Aufmaß in Bad Homburg — Villen, deren Bauakte älter ist als die Bundesrepublik

Der Bad Homburger Gebäudebestand stammt zu einem erheblichen Teil aus einer Zeit, in der die Stadt internationaler Kurort war. Villen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, repräsentative Wohnhäuser, Kurbauten – Gebäude, die für Wirkung gebaut wurden und deren Geometrie das zeigt. Erker, Türmchen, Risalite, Wintergärten, Balkone auf Konsolen, Raumhöhen weit über dem, was heute üblich ist. Für ein Aufmaß bedeutet jedes dieser Merkmale zusätzliche Messpunkte.

Dazu kommt der Zustand der Unterlagen. Die Bauakten dieser Häuser sind teils über hundert Jahre alt. Sie sind in einer heute unüblichen Darstellung gezeichnet, oft in preußischen Maßen bemaßt, nach Jahrzehnten der Lagerung nicht mehr maßhaltig – und sie bilden nichts von dem ab, was seither geschah: die Aufteilung großer Wohnungen, die Einbauten der Nachkriegszeit, die Bäder, die es 1898 noch nicht gab. Diese Pläne sind wertvoll für das Verständnis eines Gebäudes und wertlos als Arbeitsgrundlage. Wer in Bad Homburg saniert, umbaut oder mit der Denkmalschutzbehörde spricht, braucht deshalb zuerst eine Aufnahme des Ist-Zustands.

Wann Sie in Bad Homburg ein Aufmaß brauchen

Ein Aufmaß ist keine Pflichtunterlage, aber die Voraussetzung dafür, dass andere Unterlagen tragen:

  • Vor jeder Sanierungs- oder Umbauplanung im historischen Bestand.
  • Vor einem Bauantrag, weil Bestands- und Genehmigungsplanung aufeinander aufbauen müssen.
  • Vor der Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde, die einen dokumentierten Ist-Zustand voraussetzt.
  • Vor einer Wohnflächenberechnung, wenn Raumhöhen, Erker oder Wintergärten eine Rolle spielen.
  • Vor der Aufteilung eines großen Wohnhauses in Eigentumswohnungen.
Warum ein Denkmal genauer aufgemessen wird als ein Neubau

Bei einem Gebäude ohne Schutzstatus genügt für die meisten Zwecke die Geometrie: Wo stehen die Wände, wie groß sind die Räume, wie hoch die Geschosse. Bei einem Kulturdenkmal reicht das nicht, weil der Schutz sich nicht auf den Baukörper beschränkt, sondern die Gliederung mit einschließt. Ein Gesims, eine Fensterteilung, ein Stuckprofil, die Stufung eines Erkers – das sind die Merkmale, wegen derer ein Gebäude unter Schutz steht, und genau sie müssen in den Unterlagen erscheinen, wenn ein Eingriff abgestimmt werden soll. Eine Bestandszeichnung, die die Fassade als glatte Fläche mit rechteckigen Öffnungen zeigt, ist für die Bauaufsicht möglicherweise ausreichend und für die Denkmalschutzbehörde nutzlos. Hinzu kommt die Bauteilebene: In historischer Substanz ist selten rechtwinklig, was rechtwinklig aussieht, und Wandstärken schwanken über die Geschosse hinweg erheblich. Ein 3D-Laserscan nimmt diese Abweichungen auf, ohne dass jemand vorher entscheiden muss, welche davon wichtig sind – das ist bei einem Gebäude, dessen Sanierung sich über Jahre erstreckt, der entscheidende Vorteil gegenüber einer punktuellen Handaufnahme.

Wie in Bad Homburg aufgemessen wird

Die Methode richtet sich nach Substanz und Verwendungszweck:

3D-Laserscan

Bei historischer Substanz meist die erste Wahl. Die Punktwolke erfasst auch Gliederung und Unregelmäßigkeiten und erlaubt spätere Auswertungen, an die beim Termin niemand gedacht hat.

Laserdistanzmessung mit Tablet-Erfassung

Für Wohnungen und einfacher geschnittene Gebäude. Schneller und günstiger, aber auf das begrenzt, was vor Ort erfasst wird.

Fassadenaufnahme mit Gliederung

Erfassung von Gesimsen, Öffnungsformaten und Profilen – erforderlich, wenn eine Gestaltungssatzung oder der Denkmalschutz greift.

Raumhöhen und Deckenaufbauten

In Altbauten mit hohen Räumen unverzichtbar, weil sie über Nutzbarkeit, Flächenanrechnung und Kubatur entscheiden.

Was zum Termin hilfreich ist

  • Historische Pläne, soweit vorhanden

    Als Orientierung über die ursprüngliche Struktur wertvoll, auch wenn sie nicht maßhaltig sind.

  • Denkmalliste oder Schutzbescheid

    Zeigt, ob und in welchem Umfang das Gebäude geschützt ist – das bestimmt die nötige Detailtiefe.

  • Kenntnis späterer Umbauten

    Wann wurde aufgeteilt, wann kamen Bäder hinzu, wurde eine Wand entfernt?

  • Zugang zu allen Bereichen

    Auch Keller, Dachboden und Nebengebäude – bei Villen häufig mit eigener Substanz.

  • Katasterauszug

    Für die Verortung im Grundstück, insbesondere bei großen Villengrundstücken.

  • Zweck der Aufnahme

    Sanierungsplanung, Bauantrag, Aufteilung oder Denkmalabstimmung – daraus folgt der Detaillierungsgrad.

Typische Bad Homburger Aufmaß-Situationen

Villa vor der Gesamtsanierung

Ein Laserscan liefert die Grundlage für alle Folgeplanungen – Grundrisse, Schnitte, Fassadenabwicklungen – ohne dass für jede Disziplin erneut gemessen werden muss.

Großwohnung vor der Aufteilung

Aus einer repräsentativen Etagenwohnung sollen zwei Einheiten werden. Aufteilungsplan und Flächenberechnung setzen eine maßhaltige Aufnahme voraus, die auch die Raumhöhen erfasst.

Dachgeschoss eines Altbaus mit Ausbauabsicht

Erfasst werden Sparrenlage, lichte Höhen und die Geometrie unter den Kehlbalken – Grundlage für die Frage, was überhaupt möglich ist, bevor die Satzungslage geprüft wird.

Nachweis des Ist-Zustands vor einer Denkmalabstimmung

Bevor über einen Eingriff gesprochen wird, muss dokumentiert sein, was vorhanden ist. Eine saubere Bestandsaufnahme verkürzt diese Gespräche erheblich.

So läuft das Aufmaß ab

  1. Objekt und Zweck klären

    Schutzstatus, Umfang und geplante Verwendung bestimmen Verfahren und Detailtiefe.

  2. Termin vereinbaren

    Alle Bereiche sollten zugänglich sein, bei Villen einschließlich Keller, Dachraum und Nebengebäuden.

  3. Aufnahme vor Ort

    Je nach Objekt per Laserscan oder Laserdistanzmessung, bei geschützter Substanz einschließlich der Gliederungselemente.

  4. Digitale Aufbereitung

    Aus den Messdaten entstehen maßhaltige Bestandspläne im gewünschten Format.

  5. Weiterverwendung

    Dieselbe Aufnahme trägt Sanierungsplanung, Bauantrag, Flächenberechnung und Aufteilung – ohne erneutes Messen.

Was den Aufwand eines Aufmaßes in Bad Homburg bestimmt

Nicht die Fläche entscheidet, sondern die Gliederung und der Anspruch an die Genauigkeit:

  • Gliederung des Gebäudes

    Erker, Risalite, Türmchen und Wintergärten erhöhen die Zahl der Messpunkte erheblich gegenüber einem einfachen Baukörper.

  • Schutzstatus

    Bei Kulturdenkmälern ist eine höhere Detailtiefe erforderlich, weil die Gliederung Teil des Schutzgegenstands ist.

  • Aufnahmeverfahren

    Ein 3D-Laserscan ist aufwendiger als eine Handaufnahme, liefert dafür eine Grundlage für alle späteren Auswertungen.

  • Zahl der Geschosse und Nebengebäude

    Villengrundstücke bringen häufig Remisen, Gartenhäuser oder Garagen mit eigener Substanz mit.

Alle Leistungen in Bad Homburg vor der Höhe

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