💡 Tipp: Ein Tragwerksplaner rechnet nur so genau, wie seine Grundlage ist. Die maßhaltigen Bestandspläne, auf denen er aufbaut, liefern wir. Bestandspläne anfragen →
Das Wichtigste in Kürze
- Der Standsicherheitsnachweis weist rechnerisch nach, dass ein Bauwerk allen Einwirkungen standhält – Eigengewicht, Nutzlast, Wind und Schnee.
- Er gehört zu den Bauvorlagen und wird gemeinsam mit dem Bauantrag eingereicht.
- Erstellen darf ihn ein qualifizierter Tragwerksplaner. Ein Architekt nur dann, wenn er zusätzlich dafür qualifiziert ist – die beiden Rollen fallen selten zusammen.
- Ob zusätzlich ein Prüfingenieur eingeschaltet wird, hängt von Gebäudeklasse und Konstruktion ab und ist Landesrecht.
- Auch im Bestand relevant: Wanddurchbrüche, entfernte Wände und Aufstockungen verändern den Lastfluss und müssen nachgerechnet werden.
Die Statik ist der Teil des Bauantrags, den Bauherren am wenigsten sehen und am seltensten hinterfragen – bis eine Wand fallen soll. Dann stellt sich heraus, dass die Frage „ist die tragend?“ ohne Berechnung nicht seriös zu beantworten ist. Ein Überblick, wann der Nachweis Pflicht ist und was er voraussetzt.
Was der Nachweis leistet
Der Standsicherheitsnachweis dokumentiert rechnerisch, dass ein Bauwerk unter allen maßgeblichen Einwirkungen stabil bleibt. Dazu zählen das Eigengewicht der Konstruktion, die Nutzlasten aus Menschen und Einrichtung sowie Wind- und Schneelasten, die je nach Region unterschiedlich angesetzt werden.
Er ist kein Gutachten über den Ist-Zustand, sondern eine Berechnung des geplanten Zustands. Genau deshalb hängt seine Aussagekraft daran, wie genau die Ausgangsdaten sind: Geometrie, Wandstärken, Spannrichtungen der Decken, Materialien.
Wann er verlangt wird
Drei Fälle decken den Großteil der Praxis ab:
- Neubau. Für jedes neu errichtete Gebäude gehört der Nachweis zu den einzureichenden Bauvorlagen.
- Eingriff in tragende Bauteile im Bestand. Ein Wanddurchbruch, eine entfernte Wand oder ein zusätzlicher Deckendurchbruch verändert den Lastfluss. Was vorher über eine Wand abgetragen wurde, muss danach anders in den Baugrund gelangen.
- Aufstockung und Anbau. Zusätzliche Geschosse bringen Lasten ein, die das vorhandene Tragwerk aufnehmen können muss. Ob es das kann, ist ohne Berechnung nicht zu beurteilen.
Der zweite Punkt wird regelmäßig unterschätzt. Ob eine Wand tragend ist, lässt sich an ihrer Dicke oder ihrem Klang nicht zuverlässig erkennen – und die Frage gehört vor den Abbruchhammer, nicht danach.
Wer den Nachweis erstellen darf
Erstellen darf ihn ein qualifizierter Tragwerksplaner beziehungsweise Statiker. Ein Architekt darf das nur, wenn er zusätzlich als Tragwerksplaner qualifiziert ist; in der Praxis sind das getrennte Rollen. Den Nachweis selbst erstellt ein qualifizierter Tragwerksplaner. Planprofi24 liefert die maßhaltigen Bestandspläne, auf denen er rechnet.
Wann zusätzlich geprüft wird
In vielen Bundesländern muss der Nachweis nicht nur eingereicht, sondern zusätzlich von einem staatlich anerkannten Prüfingenieur geprüft werden. Ob die Prüfpflicht greift, hängt von Gebäudeklasse und Art der Konstruktion ab – und die Regeln dazu sind Landesrecht, unterscheiden sich also von Bundesland zu Bundesland.
Die Faustlinie: Bei Sonderbauten, mehrgeschossigen Wohngebäuden ab höheren Gebäudeklassen und ungewöhnlichen Konstruktionen – große Spannweiten, unübliche Bauweisen – prüft in der Regel ein unabhängiger Prüfingenieur. Bei einfachen Einfamilienhäusern der niedrigsten Gebäudeklasse entfällt die Prüfung in einigen Ländern. Verbindlich sagt Ihnen das nur die zuständige Bauaufsichtsbehörde; eine allgemeine Antwort trägt hier nicht.
Warum der Statiker zuerst Pläne braucht
Ein Tragwerksplaner rechnet nicht ins Blaue. Er braucht belastbare Angaben zu Geometrie, Wandstärken und Deckenspannrichtungen. Fehlen aktuelle Bestandspläne, gibt es zwei Wege – und beide kosten:
- Er lässt den Bestand selbst aufnehmen. Das verlängert den Vorlauf.
- Er rechnet mit Annahmen und sichert diese durch Zuschläge ab. Das macht die Konstruktion teurer als nötig, weil auf der sicheren Seite dimensioniert wird.
Ein sauberes Aufmaß im Vorfeld ist deshalb selten verlorenes Geld. Wie sich Aufmaß und Zeichnung zueinander verhalten, erklärt der Beitrag Aufmaß oder Bauzeichnung richtig beauftragen; für die einreichfähigen Zeichnungen selbst gibt es die Bauzeichnung als Plansatz.
Was der Standsicherheitsnachweis nicht abdeckt
Der Nachweis beantwortet genau eine Frage: Hält die Konstruktion? Andere Anforderungen an dasselbe Bauteil beantwortet er nicht mit – und diese Verwechslung führt regelmäßig zu Lücken in den Bauvorlagen:
- Brandschutz. Eine Wand kann statisch einwandfrei sein und trotzdem die geforderte Feuerwiderstandsdauer verfehlen. Der Brandschutznachweis ist ein eigener Nachweis.
- Wärmeschutz. Die energetischen Anforderungen an die Gebäudehülle sind vom Tragwerk unabhängig und werden getrennt nachgewiesen.
- Schallschutz. Bei Decken zwischen zwei Einheiten ist er häufig der bestimmende Faktor – nicht die Tragfähigkeit.
- Gründung und Baugrund. Der Nachweis rechnet mit angenommenen Bodenkennwerten. Sind die Verhältnisse unklar, braucht es zusätzlich ein Baugrundgutachten.
In der Praxis heißt das: Ein Vorhaben ist nicht deshalb vollständig aufbereitet, weil die Statik steht. Welche Nachweise Ihr konkretes Vorhaben braucht, hängt von Gebäudeklasse, Nutzung und Bundesland ab – ein Blick in die Checkliste der Bauantragsunterlagen hilft, die Lücken früh zu finden.
Was der Nachweis kostet
Das Honorar richtet sich nach Umfang und Schwierigkeit des Tragwerks. Eine Pauschale wäre hier irreführend: Der Aufwand für einen einzelnen Wanddurchbruch und der für ein mehrgeschossiges Wohngebäude liegen um Größenordnungen auseinander. Sinnvoll ist ein Angebot für das konkrete Vorhaben, bevor Sie sich festlegen.
Ein Kostenfaktor, der sich beeinflussen lässt, ist die Datengrundlage: Je genauer der Bestand dokumentiert ist, desto weniger Sicherheitszuschläge muss der Statiker einrechnen – und desto schlanker fällt die Konstruktion aus.
Häufige Fragen
Brauche ich für einen Wanddurchbruch einen Statiker?
Wenn die betroffene Wand tragend ist, ja. Der Durchbruch verändert den Lastfluss, und die verbleibende Konstruktion muss die Lasten weiterhin aufnehmen können. Ob eine Wand tragend ist, lässt sich ohne Bestandsunterlagen oft nicht sicher beurteilen – diese Frage gehört deshalb vor den Umbau.
Kann mein Architekt die Statik mitmachen?
Nur, wenn er zusätzlich als Tragwerksplaner qualifiziert ist. In der Praxis sind Architektur und Tragwerksplanung getrennte Rollen, die selten in einer Person zusammenfallen. Der Nachweis kommt deshalb üblicherweise von einem eigenen Fachplaner.
Muss der Standsicherheitsnachweis immer geprüft werden?
Nein, das hängt von Gebäudeklasse und Konstruktion ab und ist Landesrecht. Bei Sonderbauten, mehrgeschossigen Wohngebäuden ab höheren Gebäudeklassen und ungewöhnlichen Konstruktionen prüft in der Regel ein unabhängiger Prüfingenieur; bei einfachen Einfamilienhäusern der niedrigsten Gebäudeklasse entfällt die Prüfung in einigen Ländern.
Welche Unterlagen braucht der Statiker von mir?
Maßhaltige Bestandspläne mit Geometrie, Wandstärken und möglichst den Deckenspannrichtungen. Fehlen sie, muss der Bestand aufgenommen werden oder es wird mit Annahmen und Sicherheitszuschlägen gerechnet – Letzteres macht die Konstruktion in der Regel teurer.
Gilt der Standsicherheitsnachweis auch für genehmigungsfreie Vorhaben?
Verfahrensfreiheit bedeutet nicht, dass die materiellen Anforderungen entfallen. Auch bei einem verfahrensfreien Vorhaben muss die Standsicherheit gewährleistet sein; lediglich die Pflicht zur Einreichung bei der Behörde kann entfallen. Welche Nachweise Sie vorhalten müssen, sagt Ihnen die zuständige Bauaufsichtsbehörde.
Wie lange dauert die Erstellung?
Das hängt vom Umfang des Tragwerks und vor allem davon ab, ob eine belastbare Datengrundlage vorliegt. Liegen aktuelle, bemaßte Bestandspläne vor, entfällt der Aufnahmeschritt. Kommt eine Prüfung durch einen Prüfingenieur hinzu, verlängert sich der Gesamtvorgang entsprechend.
Die Grundlage für Ihren Standsicherheitsnachweis
Den Nachweis erstellt Ihr Tragwerksplaner. Die maßhaltigen Bestandspläne, auf denen er rechnet, bekommen Sie bei uns — aufgemessen vor Ort und sauber bemaßt.
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