Bemaßte Ansichten in Kaiserslautern — von der Nachkriegsmoderne-Fassade bis zur Gewerbehalle auf der Konversionsfläche

Auf einer Ansicht bleibt nur übrig, was ein Gebäude von außen zeigt – Fassadenfläche, Fensteröffnungen sowie Trauf- und Firstlinie, jeweils exakt bemaßt. Kaiserslautern bringt dafür ein ungewöhnlich uneinheitliches Fassadenbild mit: Die schwer getroffene Innenstadt wurde großteils in nüchterner Nachkriegsmoderne wiederaufgebaut, sodass schlichtere, weniger reich verzierte Fassaden das Stadtbild dominieren, als es in Städten mit erhaltener Vorkriegsbebauung der Fall wäre. Innerhalb des Sanierungsgebiets Altstadt kann eine Fassadenänderung dennoch zusätzlich sanierungsrechtlich bedeutsam sein. Für Neubauten am Betzenberg oder die großflächigen Gewerbehallen, die auf der Konversionsfläche Quartermaster-Kaserne entstehen sollen, gilt wiederum ein ganz anderer Maßstab: Dort zählt weniger die historische Einpassung als die klare, funktionale Darstellung ausgedehnter Fassadenflächen.

Was eine Ansicht für Kaiserslautern zeigen muss

Formal gelten für Ansichten dieselben Mindestvorgaben der Bauvorlagenverordnung wie für jede andere Bauzeichnung, inhaltlich rückt aber die äußere Erscheinung des Gebäudes in den Vordergrund:

  • Maßstab: mindestens 1:100, mit numerischer Angabe, Maßstabsleiste und vollständiger Bemaßung von Höhen und Öffnungen auf jeder dargestellten Fassadenseite.
  • Wesentliche Bauprodukte und Bauarten müssen erkennbar sein – bei Ansichten heißt das in der Praxis: Fassadenmaterial, Farbgebung und Fensterteilung, sobald sie für die Beurteilung des Vorhabens relevant sind.
  • Bei Änderungen an bestehenden Fassaden müssen zu beseitigende und geplante Bauteile eindeutig unterscheidbar dargestellt werden.
  • Liegt das Gebäude im heute noch gültigen Bereich des Sanierungsgebiets Altstadt, kann zusätzlich eine sanierungsrechtliche Genehmigung nach § 144 BauGB erforderlich werden.
Nachkriegsmoderne statt historischem Ensemble

In vielen deutschen Städten mit erhaltener Vorkriegsbebauung verlangt eine Ansicht besondere Rücksicht auf historische Fassadengliederung, Fensterformate oder Dachlandschaften. In Kaiserslautern liegt der Fall anders: Weil die Innenstadt im Krieg erheblich zerstört und danach überwiegend in moderner, funktionaler Architektur wiederaufgebaut wurde, sind viele Fassaden schlichter gegliedert als in unzerstört gebliebenen Altstädten. Das bedeutet nicht, dass jede Fassadenveränderung ohne zusätzliche Prüfung möglich wäre: Innerhalb des seit 1972 bestehenden, seither mehrfach verkleinerten Sanierungsgebiets Altstadt kann eine Fassadenveränderung weiterhin eine sanierungsrechtliche Genehmigung nach § 144 BauGB auslösen – unabhängig davon, ob das betroffene Gebäude selbst aus der Vorkriegszeit oder aus der Wiederaufbauzeit stammt.

Drei Ausgangslagen für Ihre Kaiserslauterer Ansicht

Ob eine Ansicht komplett neu entsteht oder eine bestehende Fassade dokumentiert wird, hängt vom jeweiligen Gebäudetyp ab:

Fassade eines Wiederaufbaugebäudes

Weil ältere Bauunterlagen wegen der Kriegszerstörung nicht immer vollständig vorliegen, wird die vorhandene Fassade häufig per Aufmaß vor Ort erfasst.

Neubaufassade am Betzenberg

Die Ansicht entsteht direkt aus der Neubauplanung, ohne Rücksicht auf historische Fassadenvorgaben.

Großflächige Gewerbefassade auf der Konversionsfläche

Für die geplanten Gewerbebauten auf dem Areal der Quartermaster-Kaserne stehen große, funktional gegliederte Fassadenflächen im Vordergrund statt kleinteiliger historischer Details.

Was zu einer vollständigen Ansicht in Kaiserslautern gehört

Eine einzelne Fassadenzeichnung reicht selten – gefragt ist ein auf Grundriss und Schnitt abgestimmter Satz:

  • Ansichten aller betroffenen Fassadenseiten

    Bemaßt im Maßstab mindestens 1:100, mit Höhen, Öffnungen und, wo relevant, Material- und Farbangaben.

  • Abgestimmter Grundriss und Schnitt

    Damit Maße, Geschosshöhen und Öffnungspositionen zwischen den Zeichnungen des Plansatzes übereinstimmen.

  • Nachweis der Lage im Sanierungsgebiet

    Sofern das Gebäude im heute noch geltenden Bereich des Sanierungsgebiets Altstadt liegt, wird dies bei der Darstellung der Fassade mitberücksichtigt.

  • Angaben zu Fassadenmaterial und Farbgestaltung

    Bei größeren Fassadenveränderungen oder Neubauten hilfreich, um die Ansicht von vornherein vollständig auszufüllen, statt später Rückfragen zu Material und Farbe zu beantworten.

Bemaßte Ansichten in Kaiserslautern – Beispiele aus der Praxis

Fenstertausch an einem Wiederaufbaugebäude in der Innenstadt

Neue Fensteröffnungen müssen in der Ansicht mit Rohbaumaßen und im Vergleich zum Bestand eindeutig dargestellt werden.

Fassadenveränderung im heutigen Sanierungsgebiet Altstadt

Neben der Ansicht selbst ist hier zusätzlich zu prüfen, ob der geplante Rechtsvorgang der sanierungsrechtlichen Genehmigung nach § 144 BauGB bedarf.

Neue Bürofassade im künftigen Betzenberg-Quartier

Die Ansicht entsteht direkt aus der Neubauplanung, ohne Rücksicht auf historische Fassadenvorgaben.

Großflächige Gewerbehalle auf der Konversionsfläche Quartermaster-Kaserne

Die Ansicht stellt großflächige, funktional gegliederte Fassadenflächen dar – ein deutlich anderer Maßstab als bei einer Wohnhausfassade.

Balkonanbau an einem Wiederaufbau-Mehrfamilienhaus

Weil ältere Bauunterlagen für solche Gebäude oft lückenhaft sind, wird die bestehende Fassade zunächst per Aufmaß erfasst, bevor der geplante Anbau eingezeichnet wird.

So entsteht Ihre Ansicht für Kaiserslautern

Von der Bestandsaufnahme bis zur einreichfertigen Zeichnung:

  1. Lage zum Sanierungsgebiet klären

    Welche Fassadenseiten betroffen sind und ob das Gebäude im heute noch geltenden Bereich des Sanierungsgebiets Altstadt liegt.

  2. Aufmaß oder Neubauplanung als Grundlage

    Bestehende Bestandsunterlagen oder ein aktuelles Aufmaß der betroffenen Fassade als Ausgangspunkt bei Bestandsgebäuden; bei Neubauten die laufende Planung.

  3. Ansicht bemaßt erstellen

    Im Maßstab mindestens 1:100, mit allen Pflichtangaben der Bauvorlagenverordnung.

  4. Mit Grundriss und Schnitt abgleichen

    Damit Öffnungen, Höhen und Bauteile zwischen den Zeichnungen des Plansatzes widerspruchsfrei sind.

  5. Bei Bedarf sanierungsrechtlich abstimmen

    Liegt das Gebäude im Sanierungsgebiet, erfolgt die Abstimmung über das Referat 63.2, bevor der Plansatz eingereicht wird.

Was den Preis für eine Ansicht in Kaiserslautern beeinflusst

Diese Faktoren bestimmen den Aufwand für eine bemaßte Ansicht:

  • Zahl der betroffenen Fassadenseiten

    Eine einzelne Straßenansicht ist schneller erstellt als mehrere Seiten bei einem freistehenden Gebäude.

  • Lage im Sanierungsgebiet Altstadt

    Fassaden im heute noch geltenden Bereich verlangen zusätzliche sanierungsrechtliche Abstimmung.

  • Zustand vorhandener Bestandsunterlagen

    Fehlt eine verwertbare Bestandszeichnung – bei Wiederaufbaugebäuden keine Seltenheit –, kommt ein Aufmaß-Termin hinzu.

  • Größe und Komplexität der Fassade

    Eine großflächige Gewerbefassade verlangt einen anderen Erfassungsaufwand als eine einzelne Wohnhausansicht.

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