Bauantrag in Bochum — auf der Opel-Konversionsfläche Mark 51°7 und im geschützten Bestand richtig eingeordnet
Für einen Bauantrag in Bochum ist eine einzige Behörde zuständig: das Bauordnungsamt im Technischen Rathaus an der Hans-Böckler-Straße, das sämtliche Vorgänge für das gesamte Stadtgebiet zentral bearbeitet – weder eigene Bezirksämter wie in Berlin noch eine interne Nord-Süd-Teilung wie im benachbarten Duisburg gibt es hier. Rechtsgrundlage ist die Bauordnung für das Land Nordrhein-Westfalen (BauO NRW). Ihr praktisches Gewicht bekommt ein Bochumer Bauantrag aber oft erst durch die Lage: Auf der rund 70 Hektar großen Fläche des 2014 geschlossenen Opel-Werks I in Laer wächst seit 2015 mit Mark 51°7 einer der größten Technologiestandorte im Ruhrgebiet samt eigenem Wohnquartier, während in der denkmalgeschützten Bergarbeitersiedlung Dahlhauser Heide seit dem Sommer 2025 eine grundlegend überarbeitete Gestaltungssatzung bestimmt, was am historischen Bestand verändert werden darf.
Welches Verfahren gilt für Ihren Bauantrag in Bochum?
§ 60 Abs. 1 BauO NRW formuliert die Grundregel landesweit einheitlich: Wer eine bauliche Anlage errichtet, ändert, ihre Nutzung ändert oder beseitigt, braucht dafür grundsätzlich eine Baugenehmigung – es sei denn, die §§ 61 bis 63, 78 oder 79 BauO NRW nehmen das Vorhaben ausdrücklich aus. In Bochum entscheidet neben Gebäudeklasse und Nutzungsart nicht selten zusätzlich die Lage über den konkreten Weg:
- Kleinere Vorhaben – Gartenhäuser, Terrassenüberdachungen, niedrige Einfriedungen – kommen nach § 62 BauO NRW ganz ohne Anzeige oder Bescheid aus; Abstandsflächen und ein geltender Bebauungsplan sind trotzdem einzuhalten.
- Bei Wohngebäuden der Gebäudeklassen 1 bis 3 innerhalb eines Bebauungsplangebiets kann die Genehmigungsfreistellung nach § 63 BauO NRW den förmlichen Bescheid ersetzen, sofern Erschließung und Plankonformität bereits gesichert sind.
- Die meisten Bochumer Bauanträge – vom einzelnen Wohnhaus bis zum Neubau auf einer der städtischen Entwicklungsflächen – landen im vereinfachten Baugenehmigungsverfahren nach § 64 BauO NRW.
- Ausschließlich die im Gesetz abschließend aufgeführten großen Sonderbauten durchlaufen das vollständige Baugenehmigungsverfahren nach § 65 BauO NRW mit Prüfung durch alle betroffenen Fachbereiche.
Auf dem rund 70 Hektar großen Gelände des 2014 geschlossenen Opel-Werks I in Laer wächst mit Mark 51°7 seit 2015 ein Technologie- und Wissenschaftscampus, der über die bereits angesiedelten Unternehmen und das große Logistikzentrum hinaus in weitere Bauabschnitte geht: Die Ruhr-Universität Bochum hat inzwischen eigene Laborflächen im dortigen BioMedical Center bezogen, und unter Teilen des Geländes entsteht seit 2024 eine Energiezentrale, die künftig Grubenwasser zur Wärme- und Kälteversorgung nutzen soll. Für einen Bauantrag zählt vor allem, was direkt angrenzt: In den Stadtteilen Altenbochum und Laer wächst mit dem Wohnquartier Ostpark auf 43 Hektar das derzeit größte Wohnungsbauvorhaben der Stadt – rund 1.300 Einheiten in den beiden Teilquartieren Feldmark und Havkenscheider Höhe, verteilt im Drittelmix aus Eigentum, freifinanzierter Miete und gefördertem Wohnraum. Bauanträge in diesem Umfeld bewegen sich nahezu immer im vereinfachten oder, je nach Gebäudegröße, im vollständigen Verfahren und müssen sich an den eigens für die jeweilige Teilfläche aufgestellten Bebauungsplänen messen lassen – ein deutlich anderer Rahmen als der klassische Dachgeschossausbau im gewachsenen Bestand.
Die vier Verfahrensarten im Detail
Der Gesetzestext der BauO NRW gilt in ganz Nordrhein-Westfalen identisch. Unterschiedlich ist die praktische Prüftiefe – in Bochum je nachdem, ob ein Grundstück im gewachsenen Bestand, auf einer der neuen Entwicklungsflächen oder innerhalb einer örtlichen Gestaltungssatzung liegt:
Verfahrensfreie Bauvorhaben (§ 62 BauO NRW)
Ein eigener Katalog zählt auf, was ganz ohne Verfahren entstehen darf, etwa kleinere Gartenhäuser oder Terrassenüberdachungen. Innerhalb der Gestaltungssatzung für die Dahlhauser Heide bleibt ein solches Vorhaben zwar bauordnungsrechtlich genehmigungsfrei, braucht aber trotzdem die Vereinbarkeit mit den dortigen Gestaltungsvorgaben.
Genehmigungsfreistellung (§ 63 BauO NRW)
Für Wohngebäude der Gebäudeklassen 1 bis 3 mit Garage und Nebenanlagen genügt im Bebauungsplangebiet die vollständige Bauvorlage beim Amt, wenn keine Befreiung nötig und die Erschließung gesichert ist. Auf den neu erschlossenen Teilflächen von Ostpark greift dieser Weg vor allem bei den geplanten Reihen- und Doppelhäusern.
Vereinfachtes Baugenehmigungsverfahren (§ 64 BauO NRW)
Vom Anbau im Bochumer Bestand bis zum mehrgeschossigen Neubau in Ostpark durchläuft der überwiegende Teil der Bauanträge diesen Weg. Geprüft werden vor allem planungsrechtliche Zulässigkeit, Abstandsflächen und Stellplätze; auf dem Kerngelände von Mark 51°7 kommt regelmäßig die Abstimmung mit dem eigens aufgestellten Bebauungsplan hinzu.
Baugenehmigungsverfahren für große Sonderbauten (§ 65 BauO NRW)
Große Hallen mit Publikumsverkehr, Institutsgebäude besonderer Größe oder Versammlungsstätten zählen zu den abschließend im Gesetz benannten Sonderbauten und durchlaufen immer das vollständige Verfahren mit eigenem Brandschutzkonzept – wie es für größere Neubauten auf Mark 51°7 üblich ist.
Welche Bauvorlagen Ihr Bauantrag in Bochum braucht
Neben den bundesweit üblichen Bauvorlagen verlangt das Bochumer Bauordnungsamt je nach Lage des Grundstücks zusätzliche Nachweise. Dazu zählen typischerweise:
- Lageplan
Aktueller Katasterauszug mit Flurstück und geplantem Vorhaben als Grundlage der planungsrechtlichen Prüfung.
- Bauzeichnungen und Baubeschreibung
Grundrisse, Schnitte und Ansichten sowie eine textliche Beschreibung von Nutzung und Konstruktion – Maßstab und Detailtiefe richten sich nach dem gewählten Verfahren.
- Abgleich mit dem Bebauungsplan für Mark 51°7 oder Ostpark
Für Grundstücke auf der Konversionsfläche selbst oder im neuen Wohnquartier verlangt das Amt den Nachweis, dass Kubatur, Erschließung und Nutzung mit dem eigens aufgestellten Bebauungsplan übereinstimmen.
- Vereinbarkeit mit der Gestaltungssatzung Dahlhauser Heide
Innerhalb des Satzungsgebiets muss die Bauvorlage zusätzlich zeigen, dass Fassade, Dachform und sichtbare Anbauten wie Stellplätze, Ladestationen oder Wärmepumpen den seit Juli 2025 geltenden Gestaltungsvorgaben entsprechen.
- Standsicherheits- und Brandschutznachweis
Bei großen Sonderbauten im vollständigen Verfahren immer mit eigenem Brandschutzkonzept gefordert, bei kleineren Vorhaben je nach Gebäudeklasse häufig reduziert.
Bauanträge in Bochum – Beispiele aus der Praxis
Geschosswohnungsbau im neuen Quartier Ostpark
Für die Teilquartiere Feldmark und Havkenscheider Höhe am Rand von Mark 51°7 entstehen überwiegend mehrgeschossige Wohngebäude im vereinfachten Verfahren, deren Bauvorlagen zusätzlich zur BauO NRW den Vorgaben des eigens aufgestellten Bebauungsplans genügen müssen.
Institutsneubau oder Bürogebäude auf dem Mark-51°7-Kerngelände
Ansiedlungen wie die Laborflächen der Ruhr-Universität im BioMedical Center oder neue Bürogebäude für Technologieunternehmen brauchen wegen ihrer Größe und Nutzung regelmäßig das vollständige Verfahren samt Brandschutzkonzept.
Nachrüstung von Ladestation und Wärmepumpe in der Dahlhauser Heide
Seit der Neufassung der Gestaltungssatzung im Juli 2025 dürfen Ladestationen, Wärmepumpen und Stellplätze auch im Vorgarten stehen, müssen sich aber optisch in das denkmalgeschützte Siedlungsbild einfügen – ein typischer Fall enger Abstimmung zwischen Bauantrag und Satzungsprüfung.
Anbau oder Dachgeschossausbau im gewöhnlichen Bestand
Außerhalb solcher Sondergebiete bleiben Erweiterungen meist in den Gebäudeklassen 1 bis 3 und laufen im vereinfachten Verfahren oder, in Bebauungsplangebieten, über die Genehmigungsfreistellung.
So läuft Ihr Bauantrag in Bochum ab
Rechtlich gilt die BauO NRW landesweit einheitlich. In Bochum bearbeitet eine einzige Behörde sowohl den klassischen Gebäudebestand als auch die großen neuen Entwicklungsflächen der Stadt.
- Gebäudeklasse und Verfahrensart klären
Das Vorhaben wird zunächst einer der fünf Gebäudeklassen zugeordnet, danach folgt die Wahl des passenden Verfahrens – ein Dachgeschossausbau nimmt einen anderen Weg als ein Neubau in Ostpark.
- Lage prüfen: Entwicklungsfläche, Satzungsgebiet oder gewöhnlicher Bestand
Schon vor der Einreichung klärt sich, ob das Grundstück im eigens aufgestellten Bebauungsplan für Mark 51°7 oder Ostpark liegt oder ob eine örtliche Satzung wie die für die Dahlhauser Heide zusätzliche Vorgaben macht.
- Bauvorlagen für das Bauordnungsamt zusammenstellen
Lageplan, Bauzeichnungen, Baubeschreibung und die je nach Lage zusätzlich nötigen Nachweise gehen zentral an das Bauordnungsamt im Technischen Rathaus.
- Vollständigkeits- und Fachprüfung
Das Amt prüft zunächst formal, ob alle Unterlagen vorliegen, danach fachlich die planungsrechtliche Zulässigkeit und die bauordnungsrechtlichen Anforderungen; auf Satzungs- oder Entwicklungsflächen ist die jeweils zuständige Fachstelle eingebunden.
- Genehmigung, Fiktion oder Baubeginn
Unter den gesetzlichen Voraussetzungen greift im vereinfachten Verfahren eine Genehmigungsfiktion, sonst folgt der förmliche Bescheid. Mit der dritten Novelle der Landesbauordnung wird die elektronische Antragstellung zum 1. September 2026 auch beim Bochumer Amt zum verbindlichen Regelweg.
Was den Preis für einen Bauantrag in Bochum beeinflusst
Wie aufwendig ein Bauantrag in Bochum wird, lässt sich ohne Blick auf das konkrete Grundstück nicht seriös beziffern. Diese Faktoren bestimmen den Aufwand:
- Gebäudeklasse und gewähltes Verfahren
Ein verfahrensfreies Vorhaben oder eine Genehmigungsfreistellung bedeuten spürbar weniger Aufwand als das vollständige Verfahren für einen großen Sonderbau.
- Lage auf einer Entwicklungs- oder Satzungsfläche
Grundstücke auf Mark 51°7 oder im Wohnquartier Ostpark unterliegen eigens aufgestellten Bebauungsplänen, Vorhaben in der Dahlhauser Heide zusätzlich der örtlichen Gestaltungssatzung – beides erhöht den Abstimmungsaufwand.
- Umfang der weiteren Nachweise
Standsicherheit, Brandschutz oder eine gestalterische Stellungnahme erhöhen den Aufwand zusätzlich zu den Kernunterlagen, insbesondere bei größeren Gebäuden auf den neuen Flächen.
- Gewünschte Bearbeitungsgeschwindigkeit
Eine beschleunigte Vorbereitung der Unterlagen verkürzt die eigene Vorlaufzeit, ändert aber nichts an den gesetzlichen Prüffristen des Bauordnungsamts.
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