhen und Öffnungspositionen zwischen den Zeichnungen des Plansatzes widerspruchsfrei sind.
- Hinweis auf die Lage in der Gestaltungssatzung Dahlhauser Heide
Liegt das Grundstück im Satzungsgebiet, wird das bei der Darstellung der Fassade von vornherein mitberücksichtigt.
Bemaßte Ansichten in Bochum – Beispiele aus der Praxis
Wintergarten an einem Siedlungshaus in der Dahlhauser Heide
Die Ansicht muss zeigen, dass Dachneigung und Fassadenmaterial des geplanten Anbaus der Gestaltungssatzung entsprechen – geprüft vom selben Bauordnungsamt, das auch die bauordnungsrechtliche Seite abnimmt.
Balkonverglasung in einem Hustadt-Hochhaus
Die neue Ansicht der betroffenen Fassadenseite zeigt, wie sich die Verglasung in die bestehende Typenfassade einfügt – abweichend vom ursprünglichen Serienplan, aber innerhalb der einzelnen Einheit eindeutig dokumentiert.
Fassadensanierung an einem Nachkriegsgebäude in der Innenstadt
Weil viele Wiederaufbaugebäude über die Jahrzehnte ohne durchgängige Dokumentation verändert wurden, entsteht die Ausgangsansicht meist per Aufmaß vor Ort, nicht aus einer veralteten Bauaktenzeichnung.
So entsteht Ihre Ansicht für Bochum
Von der Bestandsaufnahme bis zur einreichfertigen Zeichnung:
- Betroffene Fassadenseiten klären
Welche Seiten sind vom Vorhaben sichtbar betroffen, und liegt das Grundstück innerhalb der Gestaltungssatzung Dahlhauser Heide.
- Aufmaß oder Bauakte als Grundlage
Bestehende Bauakte aus dem Technischen Rathaus oder ein aktuelles Aufmaß der betroffenen Fassade.
- Ansicht bemaßt erstellen
Im Maßstab 1:100, mit allen Pflichtangaben der BauPrüfVO NRW.
- Mit Grundriss und Schnitt abgleichen
Damit Öffnungen, Höhen und Bauteile zwischen den Zeichnungen des Plansatzes übereinstimmen.
- Für das Bauordnungsamt zusammenstellen
Digital aufbereitet zur Einreichung; mit dem BauCode NRW wird das zum 1. September 2026 auch beim Bochumer Amt zum verbindlichen Regelweg.
Was den Preis für eine Ansicht in Bochum beeinflusst
Diese Faktoren bestimmen den Aufwand für eine bemaßte Ansicht:
- Zahl der betroffenen Fassadenseiten
Eine einzelne Straßenansicht ist schneller erstellt als mehrere Seiten eines freistehenden Gebäudes.
- Lage in der Gestaltungssatzung Dahlhauser Heide
Zusätzliche Angaben zu Dachform, Fassade und sichtbaren Außenbauteilen erhöhen den Abstimmungsaufwand gegenüber einer Ansicht außerhalb des Satzungsgebiets.
- Neubau oder Bestandsfassade
Eine Ansicht aus einer laufenden Neubauplanung entsteht meist zügiger als die Dokumentation einer individuell veränderten Typenwohnung.
- Zustand vorhandener Bauakten
Fehlt eine verwertbare Bestandszeichnung, kommt ein Aufmaß-Termin hinzu, bevor die Ansicht entstehen kann.
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