Aufteilungspläne in Bielefeld — wenn die Bauakte den Vorkriegszustand zeigt, nicht den Wiederaufbau
Bielefelds Bauakten sind im Vergleich mit vielen anderen Großstädten ungewöhnlich zugänglich: Die Bauberatung der Abteilung Bauaufsicht führt einen Bestand, der bis in das Jahr 1866 zurückreicht und bereits größtenteils digitalisiert ist – anders als in Städten, deren Archiv erst mitten in der Digitalisierung steckt oder auf mehrere Ämter verteilt ist. Für einen Aufteilungsplan bedeutet das aber nicht automatisch weniger Arbeit. Der Luftangriff vom 30. September 1944 zerstörte weite Teile der Innenstadt, sodass viele Gebäude dort in den 1950er-Jahren mit anderem Zuschnitt wiederaufgebaut wurden. Die Akte selbst ist meist vorhanden – nur zeigt sie mitunter ein Gebäude, das es in dieser Form längst nicht mehr gibt. Der eigentliche Engpass liegt in Bielefeld also seltener beim Finden der Unterlage als bei der Frage, ob sie zum heutigen Bestand überhaupt noch passt.
- Wann Sie in Bielefeld einen Aufteilungsplan brauchen
- Woher Ihr Bielefelder Aufteilungsplan stammt
- Welche Unterlagen für Ihren Bielefelder Aufteilungsplan hilfreich sind
- Aufteilungspläne in Bielefeld – Beispiele aus der Praxis
- So entsteht Ihr Aufteilungsplan in Bielefeld
- Was den Aufwand eines Aufteilungsplans in Bielefeld beeinflusst
Wann Sie in Bielefeld einen Aufteilungsplan brauchen
Einen eigenen Genehmigungstatbestand kennt der Aufteilungsplan nicht – er liefert stattdessen die technische Basis, auf der zwei andere Verfahren erst aufbauen können:
- Für die Abgeschlossenheitsbescheinigung der Abteilung Bauaufsicht, ohne die keine Eintragung ins Wohnungsgrundbuch möglich ist.
- Für die notarielle Teilungserklärung – in Bielefeld ohne zusätzliche Umwandlungsgenehmigung, wie sie einige andere Bundesländer bei größeren Bestandsgebäuden kennen.
- Bei einem Neubau lässt sich der Plan meist direkt aus der bei der Abteilung Bauaufsicht eingereichten Genehmigungsplanung ableiten und braucht keine Archivrecherche.
Ein häufiger Fehlschluss lautet: Ist die Bauakte vorhanden, ist der Aufteilungsplan schnell erstellt. Für Bielefelds Innenstadt trifft das nur bedingt zu. Die Bauberatung selbst weist keine dokumentierten Kriegsverluste im eigenen Bestand auf – anders als etwa das Bauaktenarchiv Lichtenberg in Berlin, wo ein Aktenverlust durch ein Ereignis der Nachkriegszeit belegt ist. Das eigentliche Problem liegt in Bielefeld woanders: Weil der Luftangriff vom 30. September 1944 die Innenstadt schwer traf, zeigt eine erhaltene Vorkriegsakte für viele dort gelegene Grundstücke einen Zustand, der mit dem tatsächlichen Wiederaufbau der 1950er-Jahre nicht mehr übereinstimmt – andere Zimmeraufteilung, veränderte Geschosszahl, ein komplett neu errichtetes Gebäude auf altem Grundriss. Für den Aufteilungsplan zählt aber nur der heutige Zuschnitt. Wo die Akte den Vorkriegszustand zeigt, tritt deshalb eine Vor-Ort-Vermessung an ihre Stelle – nicht weil die Unterlage fehlt, sondern weil sie das falsche Gebäude dokumentiert.
Woher Ihr Bielefelder Aufteilungsplan stammt
Je nachdem, in welchem der sehr unterschiedlichen Baubestände Ihre Immobilie liegt, kommt einer von drei Wegen infrage:
Aus der digitalisierten Bauakte der Bauberatung
Für Nachkriegsgebäude und für Vorkriegsbauten, die den Luftangriff 1944 überstanden haben, lässt sich der Aufteilungsplan meist direkt aus der Akte der Bauberatung ableiten – ergänzt um die durchgehende Nummerierung der Einheiten.
Aus dem Stadtarchiv, mit Abgleich zum heutigen Bestand
Für Gebäude, deren Bauberatungs-Akte lückenhaft ist oder nicht weiterhilft, kann ergänzend das Stadtarchiv Bielefeld weiterführen. Selbst ein dort gefundener historischer Plan muss aber gegen den heutigen Zustand geprüft werden, bevor er als Grundlage taugt.
Per Vor-Ort-Vermessung
Zeigt die verfügbare Akte erkennbar den Vorkriegszustand eines seither wiederaufgebauten Gebäudes oder ist keine verwertbare Unterlage auffindbar, wird direkt vor Ort vermessen – in der Bielefelder Innenstadt der häufigste Grund, nicht ein fehlendes Archiv.
Welche Unterlagen für Ihren Bielefelder Aufteilungsplan hilfreich sind
Je nach Weg zum Ziel:
- Bauakte mit Eigentumsnachweis und Vollmacht
Für die Einsicht bei der Bauberatung der Abteilung Bauaufsicht oder beim Stadtarchiv Bielefeld werden üblicherweise ein aktueller Eigentumsnachweis und, bei Beauftragung durch Dritte, eine Vollmacht verlangt.
- Gemarkung, Flur und Flurstück
Weil ältere Archivbestände häufig nach Flurstück statt nach Adresse sortiert sind, beschleunigt die genaue Katasterangabe die Suche spürbar – besonders bei historischen Beständen.
- Angaben zur gewünschten Aufteilung
Erst wenn feststeht, welcher Keller, welcher Speicher und welcher Stellplatz zu welcher künftigen Einheit zählen soll, kann nummeriert werden – bei Sennestädter Zeilenbauten mit gemeinschaftlich genutzten Kellerabteilen ein eigener Klärungsschritt.
Aufteilungspläne in Bielefeld – Beispiele aus der Praxis
Innenstadtnahes Gebäude mit Vorkriegsakte
Die bei der Bauberatung geführte Akte zeigt ein Gebäude aus den 1920er-Jahren – das heutige Haus an derselben Adresse entstand jedoch erst nach dem Luftangriff von 1944 als Wiederaufbau mit verändertem Grundriss. Der Aufteilungsplan entsteht deshalb komplett neu per Vor-Ort-Vermessung.
Bielefelder Westen mit durchgehend passender Akte
Weil dieses Gründerzeitquartier von der Zerstörung 1944 vergleichsweise verschont blieb, liegt bei der Bauberatung häufig eine Akte vor, die noch zum heutigen Bestand passt. Der Aufteilungsplan lässt sich direkt daraus ableiten, ergänzt um die Einheiten-Nummerierung.
Zeilenbau in Sennestadt mit sechs Jahrzehnten Modernisierung
Der Erstbezugsplan aus der Aufbauzeit ab 1956 ist vollständig erhalten, zeigt aber weder die spätere Verglasung der Balkone noch die versetzte Küchenwand. Weil hier kein Kriegsrisiko besteht, liegt die Ursache für die Abweichung allein in Jahrzehnten baulicher Veränderung – die Vor-Ort-Vermessung schafft trotzdem denselben Klärungsbedarf wie im Wiederaufbau-Altbau.
So entsteht Ihr Aufteilungsplan in Bielefeld
Der fachliche Ablauf ist bundesweit derselbe. In Bielefeld liegt das Gewicht darauf, zu prüfen, ob eine gefundene Akte tatsächlich den heutigen Zustand zeigt – nicht darauf, ob überhaupt eine Akte existiert:
- Bauakte bei der Bauberatung prüfen
Wir klären, ob eine digitalisierte Akte vorliegt und ob das Baujahr vor oder nach dem Luftangriff von 1944 liegt.
- Übereinstimmung mit dem heutigen Bestand bewerten
Auch eine vollständige Akte hilft nicht, wenn sie ein durch Kriegszerstörung oder spätere Modernisierung verändertes Gebäude zeigt – deshalb prüfen wir vor der Übernahme, ob Plan und Bestand tatsächlich zusammenpassen.
- Bei Bedarf Stadtarchiv einbeziehen
Für ältere oder lückenhafte Bestände prüfen wir ergänzend, ob das Stadtarchiv Bielefeld weiterführende historische Unterlagen führt.
- Fehlende Grundlage vor Ort aufnehmen
Passt keine Akte, wird das Gebäude direkt vermessen – als vollwertiger Ersatz, nicht nur als Ergänzung der Unterlagen.
- Einheiten festlegen, nummerieren und übergeben
Jede Einheit erhält eine durchgehende Nummer über alle Geschosse hinweg; der fertige Plan geht als Grundlage an Abgeschlossenheitsbescheinigung und Teilungserklärung.
Was den Aufwand eines Aufteilungsplans in Bielefeld beeinflusst
In Bielefeld entscheidet vor allem, ob eine gefundene Quelle zum heutigen Bestand passt – nicht allein die Gebäudegröße:
- Baujahr im Verhältnis zum Luftangriff 1944
Ein Gebäude, das den Krieg unverändert überstanden hat, lässt sich meist direkt aus der Bauberatungs-Akte ableiten. Ein Wiederaufbau der 1950er-Jahre an derselben Adresse braucht dagegen häufig eine Vor-Ort-Vermessung.
- Modernisierungsgrad bei Sennestädter oder Stieghorster Bauten
Auch ohne Kriegsrisiko weichen Erstbezugspläne nach Jahrzehnten von Umbauten oft vom heutigen Zustand ab.
- Anzahl und Zuschnitt der Einheiten
Mehr Einheiten und unregelmäßig geschnittene Grundrisse bedeuten mehr Nummerierungs- und Abgrenzungsaufwand.
- Getrennt liegende Nebenräume
Keller- oder Stellplatzflächen, die vom Hauptgebäude räumlich getrennt liegen, müssen zusätzlich eindeutig der richtigen Einheit zugeordnet werden.
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