Grundrisse in Augsburg — vom Fabrikgebäude im Textilviertel bis zur Kasernenkonversion in Sheridan-Park bemaßt erfasst

Augsburgs Gebäudebestand lässt sich kaum auf einen Nenner bringen. Im Textilviertel rund um Schäfflerbach-, Wolfram- und Herrenbachviertel prägen frühere Spinnereien, Fabrikantenvillen und kleine Wasserkraftwerke an den Lechkanälen das Bild – nach dem Niedergang der Textilindustrie ab Ende der 1950er-Jahre lange dem Verfall überlassen, seit rund zwei Jahrzehnten im Wandel zu Wohn- und Kreativquartieren. In der Jakobervorstadt reicht die Bebauung bis ins 13. Jahrhundert zurück, mit der Fuggerei liegt hier seit 1521 die älteste noch bewohnte Sozialsiedlung der Welt. Und in Kriegshaber entsteht auf dem Gelände ehemaliger amerikanischer Kasernen mit Sheridan- und Reese-Park eines der jüngeren Wohnquartiere der Stadt. Weil der Luftangriff vom 25. und 26. Februar 1944 rund ein Viertel des Augsburger Wohnraums zerstörte und historische Bauakten seither vielerorts fehlen, ist die Frage, woher ein verlässlicher Grundriss stammen kann, in Augsburg oft weniger trivial als anderswo.

Wann Sie in Augsburg einen neuen Grundriss brauchen

Auch in Augsburg ist ein Grundriss keine für sich genehmigungspflichtige Leistung, wird aber in mehreren wiederkehrenden Situationen zwingend gebraucht:

  • Verkauf und Finanzierung: Bank und Notar verlangen einen aktuellen, bemaßten Plan – bei kriegsbedingt lückenhafter Aktenlage reicht ein alter Auszug selten aus.
  • Umnutzung im Textilviertel: Wird ein früheres Fabrikgebäude oder eine Fabrikantenvilla zu Wohnraum umgebaut, muss der neue Grundriss die tatsächliche Raumaufteilung nach dem Umbau zeigen.
  • Bauliche Veränderung in der Fuggerei: Weil in der geschlossenen Sozialsiedlung keine Neubauten zulässig sind, muss jeder Grundriss die historische Bausubstanz aus dem 16. Jahrhundert exakt abbilden.
  • Teilungserklärung und Aufteilungsplan: Wer eine Immobilie in Wohnungs- und Teileigentum aufteilen will, braucht einen maßstäblichen Aufteilungsplan als Grundlage der Abgeschlossenheitsbescheinigung.
  • Umbau in Sheridan- oder Reese-Park: Auch wenn die ursprünglichen Kasernenpläne meist digital vorliegen, macht ein nachträglicher Umbau zu Wohnzwecken eine aktualisierte Erfassung nötig.
Grundriss ohne Neubau-Option: die Fuggerei

Die 1521 von Jakob Fugger gestiftete Fuggerei gilt als älteste noch bewohnte Sozialsiedlung der Welt und steht als geschlossenes Ensemble unter Denkmalschutz. Weil innerhalb der 67 Häuser keine Neubauten zulässig sind, muss sich jede bauliche Veränderung strikt in die vorhandene Bausubstanz aus dem 16. Jahrhundert einfügen – und ein aktueller Grundriss genau dokumentieren, welche Wände, Raumzuschnitte und Erschließungswege original erhalten sind. Historische Baupläne existieren zwar, geben aber selten die vielen kleinen Anpassungen der vergangenen fünf Jahrhunderte wieder. Für Verkauf, Vermietung oder eine denkmalschutzrechtliche Abstimmung mit der unteren Denkmalschutzbehörde ist deshalb praktisch immer ein Aufmaß vor Ort nötig, das den heutigen Bestand lückenlos zeigt.

Woher Ihr Augsburger Grundriss stammt

Je nach Baualter und Aktenlage kommt einer von drei Wegen infrage:

Aus Stadtarchiv oder Bauordnungsamt

Für Vorkriegsgebäude verwahrt das Stadtarchiv die historischen Bauakten bis zum Jahr 2024, jüngere Vorgänge führt das Bauordnungsamt in der Imhofstraße digital. Weil der Luftangriff von 1944 einen erheblichen Teil des Vorkriegsbestands zerstörte, sind ältere Akten nicht immer vollständig erhalten.

Mit einem Vor-Ort-Termin

Fehlt die Akte oder weicht sie vom tatsächlichen Zustand ab – etwa nach der Umnutzung eines Fabrikgebäudes im Textilviertel oder bei den kleinteiligen Häusern der Fuggerei –, wird direkt vor Ort vermessen.

Aus bereits digitalen Bauvorlagen

Für die Umbauten auf dem früheren Kasernengelände in Sheridan- und Reese-Park liegen die Baupläne meist von Beginn an digital vor und lassen sich unmittelbar weiterverwenden.

Welche Unterlagen für Ihren Augsburger Grundriss hilfreich sind

Je nachdem, welcher Weg zum Ziel führt, sind unterschiedliche Unterlagen relevant:

  • Bauakte aus Stadtarchiv oder Bauordnungsamt

    Für ältere Gebäude ist zunächst zu klären, ob die Akte noch im Stadtarchiv oder bereits digital beim Bauordnungsamt in der Imhofstraße geführt wird; ein aktueller Eigentumsnachweis wird für die Einsicht in der Regel verlangt.

  • Vorhandene alte Pläne oder Skizzen

    Selbst ein unvollständiger historischer Plan hilft als Ausgangspunkt, insbesondere bei Gebäuden im Textilviertel, deren Nutzung sich seit der Entstehungszeit grundlegend geändert hat.

  • Teilungserklärung und Aufteilungsplan

    Bei Eigentumswohnungen zeigt der bestehende Aufteilungsplan, welche Räume zum Sondereigentum gehören – wichtig, wenn ein neuer Grundriss mit der ursprünglichen Aufteilung abgeglichen werden muss.

  • Angaben zum Denkmalschutz in der Fuggerei

    Liegt das Gebäude innerhalb der Fuggerei, hilft eine kurze Beschreibung des geplanten Vorhabens, damit der Grundriss von Beginn an mit den Vorgaben der unteren Denkmalschutzbehörde vereinbar bleibt.

Grundrisse in Augsburg – Beispiele aus der Praxis

Fabrikgebäude im Textilviertel ohne verwertbare Vorkriegsakte

Für ein zu Wohnraum umgebautes ehemaliges Fabrikgebäude nahe dem Schäfflerbach existiert wegen der Kriegszerstörung häufig keine brauchbare historische Akte. Der heutige Zuschnitt wird stattdessen direkt vor Ort erfasst.

Neubauwohnung in Sheridan- oder Reese-Park

Für eine Wohnung im umgebauten früheren Kasernengelände liegt der Grundriss meist von Beginn an als digitale Bauvorlage vor und lässt sich unmittelbar für Exposé oder Bank weiterverwenden.

Altbauwohnung nahe der Fuggerei mit Abgleich gegen Welterbe-Vorgaben

Liegt eine Wohnung im Umfeld der Fuggerei oder innerhalb der Pufferzone des Augsburger Wassermanagement-Systems, wird beim Grundriss zusätzlich geprüft, ob eine geplante Veränderung mit den Vorgaben der Denkmalschutzbehörde vereinbar ist.

Sanierung eines Hauses in der Fuggerei

Weil Neubauten in der Sozialsiedlung ausgeschlossen sind, muss der Grundriss eines der 67 historischen Häuser exakt dokumentieren, welche Bausubstanz aus dem 16. Jahrhundert erhalten ist.

So läuft Ihr Grundriss in Augsburg ab

Fachlich ist der Ablauf bundesweit derselbe. In Augsburg liegt das Gewicht auf der frühen Klärung, ob und wo überhaupt noch eine historische Akte existiert:

  1. Anlass des Grundrisses bestimmen

    Ob der Grundriss für Verkauf, Finanzierung, eine Teilungserklärung oder eine denkmalschutzrechtliche Abstimmung gebraucht wird, bestimmt die Anforderungen an Maßstab und Detailtiefe.

  2. Vorlagen aus Stadtarchiv oder Bauordnungsamt sichten

    Je nach Baualter wird geprüft, ob eine historische Akte im Stadtarchiv oder eine digitale Bauvorlage beim Bauordnungsamt vorliegt und ob sie zum heutigen Bestand passt.

  3. Bestand vor Ort nachmessen, wo Unterlagen fehlen

    Reichen die vorhandenen Unterlagen nicht aus – kriegsbedingt bei vielen Vorkriegsgebäuden der Fall –, wird das Gebäude direkt vermessen.

  4. Maßstäblichen Grundriss anfertigen

    Aus den erfassten Maßen entsteht der bemaßte Grundriss – auf Wunsch inklusive Möblierung und weiteren Detailgraden für die Vermarktung.

  5. Plan zur Nutzung übergeben

    Sie erhalten den fertigen Grundriss als Plandatei, auf Wunsch mit Architektenstempel – bereit für Bank, Notar, Denkmalschutzbehörde oder Exposé.

Was den Aufwand eines Grundrisses in Augsburg beeinflusst

Der Erfassungsaufwand unterscheidet sich zwischen den Augsburger Quartieren deutlich:

  • Verfügbarkeit historischer Pläne

    Eine erhaltene, verwertbare Akte aus Stadtarchiv oder Bauordnungsamt ist der günstigste Fall. Fehlt sie kriegsbedingt oder weicht sie vom Bestand ab, kommt ein Vor-Ort-Termin hinzu.

  • Gebäudeart: Fabrikbau, Kasernenkonversion oder Altstadthaus

    Ein umgenutztes Fabrikgebäude im Textilviertel oder ein Haus in der Fuggerei verlangt mehr Erfassungsaufwand als eine Wohnung im digital geplanten Sheridan- oder Reese-Park.

  • Umfang des Gebäudes

    Eine einzelne Etagenwohnung ist rasch erfasst. Ein größeres Fabrikgebäude mit mehreren Nutzungseinheiten verlangt für jede Einheit einen eigenen Erfassungsdurchgang.

  • Anlass und gewünschter Detailgrad

    Ein reiner Nachweis für die Bauakte unterscheidet sich im Aufwand von einem vermarktungsfertigen, möblierten und bemaßten Grundriss für ein Exposé.

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