Bemaßte Ansichten in Heilbronn — von der schlichten Nachkriegsfassade bis zum Rathausgiebel mit Kunstuhr

Der vollständige Plansatz für das Heilbronner Planungs- und Baurechtsamt bündelt Grundriss, Schnitt, Ansicht und Lageplan zu einem abgestimmten Ganzen – die Ansicht allein rückt davon nur einen einzigen Ausschnitt in den Mittelpunkt: die äußere Erscheinung des Gebäudes. In Heilbronn prägt dabei vor allem eines das Stadtbild: die betont funktionale, wenig verzierte Nachkriegsarchitektur, die nach der Zerstörung von 1944 an die Stelle der historischen Bebauung trat. Klare Fassaden mit regelmäßigem Fensterraster sind hier eher die Regel als die Ausnahme. Umso mehr Aufmerksamkeit verlangen die wenigen erhaltenen historischen Bauten wie das Rathaus mit seiner astronomischen Kunstuhr, die Kilianskirche oder der Deutschhof, sobald an ihnen oder in ihrer unmittelbaren Nähe gebaut wird.

Was eine Ansicht für Heilbronn zeigen muss

Für Ansichten gelten dieselben formalen Grundanforderungen der LBOVVO wie für den übrigen Plansatz, mit einem inhaltlichen Schwerpunkt auf der äußeren Erscheinung:

  • Maßstab üblicherweise 1:100, mit durchgehender Bemaßung von Höhen, Breiten und Öffnungen auf jeder dargestellten Fassadenseite.
  • Material und Farbgebung müssen erkennbar sein, sobald sie für die Beurteilung des Vorhabens relevant sind – etwa Putzfarbe, Fensterteilung oder das Material eines neuen Vorbaus.
  • Bei Änderungen an einer bestehenden Fassade müssen zu beseitigende und neu geplante Bauteile eindeutig unterscheidbar dargestellt werden.
  • Im Neckarbogen sind zusätzlich die gestalterischen Vorgaben des Bebauungsplans 19/22 zu berücksichtigen, die über die allgemeinen Anforderungen hinausgehen können.
Denkmalschutz: die Ausnahme statt der Regel

In den meisten deutschen Großstädten prägen historische Fassadenlinien große Teile der Innenstadt und damit auch einen erheblichen Teil der bemaßten Ansichten, die beim Bauamt eingereicht werden. In Heilbronn ist das anders: Weil die Altstadt beim Luftangriff vom 4. Dezember 1944 zu weiten Teilen zerstört und danach bewusst modern wieder aufgebaut wurde, betrifft eine denkmalschutzrechtliche Prüfung der Fassade nur eine kleine Zahl von Gebäuden – allen voran die wieder aufgebauten oder erhalten gebliebenen Bauten wie das Rathaus mit seiner astronomischen Kunstuhr, die Kilianskirche mit ihrem markanten Turm und der Deutschhof. Betrifft ein Vorhaben eines dieser Gebäude oder liegt es in unmittelbarer Sichtbeziehung dazu, prüft die untere Denkmalschutzbehörde zusätzlich zur baurechtlichen Prüfung, ob sich das äußere Erscheinungsbild in einer verträglichen Weise verändert. Für den ganz überwiegenden Teil der Heilbronner Nachkriegsbauten entfällt diese zusätzliche Prüfung dagegen vollständig.

Neubau, Nachkriegsfassade oder Baudenkmal – drei Ausgangslagen

Wie eine Ansicht entsteht, hängt davon ab, ob sie eine neue Fassade plant, eine gewöhnliche Bestandsfassade dokumentiert oder ein geschütztes Gebäude betrifft:

Neubau: alle Seiten aus einer Planung

Bei einem Neubau entstehen die Ansichten aller Fassadenseiten gemeinsam mit Grundriss und Schnitt aus derselben Planung – im Neckarbogen zusätzlich abgestimmt auf die Gestaltungsvorgaben des Bebauungsplans 19/22.

Nachkriegsbestand: Aufmaß der betroffenen Fassade

Bei einem Anbau, Fenstertausch oder einer Dachgaube braucht es zunächst ein aktuelles Aufmaß der betroffenen Fassadenseite, insbesondere wenn die zugehörige Bauakte lückenhaft ist.

Baudenkmal: zusätzliche Abstimmung

Bei einem der wenigen erhaltenen Baudenkmale wird die Ansicht so detailliert angelegt, dass sie sowohl der baurechtlichen als auch der denkmalschutzrechtlichen Prüfung standhält.

Was zu einer vollständigen Ansicht in Heilbronn gehört

Eine einzelne Fassadenzeichnung reicht selten – gefragt ist ein auf Grundriss und Schnitt abgestimmter Satz:

  • Ansichten aller betroffenen Fassadenseiten

    Bemaßt im Maßstab üblicherweise 1:100, mit Höhen, Öffnungen und – wo relevant – Material- und Farbangaben je Seite.

  • Abgestimmter Grundriss und Schnitt

    Damit Maße, Geschosshöhen und Öffnungspositionen zwischen den Zeichnungen des Plansatzes übereinstimmen.

  • Hinweis auf einen bestehenden Denkmalschutz

    Liegt das Gebäude im Denkmalbuch der unteren Denkmalschutzbehörde, wird dies bei der Darstellung der Fassade von vornherein mitgedacht.

  • Bezug zum Gestaltungskonzept im Neckarbogen

    Bei Grundstücken im Geltungsbereich des Bebauungsplans 19/22 wird die Ansicht zusätzlich gegen dessen Gestaltungsvorgaben abgeglichen.

Bemaßte Ansichten in Heilbronn – Beispiele aus der Praxis

Balkonanbau an einem Nachkriegs-Mehrfamilienhaus

Die Ansicht zeigt, wie sich der neue Balkon in die regelmäßige Fassadengliederung einfügt – bei einer schlichten Putzfassade meist ohne besondere gestalterische Auflagen.

Fassadensanierung in Sichtweite des Rathauses

Ein Gebäude in unmittelbarer Nähe des Rathauses mit seiner astronomischen Kunstuhr verlangt besondere Sorgfalt bei der Darstellung, weil die Wirkung im Zusammenhang mit dem geschützten Ensemble mitgeprüft wird.

Fenstertausch an einem einfachen Nachkriegs-Wohnhaus

Die Ansicht zeigt die vorhandene und die geplante Fensteraufteilung, ohne dass eine denkmalschutzrechtliche Prüfung hinzukommt.

Neubaufassade im Neckarbogen

Die Ansicht wird gegen die Gestaltungsvorgaben des Bebauungsplans 19/22 abgeglichen, etwa zu Material und Fassadengliederung im neu entstehenden Quartier.

So entsteht Ihre Ansicht für Heilbronn

Von der Bestandsaufnahme bis zur einreichfertigen Zeichnung:

  1. Betroffene Fassadenseiten klären

    Welche Seiten sind vom Vorhaben sichtbar betroffen und liegt eines der wenigen Baudenkmale in unmittelbarer Nähe.

  2. Aufmaß oder Bauakte als Grundlage

    Bauakte des Planungs- und Baurechtsamts oder ein aktuelles Aufmaß der betroffenen Fassade, insbesondere bei lückenhafter Nachkriegsakte.

  3. Ansicht bemaßt erstellen

    Im Maßstab üblicherweise 1:100, mit allen Pflichtangaben der LBOVVO und, sofern relevant, den für Material und Farbe nötigen Zusatzangaben.

  4. Mit Grundriss und Schnitt abgleichen

    Damit Öffnungen, Höhen und Bauteile zwischen den Zeichnungen des Plansatzes widerspruchsfrei bleiben.

  5. Für das Planungs- und Baurechtsamt zusammenstellen

    Digital über das virtuelle Bauamt Baden-Württemberg aufbereitet, bei Bedarf mit Blick auf einen bestehenden Denkmalschutz.

Was den Preis für eine Ansicht in Heilbronn beeinflusst

Diese Faktoren bestimmen den Aufwand für eine bemaßte Ansicht:

  • Zahl der betroffenen Fassadenseiten

    Eine einzelne Straßenansicht ist schneller erstellt als mehrere Seiten bei einem freistehenden Gebäude.

  • Neubau oder Bestandsfassade

    Eine Ansicht aus einer laufenden Neubauplanung entsteht meist zügiger als die Dokumentation einer Bestandsfassade mit lückenhafter Aktenlage.

  • Denkmalschutzrechtliche Prüfung

    Bei einem der wenigen erhaltenen Baudenkmale braucht es zusätzliche Angaben zu Fassadenmaterial und Farbgebung, die andernorts entfallen.

  • Zustand vorhandener Bauakten

    Fehlt eine verwertbare Bestandszeichnung, kommt ein Aufmaß-Termin hinzu, bevor die Ansicht entstehen kann.

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