Aufmaß & Vermessung in Aachen — Bestandsaufnahme in Altstadtparzellen und geteilten Gründerzeithäusern

Aachener Bestandspläne altern schneller als anderswo, weil der Bestand selbst ungewöhnlich oft umgebaut wurde. In der Altstadt rund um den Dom sind schmale Parzellen im Lauf der Zeit zu einer Adresse verschmolzen, sodass Bauteile verschiedener Epochen mit versetzten Geschossen aneinandergrenzen. Im gründerzeitlichen Gürtel wurden große Wohnungen für eine studentisch geprägte Nachfrage geteilt, und die dafür eingezogenen Leichtbauwände tauchen in keiner Genehmigungszeichnung auf – sie waren nie Gegenstand eines Antrags. Wer heute eine Fläche nachweisen oder einen Umbau planen will, findet in der Akte deshalb oft einen Zustand, den es so nie oder längst nicht mehr gab. Ein Bauaufmaß setzt an dieser Lücke an: Es hält fest, was tatsächlich steht, und übersetzt das in bemaßte Zeichnungen und eine belegbare Flächenangabe.

Welche Anlässe in Aachen ein Aufmaß auslösen

Ein Bauaufmaß ist an keine Vorschrift gebunden; niemand muss eines beauftragen. Gebraucht wird es dort, wo eine Fläche oder eine Geometrie belegt werden muss und die vorhandenen Unterlagen das nicht hergeben. Typischerweise in diesen Fällen:

  • Es existiert keine verwertbare Zeichnung mehr, oder die vorhandene bildet einen Genehmigungsstand ab, den spätere Umbauten überholt haben.
  • Ein Umbau, eine Nutzungsänderung oder ein Bauantrag steht an und braucht einen maßhaltigen Ausgangszustand, auf dem die Planung aufsetzen kann.
  • Eine Bank oder ein Sachverständiger verlangt eine Flächenangabe, deren Zustandekommen sich Schritt für Schritt nachvollziehen lässt.
  • Wohnungseigentum soll begründet oder geändert werden: Nach § 7 Abs. 4 WEG gehören ein von der Baubehörde gesiegelter Aufteilungsplan und die Abgeschlossenheitsbescheinigung zur Eintragungsbewilligung – die Zeichnung selbst bringt der Antragsteller bei.
  • Die im Miet- oder Kaufvertrag genannte Fläche wird bestritten und soll durch eine eigene Erhebung überprüft werden.
Gebäudeeinmessungspflicht in Nordrhein-Westfalen und der Stichtag 31. Juli 1972

Nordrhein-Westfalen kennt eine echte Einmessungspflicht: Nach § 16 Abs. 2 VermKatG NRW haben Eigentümer und Erbbauberechtigte ein Gebäude auf eigene Kosten durch die Katasterbehörde oder einen Öffentlich bestellten Vermessungsingenieur einmessen zu lassen. Der zeitliche Anknüpfungspunkt ist der 31. Juli 1972. Alles, was seitdem errichtet wurde, und jede seitdem vorgenommene wesentliche Änderung des äußeren Grundrisses fällt darunter; älterer Bestand, der seither unverändert geblieben ist, wird davon nicht erfasst. Für Aachen bedeutet das eine Zweiteilung: Der historische Kern und weite Teile des Gründerzeitgürtels liegen vor dem Stichtag, jeder spätere Anbau oder Ersatzneubau dahinter. Diese Aufgabe ist der Katasterbehörde und den Öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren vorbehalten; Planprofi24 erbringt sie nicht und kann eine bestehende Pflicht auch nicht erfüllen. Sie beantwortet ohnehin eine andere Frage: Nachgewiesen wird der äußere Umriss des Gebäudes im Liegenschaftskataster. Innerhalb dieser Umrisslinie bleibt der Nachweis leer – Räume, Wände und Wohnfläche stehen dort nirgends.

Wie in Aachener Beständen gemessen wird

Welches Verfahren passt, entscheidet die Geometrie des Objekts und der Zweck der späteren Unterlagen, nicht der Gerätepreis:

Raumweises Handaufmaß mit Lasermessgerät

Der Regelweg in Wohnungen und Einfamilienhäusern. Geräte dieser Klasse arbeiten im Millimeterbereich, im Raummaß also weit unterhalb jeder rechtlich erheblichen Schwelle. Die eigentliche Fehlerquelle ist nicht das Gerät, sondern das Abschreiben – wer direkt in die Aufmaß-App überträgt, schaltet sie aus.

Diagonalen und Kontrollmaße im schiefwinkligen Altbau

Ein alter Grundriss unterstellt rechte Winkel, ein gesetzter Altbau hat sie selten. Deshalb wird jeder Raum zusätzlich über seine Diagonalen aufgenommen und die Summe der Einzelmaße gegen ein durchgehendes Rahmenmaß gehalten. Erst diese Gegenprobe zeigt, ob ein Raum wirklich rechteckig ist.

Laserscanning mit Punktwolke

Sinnvoll bei stark verformter, verschachtelter oder denkmalgeschützter Substanz, in der Wände weder lotrecht noch gerade verlaufen. Die erreichbare Genauigkeit ergibt sich nicht allein aus dem Datenblatt des Scanners, sondern aus Standpunktwahl, Zielmarken und sauberer Registrierung der Einzelscans zu einem Gesamtmodell.

Prüfung vorhandener Bauzeichnungen mit Stichproben

Die Wohnflächenverordnung lässt eine Ermittlung aus der Bauzeichnung zu, verlangt nach § 3 Abs. 4 WoFlV aber die Neuermittlung, sobald abweichend von ihr gebaut wurde. Vorhandene Pläne werden deshalb an ausgewählten Stellen am Objekt gegengeprüft, bevor aus ihnen gerechnet wird.

Was nach dem Aufmaß vorliegt

Das Messen selbst ist nur der erste Teil. Verwendbar wird es durch das, was daraus abgeleitet und dokumentiert wird:

  • Bemaßte Grundrisse aller Ebenen

    Vom Keller bis zum Spitzboden, mit durchgehenden Maßketten statt einer bloßen Maßstabsangabe. Bei zusammengelegten Altstadtparzellen werden die Bauteile in einer gemeinsamen Zeichnung geführt, damit die Versätze zwischen ihnen ablesbar bleiben.

  • Schnitte und Ansichten

    Sie zeigen, was ein Grundriss nicht darstellen kann: Geschosshöhen, Stufen zwischen benachbarten Bauteilen und den Verlauf der Dachschräge über dem darunterliegenden Raum.

  • Wohnflächenberechnung mit Rechenweg je Raum

    Gemessen wird nach § 3 Abs. 1 WoFlV im lichten Maß ab Vorderkante der Bekleidung, also am fertigen Ausbauzustand. Ausgewiesen werden Maß, Anrechnungsfaktor und Ergebnis für jeden Raum einzeln, dazu die Summe.

  • Bruttogrundfläche und Kubatur nach DIN 277

    Für Bauvorlagen, Kalkulation und Bewertung wird zusätzlich nach der Bauwerksnorm gerechnet. Beide Werte nebeneinander zu führen ist kein Widerspruch, sondern die saubere Antwort auf zwei verschiedene Fragen.

  • Zeichnungsgrundlage für Aufteilungsplan und Abgeschlossenheit

    Für die Überführung in Wohnungseigentum braucht es Grundrisse, Schnitte und Ansichten mit einheitlicher Nummerierung aller zu einer Einheit gehörenden Räume – und mit Maßangaben, die ein bloßer Maßstab nicht ersetzt.

Aufmaße in Aachen – Beispiele aus der Praxis

Geteilte Altbauwohnung im Gründerzeitgürtel

Zwei zusätzliche Zimmer entstanden durch Leichtbauwände, ein Bad wurde in eine ehemalige Kammer gesetzt. In der Bauakte steht davon nichts. Das Aufmaß hält den heutigen Zuschnitt fest und macht zugleich sichtbar, welche Flächen nach der Teilung von mehreren Einheiten zugleich genutzt werden.

Zusammengewachsene Parzellen im Denkmalbereich der Innenstadt

Hinter einer Adresse stecken drei ursprünglich getrennte Häuser mit unterschiedlichen Geschosshöhen. Ohne einen durchgehenden Maßbezug über alle Bauteile hinweg liegen die Grundrisse nicht übereinander. Die Zeichnung ist zugleich die Grundlage, auf der sich denkmalrechtliche Abstimmungen konkret führen lassen.

Wohnhaus in Kornelimünster ohne auffindbare Bauakte

Für Vorhaben im Stadtgebiet führt der städtische Fachbereich Bauaufsicht die Akten, nicht das gleichnamige Amt der StädteRegion. Bleibt die Suche erfolglos, empfiehlt sich eine schriftliche Bestätigung darüber – zusammen mit dem Aufmaß wird daraus eine belastbare Bestandsdokumentation.

Umwandlung eines Mehrfamilienhauses in den Heimgärten

Vor der Begründung von Wohnungseigentum müssen alle Einheiten zeichnerisch und maßlich eindeutig abgegrenzt sein, einschließlich Kellerabteilen und Bodenkammern. Das Aufmaß liefert die Grundlage dafür, dass Sondereigentum und gemeinschaftlich genutzte Räume nicht erst im Grundbuchverfahren auseinandergehalten werden müssen.

So läuft Ihr Aufmaß in Aachen ab

Der Ablauf folgt überall demselben Muster. Verkürzt oder verlängert wird er in Aachen vor allem durch die Vorarbeit – und dadurch, wie viele Einheiten am Termin tatsächlich offen sind:

  1. Zweck und Erfassungstiefe abstimmen

    Ein Nachweis für die Bank, eine Planungsgrundlage für einen Umbau und ein Aufteilungsplan stellen unterschiedliche Anforderungen an Detailtiefe und Darstellung. Daraus ergibt sich, welches Messverfahren gewählt wird und welche Gebäudeteile hineingehören.

  2. Bestandsunterlagen bei der Bauaufsicht anfragen

    Zuständig ist die untere Bauaufsichtsbehörde der Stadt. Nötig sind ein Eigentumsnachweis oder eine Vollmacht, die ausdrücklich auch Kopien und Fotos abdeckt – sonst wird zwar Einsicht gewährt, das Abfotografieren aber verweigert.

  3. Termin abstimmen und Zugang sichern

    Bei geteilten Häusern entscheidet der Zugang über die Dauer: Jede Einheit, der Keller, der Dachboden und verschlossene Nebenräume müssen offen sein. Bei vermieteten Wohnungen und Verwalterbetreuung braucht die Abstimmung entsprechenden Vorlauf.

  4. Erfassung am Objekt

    Gemessen wird raumweise mit Diagonalen zur Kontrolle der Rechtwinkligkeit, dazu lichte Höhen, Nischen, Vormauerungen und Öffnungen. Parallel entstehen Skizze und Fotos, damit sich jede Zahl später einer Stelle im Gebäude zuordnen lässt.

  5. Auswertung und Übergabe

    Aus den Messdaten entstehen die Zeichnungen und die Flächenermittlung mit offenem Rechenweg. Liegt das Objekt in einem der drei Aachener Denkmalbereiche, ist der dokumentierte Bestand zugleich der Bezugspunkt, an dem eine spätere Veränderung gemessen wird.

Was den Preis für ein Aufmaß in Aachen beeinflusst

Zwei Objekte gleicher Größe können sich im Messaufwand um ein Mehrfaches unterscheiden. Diese Punkte geben den Ausschlag:

  • Zahl und Zuschnitt der Räume

    Jeder zusätzliche Raum bringt eigene Maße, Höhen und Öffnungen mit. Kleinteilige Grundrisse mit Kammern, Erkern und Nischen brauchen deutlich mehr Messzeit als wenige klar geschnittene Zimmer.

  • Anzahl der Einheiten und ihre Zugänglichkeit

    In einem mehrfach geteilten Haus ist jede Wohnung eine eigene Aufnahme. Verschlossene Kellerabteile oder eine nicht betretbare Einheit führen zu Nacharbeit, die sich mit Vorlauf vermeiden lässt.

  • Schiefwinkligkeit und Ebenenversätze

    In zusammengewachsenen Altstadtgebäuden liegen benachbarte Bauteile um wenige Stufen versetzt und stoßen selten rechtwinklig aneinander. Jede dieser Stellen verlangt zusätzliche Kontrollmaße, damit die Geschosse in der Zeichnung zueinander passen.

  • Gewähltes Messverfahren

    Handaufmaß und Laserscanning unterscheiden sich in Geräteeinsatz, Dauer vor Ort und Auswertung. Ein Scan lohnt vor allem dort, wo Verformungen dokumentiert oder große Substanzmengen zusammenhängend erfasst werden sollen.

  • Umfang der abgeleiteten Unterlagen

    Nur bemaßte Grundrisse oder zusätzlich Schnitte, Ansichten, Kubatur und eine Zeichnungsgrundlage für die Aufteilung: Der Auswertungsteil wächst mit dem, wofür die Unterlagen anschließend gebraucht werden.

Alle Leistungen in Aachen

Bauantrag, Aufmaß, Grundriss, Wohnflächenberechnung, Nutzungsänderung und Energieausweis — Übersicht für Aachen ansehen →

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