Bemaßte Ansichten in Gelsenkirchen — von der Klinkerfassade in Nordstern bis zur Siedlungsstraße in Flöz Dickebank

Eine Ansicht zeigt dem Referat 63, wie ein Vorhaben von außen wirkt – Höhen, Fensterachsen, Materialgrenzen. Anders als der bemaßte Grundriss, der Räume und Wände in der Draufsicht ordnet, oder die Bauzeichnung, die den kompletten Plansatz aus Grundriss, Schnitt und Ansicht zusammenführt, geht es hier ausschließlich um die äußere Erscheinung des Gebäudes. In Gelsenkirchen wird diese Aufgabe an zwei sehr unterschiedlichen Fassadentypen sichtbar: dem backsteinsichtigen Industriebau der früheren Zeche Nordstern, deren markantes Fördergerüst und deren zur Bürofläche umgebaute Werkshallen den Charakter des heutigen Nordsternparks prägen, und den einfachen, mehrfach überstrichenen Putzfassaden der Bergarbeiterhäuser in Flöz Dickebank oder am Schüngelberg. Beide Fassaden verlangen dieselbe formale Sorgfalt bei Maß und Material – aber aus völlig unterschiedlichen Gründen.

Was das Referat 63 von einer Gelsenkirchener Ansicht erwartet

Für Ansichten gelten in Gelsenkirchen dieselben formalen Mindestanforderungen der BauPrüfVO NRW wie für die übrigen Bauzeichnungen, mit inhaltlichem Schwerpunkt auf der äußeren Erscheinung:

  • Grundsätzlich Maßstab 1:100; ein größerer Maßstab ist zu wählen, sobald er für die geforderten Eintragungen notwendig wird.
  • Wesentliche Bauprodukte und Bauarten müssen erkennbar sein – bei Ansichten bedeutet das in der Praxis Fassadenmaterial, Farbgebung und Fensterteilung, sobald diese für die Beurteilung relevant sind.
  • Bei Änderungen an bestehenden Fassaden müssen zu beseitigende und geplante Bauteile eindeutig voneinander abgegrenzt dargestellt werden.
Zwei Fassadenwelten, eine Zeichnung

Wer eine Ansicht für ein Gebäude im Umfeld der früheren Zeche Nordstern erstellt, hat es mit einer Fassade zu tun, die selbst zum Wahrzeichen geworden ist: Das markante Doppelbock-Fördergerüst und mehrere zur Bürofläche umgenutzte Werkshallen prägen den heutigen Nordsternpark, der aus der Landesgartenschau 1997 hervorgegangen ist. Bauliche Eingriffe an solchen ehemaligen Zechenbauten – etwa neue Fensteröffnungen in einer stahl- und klinkersichtigen Werkshallenfassade – verlangen eine Ansicht, die klar zwischen der historischen Industriearchitektur und der geplanten Ergänzung unterscheidet. Ganz anders liegt der Fall in den Bergarbeitersiedlungen Flöz Dickebank und Schüngelberg: Dort sind es meist unscheinbare Putzfassaden von Reihen- und Doppelhäusern, deren Denkmalwert weniger im einzelnen Bauteil als im geschlossenen Straßenbild der gesamten Siedlung liegt. Eine einzelne veränderte Fensterproportion oder eine abweichende Farbfassung kann dort den Gesamteindruck der Zeile stärker stören, als es bei einem freistehenden Einzelgebäude der Fall wäre – die Ansicht muss deshalb auch die unmittelbare Nachbarbebauung mit einordnen, nicht nur das eigene Haus.

Neubau oder Bestandsfassade – zwei unterschiedliche Ausgangslagen

Ob eine Ansicht komplett neu entsteht oder eine bestehende Fassade dokumentiert, wirkt sich unmittelbar auf die Herangehensweise aus:

Neubau: Ansichten aus einer durchgeplanten Fassade

Für ein Vorhaben im neu entstehenden Waldquartier entstehen die Ansichten aller Fassadenseiten gemeinsam mit Grundriss und Schnitt aus einer einzigen Planung – Öffnungen, Materialien und Höhen sind von Beginn an aufeinander abgestimmt.

Bestand: Aufmaß der betroffenen Fassade

Bei einem Fenstertausch, einer Dachgaube oder einem Anbau an ein Siedlungshaus braucht es zunächst ein aktuelles Aufmaß der betroffenen Fassadenseite, weil individuelle Veränderungen über Jahrzehnte in der Hausakte selten vollständig dokumentiert sind.

Was zu einer vollständigen Ansicht für Gelsenkirchen gehört

Eine einzelne Fassadenzeichnung reicht dem Referat 63 selten – gefragt ist ein auf Grundriss und Schnitt abgestimmter Satz:

  • Ansichten aller betroffenen Fassadenseiten

    Bemaßt im Maßstab 1:100, mit Höhen, Öffnungen und – wo relevant – Material- und Farbangaben.

  • Abgestimmter Grundriss und Schnitt

    Damit Maße, Geschosshöhen und Öffnungspositionen zwischen den Zeichnungen des Plansatzes übereinstimmen.

  • Auskunft der Denkmalbehörde bei Siedlungslagen

    Für Fassaden in Flöz Dickebank oder am Schüngelberg hilft eine vorab eingeholte Einschätzung, damit die Ansicht Ensembleschutz und Vorhaben von Anfang an zusammendenkt.

Bemaßte Ansichten in Gelsenkirchen – Beispiele aus der Praxis

Neue Fensteröffnung in einer umgenutzten Werkshalle nahe Zeche Nordstern

Die Ansicht zeigt, wie sich die zusätzliche Öffnung in die stahl- und klinkersichtige Bestandsfassade einfügt, mit eindeutiger Abgrenzung zwischen erhaltener Industriearchitektur und geplanter Ergänzung.

Fenstertausch an einem Siedlungshaus in Flöz Dickebank

Weil sich das Haus in eine geschlossene Häuserzeile einfügt, zeigt die Ansicht zusätzlich zur eigenen Fassade, wie sich die neue Fensterproportion zum unveränderten Nachbarhaus verhält.

Fassade eines Mehrfamilienhaus-Neubaus im Waldquartier

Alle vier Fassadenseiten entstehen direkt aus der laufenden Planung, durchgehend im Maßstab 1:100 – ohne vorherige Bestandsaufnahme, weil auf freier Fläche gebaut wird.

So entsteht Ihre Ansicht für Gelsenkirchen

Von der Bestandsaufnahme bis zur einreichfertigen Zeichnung:

  1. Betroffene Fassadenseiten klären

    Welche Seiten sind vom Vorhaben tatsächlich sichtbar betroffen – bei Reihen- und Doppelhäusern häufig nur eine oder zwei.

  2. Aufmaß oder Hausakte als Grundlage

    Vorhandene Hausakte des Referats 63 oder ein aktuelles Aufmaß der betroffenen Fassade als Ausgangspunkt.

  3. Ansicht bemaßt erstellen

    Im Maßstab 1:100, mit allen Pflichtangaben der BauPrüfVO NRW und – wo relevant – Material- und Farbangaben.

  4. Mit Grundriss und Schnitt abgleichen

    Damit Öffnungen, Höhen und Bauteile über den gesamten Plansatz hinweg widerspruchsfrei sind.

  5. Für das Referat 63 zusammenstellen

    Digital aufbereitet für die Einreichung, bei Siedlungslagen ergänzt um die Einordnung zum Ensembleschutz.

Was den Preis einer Gelsenkirchener Ansicht bestimmt

Ein pauschaler Preis lässt sich seriös nicht nennen, weil Fassadentyp und Ausgangslage zu unterschiedlich sind. Den Ausschlag geben vor allem:

  • Zahl der betroffenen Fassadenseiten

    Eine einzelne Straßenfassade ist schneller erfasst als mehrere Seiten bei einem freistehenden Industriegebäude.

  • Neubau oder Bestandsfassade

    Eine Ansicht aus einer laufenden Neubauplanung entsteht spürbar zügiger als die Dokumentation einer über Jahrzehnte veränderten Siedlungsfassade.

  • Detailtiefe bei Material und Farbe

    Denkmalgeschützte Siedlungslagen und umgenutzte Industriebauten verlangen häufig zusätzliche Angaben zu Fassadenmaterial und Farbgebung.

  • Lage in einer geschlossenen Häuserzeile

    Häuser in Flöz Dickebank oder am Schüngelberg verlangen zusätzlichen Aufwand für die Einordnung zur unveränderten Nachbarbebauung.

Alle Leistungen in Gelsenkirchen

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